Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3315709-3316567-3316599--57574-3376039
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 25 789 MEIßELT mal verraten, was wir wollen; wir machen keine Vorschläge, Marmorek wolle nur die Leitung befehden, seine Ideen bieten nichts Positives; das muß vielen ein Rätsel sein. Das E. A. C. hatte unseren Antrag, ein politisches Komitee einzusetzen, übernommen und selbst auf die Tagesordnung gesetzt; es hat ihn zurückgezogen, sobald es merkte, daß die Herren von der Majorität dagegen waren. Es gab also doch eine Zeit, wo das E. A. C. diesen Antrag als etwas Positives, nicht als etwas Oppositionelles betrachtete. Warum dann die Behauptung, die Antragsteller machen keine positiven Vorschläge? Das Positive in den Anträgen Marmoreks ist für einen politischen Zionisten leicht verständlich, es zieht sich wie ein langer Faden durch die Verhandlungen der letzten Jahre und verfolgt immer dieselbe Richtung, so positiv ist es. Die Anträge weisen wie die Magnetnadel nach dem Pol. Wenn die Praktischen stets die Anträge ablehnten, so war es, weil sie von anderen Prinzipien beseelt sind, das ist die innere Ursache, denn die persönliche Gegnerschaft, die sich leider auch unter uns in erschreckendem Maße eingestellt hat, kann ich nicht anders, als auf grundsätzlich verschiedene Anschauungen zurückführen. — — In einer Sitzung des Permanenzausschusses auf dem VII. Kongreß in Basel vertrat Marmorek mit allem Eifer die Ansicht: man müsse Zangwill im A. C. und in unseren Reihen behalten. Ich sprach nicht viel in der Versammlung, aber ich trat ebenfalls entschieden dafür ein. Enthielt dieser Antrag etwas Positives? Nach der Haltung der Praktischen bei der Abstimmung, konnte man so etwas gar nicht verlangen. Leider hat sich der Herr Zangwill im Laufe der Jahre fortwährend bemüht, den Praktischen recht zu geben. Nicht nur wir haben Zangwill verloren, er hat sich selbst verloren, und Zangwill ist ein großer Verlust für unsere Sache, für das jüdische Volk. Marmoreks Antrag wollte dies verhindern, aber das Positive wurde nicht verstanden. — Marmorek hörte nicht auf, zu verlangen, wir sollen die Bank reorganisieren, stärken und aktionsfähig machen für einen Moment, der früher oder später nicht nur eintreffen könne, sondern müsse und von dem man nicht sagen könne, wann er eintreffen werde. Wenn dieser Moment nicht schon dagewesen wäre, so enthielte er noch immer sehr Positives. Aber dieser Moment war schon da — kein Praktischer, der über die Vorgänge im Zionismus orientiert ist, kann dies heute bestreiten — und wir waren unvorbereitet. Marmorek verlangte, man soll die Leitung nicht nach Berlin, sondern anders wohin — oder doch wenigstens in eine neutrale Stadt wie Haag verlegen. Man kann natürlich anderer Meinung sein, aber das Positive in diesem Antrag ist nicht zu verkennen. Wir verlangten die Einsetzung eines politischen Komitees von drei Personen, von denen eine ein Mitglied des E. A. C. war. Abgesehen von den prinzipiellen Gründen, die ich erörterte, war mit der Wahl der Personen das Positive gegeben. Denn, daß dieses Komitee in einer ganz bestimmten Richtung zu arbeiten ausersehen war, ist deutlich und klar für jeden Kenner unserer Verhältnisse. — Wir haben im Actions- Comite wiederholt erklärt, wohin wir uns wenden wollten, warum wir die jetzige Politik für verkehrt halten: Weil die Grundanschauung, wir könnten ohne die Unterstützung eines bestimmten Machtfaktors Erfolge erzielen, nach unserer Meinung irrig sei. Die Ereignisse bestätigen leider, was wir Oppositionellen voraussahen. Und man behauptet einfach glatt weiter, allen Tatsachen zum Hohn: Die Politik der Majorität ist die beste, die Opposition nörgelt nur, sie hat niemals sachliche Vorschläge gemacht. Folgende Tatsache ist besonders festzuhalten, weil sie für die ganze Angelegenheit bezeichnend ist. Das A. C. hat unsem Antrag, ein politisches Komitee einzusetzen, abgelehnt. Das will sagen: Diese Politik wollen wir nicht machen, und ein Komitee neben dem E. A. C. können wir nicht brauchen. — Aber sogleich ernennt das E. A. C. ein recht großes politisches Komitee (nach unserer Ansicht war ein solches politisches Komitee arbeitsunfähig) — das E. A. C. bittet sogar die von uns vorgeschlagenen Personen, sie sollten in das nicht vom A. C., sondern vom E. A. C. ernannte große Komitee eintreten, trotzdem diese Personen nach langer Debatte abgelehnt wurden. Man betraut aber mit der Mission, die wir unserem Komitee zugedacht hatten, andere als die von uns ausersehenen Personen, man erkennt also das Positive in unserem Antrag, aber man versucht es in anderer Weise auszuführen. Wäre man bei der Ablehnung der von uns vorgeschlagenen Personen geblieben, so ließe sich wenigstens nichts gegen die Logik und Konsequenz der Handlungsweise einwenden. So aber bleibt nicht unser Verlangen, sondern die Handlungsweise der Leitung unverständlich. Was wir nicht verzeihen können, weil die Interessen des Zionismus nach unserer Ansicht schlecht vertreten wurden, das ist gerade die Tatsache, daß man nicht die von uns beantragten Personen ermächtigt hat, die Schritte zu machen. — Beweise, daß sie etwas erreicht hätten, kann man natürlich nicht bringen. Jedenfalls haben die anderen keine Erfolge erzielt. Unser Komitee wäre wahrscheinlich glücklicher gewesen, denn es war dafür geeigneter. — Die Anträge Marmoreks hatten bloß den einen Fehler: ihre Tragweite wurde von den meisten nicht verstanden. In der November-Sitzung 1912, so wird berichtet, sind die Richtlinien der Politik des E. A. C. festgelegt und einstimmig gebilligt worden. — Das Datum November 1912 war viel zu spät, um endlich Richtlinien in der Politik festzulegen. Jahrelang habe ich gekämpft und gefordert, daß solche Linien festgestellt werden, es wurde immer abgelehnt. Die Leitung, die Praktischen, wollten keinen Plan, das ist ausdrücklich gesagt worden. Endlich also hat man sich entschlossen. Das Festlegen dieser Linien geschah unter dem Druck der von uns ausgeübten Aktion, dies war eine Folge unserer Pariser Versammlung. Die Einstimmigkeit in der Gutheißung kann ich nicht bestreiten, aber erklären: Nach der trostlosen Pariser Versammlung, über die zu sprechen noch einmal Gelegenheit sein wird, war die politische Opposition nicht bei der A. C.-Sitzung anwesend, d a - her die Einstimmigkeit der Gutheißung in der November- Sitzung. Ich habe den A. C.-Mitgliedem gesagt und geschrieben und hier wiederhole ich es, auf die Gefahr hin, daß man dies wieder als pathetische Deklamation auffaßt: Die Geschichte wird sehr streng über uns urteilen! Wir haben uns in einem historischen Moment unfähig gezeigt, die Situation zu erfassen. Mag die zionistische Oeffentlichkeit ermessen, welche Ueberwindung es uns, die Opposition, bei diesen Empfindungen gekostet hat, zwei Jahre lang zu schweigen, mag sie jetzt den Wert der Angriffe erkennen, mit denen wir noch obendrein bedacht werden, wenn wir es nur wagen, etwas zu sagen.- Die mit Eifer betriebene Propaganda der jetzigen Richtung hat uns durch ihre besonders gefärbte Art neben den Erfolgen, die zweifelsohne erzielt wurden, die Feindschaft vieler deutscher Juden eingebracht. — Diese Gegner waren ja niemals unserer Freunde und nun müssen wir ja auch ihre Feindschaft getrost hinnehmen, aber, ob das wirklich nicht zu vermeiden war? Auch früher hatten wir diese Feindseligkeiten auszustehen, das ist gewiß. Aber wir müßten uns immer wieder sagen, daß unser Streben dahin zielt, alle Juden zu dem großen Zwecke zu vereinen. Wir müssen unablässig bestrebt sein, große jüdische Persönlichkeiten zu gewinnen, denn groß ist unsere Aufgabe, und wir können hervorragende Kräfte brauchen. Anstatt dessen werden die wenigen unter uns, die über das gewöhnliche Maß eines vorschriftsmäßigen Zionisten hinausragen, die einzigen Männer von europäischem Ruf, die wir noch haben, langsam hinausgeärgert. Auf dem nächsten Kongreß soll sogar tabula

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.