Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 24 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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760 Nr. 24 sein, vorteilhafter als bisher einzukaufen, was zur Verbilligung der Produktion und somit zu einer Ausdehnung der Absatzmöglichkeiten führen wird. Eine weitere Verringerung der Produktionskosten erwarte ich von der Hebung der Arbeitsleistung der Arbeiter, die zunächst durch ein Prämiensystem für bessere Leistungen angestrebt werden soll. Dies sind in kurzen Strichen meine Pläne für die nächste Zukunft. Ich hoffe, daß der Bezalel bei einer kontinuierlichen Fortführung der Arbeit nicht bloß in seinem jetzigen Umfang erhalten, sondern auch noch weit darüber hinaus wird entwickelt werden können.“ Sehr erfreulich ist es, daß Prof. B. Schatz, der mit genialem Schöpfersinn, seltenem Geschick und aufopferungsvoller Hingabe den Bezalel geschaffen hat, nunmehr nach der Reorganisation der Anstalt seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der Kunstgewerbeschule, die ausschließlich seiner Leitung unterstehen wird, stellen kann. Ein neues Katastergesetz Die türkische Gesetzgebungsmaschine arbeitet jetzt mit Volldampf. Nach den Gesetzen über Ankauf von Liegenschaften durch juristische Personen und über Immobiliar-Erbfolge, kommt jetzt das Katastergesetz, das am 18. Februar veröffentlicht wurde und vom Tage der Veröffentlichung in Kraft trat, wenn auch die endgültige Bestätigung dem Parlament Vorbehalten bleibt-. Es enthält in 61 Artikeln, außer der Einleitung, Abschnitte über die Vermessungs- und Aufnahmekommission, über die Obliegenheiten der Abschätzungskommissionen, sowie über Abgaben- und Urkundengebühren. Es wäre für unsere Kolonisten wertvoll, wenn die palästinische Presse, namentlich der „Chaklai", dieses so wichtige Gesetz publizieren wollte. Hier seien nur Art. 27 und 2S angeführt: Art. 27. Die Mitglieder der Aufnahmekommission besitzen die Ermächtigung, in den Städten und den Dörfern, in denen sie beschäftigt sind, Eingaben anzunehmen, die die Handlungen des Kaufs, der Zession, der Verpfändung und der Schenkung betreffen, sowie Teilungen und Trennungen von Grundstücken auszuführen. Solange das Aufnahmegeschäft in einer Mahalla oder in einer Ortschaft nicht beendet ist und die darüber angelegten Listen nicht übersandt worden sind, können in dem Hauptort der Kasa gerichtliche Handlungen, die sich auf jene Mahalla oder Oertlichkeiten beziehen, nicht ausgeführt werden. Art. 28. Denjenigen unter den Ortseingesessenen, die um die Erlaubnis zur Urbarmachung von Oedländereien innerhalb der gesetzlichen Frist einkommen, werden von der Aufnahmekommission Ländereien angewiesen. Die Erlaubnis kann sich auf eine Fläche bis zu 103 Dunam erstrecken. Ueber die der Urbarmachung durch die Bewohner überlassenen Oedländereien wird ein besonderes Register angelegt. Das Gesetz verlangt für jede Vermessungskommission sowie für jede Aufnahmekommission einen Ingenieur und zwei Geometer. Bei dem Mangel an Ingenieuren und Geometern, der in der Türkei herrscht, würde unsere studierende Jugend, soweit sie die türkische Staatsangehörigkeit annehmen wollte, sicherlich Verwendung finden. Gesetzes wandte. Wie nun die Zeitungen melden, entsendet jetzt die Regierung den Rabbiner Jizchak S c h a k i aus Konstantinopel nach Jerusalem, um an Ort und Stelle die Angelegenheit zu untersuchen und der Regierung Bericht zu erstatten. Rabbiner Schaki bringt ein Empfehlungsschreiben vom Justizminister an den Jerusalemer Gouverneur mit, worin dieser aufgefordert wird, Rabbi Schaki in seiner Mission zu unterstützen. Kleine Nachrichten In diesem Jahr gab es noch am 17. Mai ausgiebigen Regen, was in Palästina zu den äußersten Seltenheiten gehört. In der jüdischen Kolonie K a s t i n i e betrug die Regenmenge 20 mm, fast ebenso stark war der Regen in Jerusalem, wo er den in diesem Jahre sehr knapp gefüllten Zisternen zu statten kam. Für den ersten Tag nach Schabuoth wird in Jaffa ein Blumenfest geplant. 50 °/o der Einnahmen sollen der Jaffaer Bibliothek, 30 o/o dem Jüdischen Nationalfonds und 20 o/o den Kindergärten zufließen. Der Jerusalemer „Haor" hat — wie es heißt bloß für einige Monate —, sein Erscheinen eingestellt. Lag-Baomer in Jerusalem Nach vielen Tausenden zählte die Menge, die sich im Kidron-Tale versammelt hatte, um am Grabe Schimeons des Zaddik das Lag-Baomer-Fest zu feiern. Das prachtvolle Gelände mit seinem natürlichen amphitheatralischen Aufbau bot ein sehenswertes farbenreiches Bild mit allen Nuancen, durch die das buntscheckige Galuth in Jerusalem repräsentiert ist. Die Jemeniten, die Perser, Mesopotamier und andere orientalische Juden, die Bucharer mit ihren langen wallenden Bärten und buntgekleideten Frauen, die polnischen und russischen Juden in den schwarzen Sammethüten und langen schwarzen Kaftanen, sie bildeten alle eine große, leider in zahlreiche einzelne Gruppen deutlich auseinanderfallende, vielgestaltige Masse. Aus dem Ganzen fiel ein kleines Häuflein von etwa 50 jungen jüdischen Makkabi-Tumem heraus, im Fez und der schmucken Turneruniform (weiße Turnerjacke mit blauem Band). Sie bildeten mit ihren Turnübungen den Schwerpunkt und die Attraktion der ganzen Festversammlung, sie wirkten gestaltend und ordnend auf die chaotische Masse. Dieser Gegensatz zwischen alt und jung war es, den Dr. Schemarjahu L e v i n , Mitglied des Engeren Actions-Comites der zionistischen Organisation, in einer improvisierten Ansprache berührte. Mit tiefer Wehmut wies er auf diese Menge ohne Einheitlichkeit im Gepräge und Charakter hin, die noch so weit hinter dem wie aus einem Guß geschaffenen neuen Jischub zurückbleibe. Um wieder eine Einheit zu bilden, müsse unsere Sprache zunächst wieder belebt werden und uns alle vereinigen. Die Jugend müsse mit aller Kraft sich gegen jeden Versuch, den Sprachen Wirrwarr aufrechtzuerhalten und die Ausbreitung der hebräischen Sprache zu verzögern, auflehnen. Jubelnde Hedadrufe belohnten die kräftigen Worte des immer jugendfrischen Redners, der, zufällig als Gast zugegen, sich zu einer Ansprache hatte erbitten lassen. Der Militärdienst der Chachamim Bekanntlich befreit das türkische Gesetz die Geistlichen aller Konfessionen, sowie alle Studierenden an höheren theologischer. Lehranstalten vom Militärdienst. Nun ergaben sich in Jerusalem bei der praktischen Anwendung des Gesetzes auf die jüdischen Theologiestudierenden gewisse Unstimmigkeiten, da die zuständigen Behörden nicht zu beurteilen wußten, welchen Jeschiboth der Charakter einer höheren theologischen Anstalt zusteht. Es kam darüber zu Meinungsverschiedenheiten zwischen der Behörde und dem Chachambaschi von Jerusalem, der sich an den Großrabbiner Haim Nahum in Konstantinopel mit Beschwerden wegen Außerachtlassung des Vom Deutsch-Israelitischen Waisenhaus in Pethach-Tikwah Die durch den Tod Dr. Grünhuts vakant gewordene Stelle eines Direktors des Deutsch-Israelitischen Waisenhauses in Pethach-Tikwah ist nun nach einer kurzen Uebergangszeit mit einer geeigneten leitenden Kraft besetzt worden. Der neue Direktor, Herr Dr. J. M i r k i n , genießt den Ruf eines scharfsinnigen Gelehrten und begabten Schriftstellers. Er schrieb viele Essays jüdisch-philosophischen Inhalts in hebräischer Sprache, die sieb durch Gedankentiefe und stilistische Vollendung auszeichnen. Audi im jüdischen öffentlichen Leben