Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 25 787 ME^ELT lebten. Er sieht im Zionismus einen feinen Idealismus, der dem jüdischen Namen und der Welt Ehre mache. Dr. Magnes erklärte, daß er seit seinem Aufenthalt in Palästina eigentlich nur ungern über den Zionismus spreche, denn er fühle, daß die Tat viel wichtiger sei. Er hob Herrn Sokolows vielseitige Fähigkeiten und seine klare Darstellung des Zionismus hervor und bedauerte, daß sein schnelles Weiterreisen es vielen Zionisten unmöglich gemacht habe, ihn öfter zu sehen und mit ihm zu sprechen. Dr. Sch ul man sagte, obgleich er kein Zionist sei, schätze er doch das große Talent und die Fähigkeiten des Herrn Sokolow, und er habe die Empfindung, daß alle Parteien in Israel sich in mancher Hinsicht den zionistischen Bestrebungen zuneigen könnten. Professor Friedländer und Mr. Masliansky sprachen über die Vielseitigkeit des verehrten Gastes. Mr. E1 k u s drückte sein Bedauern über die Abreise des Herrn Sokolow aus und gab der Hoffnung auf eine baldige Wiederkehr Ausdruck. Mr. G o 1 d b e r g erklärte, die Existenz der zionistischen Partei habe gewisse Streitfragen unter den Juden wachgerufen. Die Zionisten seien aber froh darüber, daß auch diejenigen Juden, welche behaupten, keine Zionisten zu sein, fast das gesamte zionistische Programm billigten. Es sei die Organisation, welche den Zionismus zu einer lebenden Macht gemacht habe, daher müsse die Organisation unterstützt werden. Der Aufruf des Herrn Goldberg für den Zentralfonds veranlaßt die sofortige Sammlung von 1200 M. Mr. Rosenblatt machte im Namen der Federation die Mitteilung, daß diese Herrn Sokolow in das Goldene Buch des Nationalfonds eingetragen habe. Zum Schluß stattete Herr Sokolow in englischer Sprache allen denjenigen seinen Dank ab, die ihm seinen Aufenthalt in Amerika angenehm und lehrreich gestaltet haben. Wenn er auch nur im Fluge durch das Land geeilt sei, so habe er doch das amerikanische Judentum beobachtet und könne sagen, daß dasselbe eine Seele in sich habe, welche sich entfalten und dem jüdischen Namen neuen Glanz verleihen werde. In diesem freien Lande gäbe es keine Notwendigkeit, die nationalen Traditionen und Gewohnheiten zu unterdrücken, aber er glaube doch nicht, daß Amerika, trotz seiner Freiheit, jemals charakteristische jüdische Leistungen hervorbringen werde, denn der Einfluß des amerikanischen Lebens verhindere dies. Aber das amerikanische Judentum, durch den Strom nationalen Lebens, der bereits durch Palästina fließe, neu gestärkt, könne seine individuelle Existenz aufrecht erhalten. Viele, die hierher kamen, sprechen von zwei Heimaten, der alten und der neuen. Aber ihre Kinder werden nur die neue Heimat kennen und von der alten nicht mehr sprechen, und werden so die Bande zerreißen, welche sie mit dem nationalen Erbe verbinden. Darum ist die Schaffung eines neuen Mittelpunktes in Palästina so wertvoll, denn dadurch wird ihnen eine neue alte Heimat, ein Altneuland, gegeben, und von diesem werden die Juden in Amerika jene spezielle Färbung erhalten, jenen Idealismus und jene nationale Würde, welche unbedingt notwendig sind, wenn dem alten Lebensstrom nicht ein jähes Ende bereitet werden soll. Und es ist nicht eine Heimat, die wir brauchen, sondern d i e Heimat, die Heimat, welche die Wiege alles dessen ist, was unserem Anspruch auf Auszeichnung Glaubwürdigkeit gibt. Zu diesem Werk, an welchem alle Zionisten arbeiten, und welches Leben in die gesamte Diaspora bringen wird, sollten sich alle vereinigen, welche den alten Anspruch an jüdisches Leben empfinden. Herr Sokolow sprach von den Hoäehooza- Vereinen, welche sich aus Gruppen von Männern zusammensetzen, deren Bestimmung es ist, sich mit ihren Familien i n Palästina niederzulassen, und das reiche und freie Amerika zu verlassen, um ein nationales Leben zu führen. Nachdem noch Briefe vom Richter Maver Sulzberger, Dr. S. Schechter, Professor G. Deutsch, Professor Max L. M a r g o 1 i s und Leon Goldman aus Montreal verlesen waren, schloß die Feier mit dem Gesänge der Hatikwah. Der „American Hebrew“ schreibt in seiner Nummer vom 6. Juni: „Das Abschiedsbankett für Herrn Nahum Sokolow am Mittwochabend war ein angemessener Abschluß für eine der erfolgreichsten Tourneen eines ausländischen Gastes der jüdischen Welt von Amerika. Herr Sokolow hat die Erwartungen, sowohl persönlich, als auch betreffs der Sache, die er vertrat, weit übertroffen. Wir erfahren, daß seine dreimonatliche Vortragstournee in den Vereinigten Staaten und Kanada der zionistischen Organisation eine Summe von über 40 000 M. eingebracht hat, und dies sehr gute Resultat ist an und für sich ein Zeugnis für die Beredsamkeit und überzeugende Kraft unseres Gastes. Aber vor allen Dingen hat sich Herr Sokolow durch seine große Bescheidenheit und seine persönlichen Charaktereigenschaften in dem ganzen großen Bereich, den er während seines Aufenthaltes berührte, viele Freunde erworben, und diese hoffen, ob aus zionistischer Ueberzeugung oder nicht, daß sein jetziger Besuch der Vorläufer für andere zukünftige sein möge." Die politischen Zionisten in der Opposition*) Von Jean Fischer - Antwerpen 11. Die Arbeitsmethode der Leitung, die aus den Peilten der praktischen Zionisten hervorging, entspricht natürlich gröbtenteils den Anschauungen der Majorität, auf die sie sich stützt. Die Praktischen verwahren sich dagegen, daß sie nicht auch nach politischen Anschauungen handeln. Sie haben unrecht, s ist besser, seinen Prinzipien treu zu bleiben, als die gegnerischen zu befolgen, um der Opposition die Waffen aus der Han zu nehmen. Man muß mit seinem Prinzip stehen und »allen können; das Lavieren bringt keinen Segen. Es ist hier nicht der Platz, Beispiele allgemeiner Art anzuführen. Bleiben wir bei uns. Wolffsohn hat redlich versucht, den Forderungen der praktischen Richtung entgegen zukommen, er hat nachgegeben, erst nur sehr ungern, ann hat er wieder freiwillig zu viel zugestanden, »o \ie, a zu letzt die Prinzipien des politischen Zionismus in den Hintergrund traten. Was war die Folge? Die Bewegung kam nicht vorwärts und die Erbitterung im gegnerischen Lager wuchs über die Maßen. Wolffsohns praktische Arbeit, behauptete man, sei deshalb nicht gut, weil sie erzwungen, weil sie ohne Ueberzeugung gemacht werde. Wolffsohn mußte gehen. Nun sind die Praktischen am Ruder, und fortwährend sind sie bemüht, zu beweisen, wie gut und wie viel sie politisch arbeiten. Wenn sie ihr eigenes Programm gut durchführten, wahrlich, keiner hätte ihnen einen Vorwurf machen können. Die Praktischen vermögen aber ihr eigentliches Programm nicht gut durchzuführen, nicht, weil ihnen der gute Wille mangelt, sondern weil, wie schon tausendmal gesagt, viele Schwierigkeiten das ganze System unmöglich machen. Die Leitung hat sich die allergrößte Mühe gegeben, das *) Vergl. Nr. 23 der „Welt" d. J.