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Die Welt · 1913-06-13 · 24 (13.6.1913) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 753 DIESqEELT wir den Meister der Geduld, die ja auch Weisheit ist, den weißen Mantel mit dunklen Streifen auf die Streu gebreitet, auf der er sitzt, und schauen in Hiobs schmerzliches und doch ergebenes Antlitz, der seiner Weisheit Schluß ausklingen läßt in das Lob des Gottes, den Israel der Menschheit verkündet hat als den Schöpfer aller Welt und den Vater aller Menschen. Und dann blicken wir in die liebliche Idylle, die uns das Fest der Gesetzgebung am Sinai zugleich als das Erntefest erscheinen läßt und wir atmen in dem einfachen Geschichtchen von der Ruth gleichzeitig mit der über das Grab hinaus dauernden Treue und Liebe jene Landluft des Landes Israel ein, in der diese Treue ihre Heimat hat. Aus diesem ernsten und doch freudig gehobenen Bauernleben Israels ist seine Kraft geflossen, die in der Größe seiner Propheten aufragt, ist jene Lieblichkeit und Innigkeit geboreh, die in seinen Liedern wiederhallt. Wie Ruth, die schlanke Frauengestalt, auf ihrem Haupte die Garbe trägt, wie Boas aus dem Tore Bethlehems hinausreitet, um auf seinen weiten Feldern den Schnittern zuzuschauen und nach dem Rechten zu sehen, wie die Garben in Schwaden gestellt das gesegnete Feld bedecken, das zeigt uns das Erntefest Schabuoth in seinem ursprünglichen Geiste, zeigt uns den engen und untrennbaren Zusammenhang zwischen der Landarbeit Israels im Lande der Väter und dem Geiste des Gesetzes, den das Volk atmet. Und im wunderlichen Gegensatz: hinter der lieblichen Ruth die Wundergestalt des unsteten Propheten Jona mit seinen Wandererlebnissen und seinem Eifer, mit seiner tiefen Gottergebenheit und seinem Einherfliehen vor Gott und endlich seiner tiefen Erkenntnis des Gottes Israels, dessen Erbarmen unendlich groß ist, gegen die Menschen und gegen alle Kreatur. Aber eben so wenig ist der Bilderreichtum des dritten Bandes zu erzählen, in dem Lilien seine Auffassung im lebendigen Bilde in die „Liederdichtung“ der altisraelitischen Literatur hineinträgt. Mehr als in früheren Bänden hat er hier die breite Schönheit der hebräischen Quadratbuchstaben dazu benutzt, um Ornamente und Randleisten alle in unübertroffener Vollendung und in einem Reichtum und einer Mannigfaltigkeit herzustellen, die die reiche Phantasie immer aufs neue bewundern läßt. Und alles und jedes, Zierleisten und bildliche Darstellungen, Initialen und Frauengestalten zeigen das eigentlich nationale jüdische Wesen, das Lilien so tief erfaßt, weil er selbst ein Hebräer ist mit seinem ganzen Denken und Fühlen. Die Psalmen, jene tiefreligiösen Dichtungen, durch die der hebräische Stamm zum Vorbild für alle frommen Dichtungen aller Zeiten geworden ist, haben in Lilien einen Interpreten gefunden, der die Wahrheit seiner Gefühle wiederum dem Lande entnommen hat, mit dem Israels Psalmendichtung unlösbar verwoben ist. Erschütternd ist die Darstellung der klagenden Frauen Zions, die an Babels Wassern sitzen und ihren Schmerz um Zion und ihre von roher Feindesfaust zerschmetterten Kinder verzweifelt hinausweinen. Tief ergreifend auch die Gestalt Jeremias, der seine Klagelieder um Zion gramerfüllt in sich hineinschluchzt. Und völlig begreiflich wird die Größe dieses Schmerzes, wenn daneben das Hohelied des liederreichen Königs in die Fülle der Schönheit und Lieblichkeit hineinblicken läßt, die durch den gewaltigen Sieger vernichtet wurde. So hat Lilien in seiner Bibel und ihren Bildern ein echt hebräisches Werk geschaffen, das einzig darunter leidet, daß erst dann die volle Schönheit der Illustration zur Geltung käme, wenn die lapidare Schönheit der hebräischen Quadratbuchstaben von diesen echthebräischen Randleisten geschmückt würde und sie wieder schmückte. Zum Fest der Ernte im Lande Israel, dem Feste der Gesetzgebung, an dem wir der Grundlage aller hebräischen und jüdischen Kultur gedenken, der geistigen, die im Gesetze gegeben war, der materiellen, die im Boden des Landes Israel der Erneuerung harrt, freuen wir uns des gelungenen Werkes. Wir freuen uns der Schönheit des Landes und der Herrlichkeit Zions, die des Malers Griffel vor uns wieder auftauchen läßt in althebräischer Schönheit. Heinrich Loewe. E. M. Lilien \\ 51 Israel: Aegyptisches Hieroglyphenmotiv

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