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Die Welt · 1913-06-13 · 24 (13.6.1913) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 DIE3§&LT Zuhörer rechnen darf —, aber nicht schwarz auf weiß schreiben. Ist denn jüdische Kultur der europäischen, d. h. der allgemeinmenschlichen entgegengesetzt? Der Verfasser dieses kühnen Satzes hat vermutlich gehört, daß das jüdische Denken einen eigenen Rhythmus, ein eigenes Tempo, eine eigene Ausdrucksform hat. Aber von dieser psychologischen Konstatierung zur Verneinung des Europäertums ist ein gewaltiger, halsbrecherischer Sprung. Nicht verneinen wollen wir Europa, sondern weiterentwickeln. Wir sind Europäer. Jahrtausende europäischer 751 Kultur, europäischer Geistesarbeit leben in uns fort. Gewiß, es gibt eine jüdische Nuance. Und auf sie allein kommt es uns an. Sie herauszuarbeiten, ihr eine Form zu geben, eine Prägung, eine Bindung, das soll die Arbeit für die jüdische Kultur sein. Man darf. nun nicht mit Begriffen Fangball spielen. In nationalen, besonders aber in kulturellen Fragen muß man sehr genau und sehr vorsichtig sein. Sonst überwuchern verstiegene Theorien die einfache Wahrheit und überlaute Worte drängen sich an die Stelle sinnvoller Erkenntnis. Dr. A. C o r a 1 n i k. Bilder zur Bibel (Zum Schabuothfeste) Das Fest der jüdischen Kultur könnte man am schicklichsten jenen Feiertag nennen, der die Gesetzgebung an das jüdische Volk zu seinem Gegenstände hat. Denn diese Gesetzgebung ist nach den Worten der Bibel die Weisheit der hebräischen Nation in den Augen der Völker. Diese Gesetzgebung wurde die Grundlage der jüdischen Kultur, und durch sie hat Moses den Stamm, der nur durch gemeinsame Herkunft geeint war, in eine Kulturnation verwandelt, die alle Stürme der Jahrtausende überdauert hat und sogar dem Verrate in der eigenen Mitte trotzt, wenn er sich auch noch so sehr das Mäntelchen allumfassenden Weltbürgertums oder fremdnationaler Stammeszugehörigkeit umhängt. An dieser Bibel und ihren Worten, an dem Geiste dieses größten Kulturwerks aller Zeiten zerschellen die Pläne, die darauf ausgehen, dem Volke den Volkscharakter zu rauben, das zuerst die Gesetze sozialer Gerechtigkeit geschaffen hat, das unter allen Völkern das erste war, das den Ausgleich fand zwischen der selbstverständlichen Wahrung seiner Eigenart und der Rücksicht auf die Lebensinteressen und Lebensrechte der anderen Völker. Aber das weitaus Wichtigste bei diesem Volkstum und in dieser geschichtlichen Entwicklung war es doch, daß zu einer Zeit, wo die anderen Völker immer nur auf sich und ihre eigenen Interessen bedacht waren, wo die Kulturvölker nur in sich Menschen sahen und in anderen Völkern nur Barbaren, die Hebräer im Geiste ihrer Gesetzgebung und ihrer großen Propheten ihre Eigenart darin erkannten, daß sie dem Frieden und dem Fortschritt bei allen Völkern dienen wollten. Darum gibt E. M. Lilien es nichts Nationaleres im jüdischen Volke, nichts Stammestümücheres, als den Prophetismus, und nichts, was mehr dem Wesen des Volkstumes entspricht als die biblische Gesetzgebung. Der Urgrund alles jüdischen Wesens ist die Bibel. Sie ist die erste große Schöpfung der jüdischnationalen Kultur und zugleich die Negierung aller Versuche, diese nationale Kultur zu zerstören. Deshalb ist und bleibt die Bibel die Mutter und Wurzel alles jüdischen Wesens. Die Bibel mit ihrer lapidaren Schönheit unserem Volke nahe zu führen, ist die Vorbedingung, wenn wir neue jüdische Kultur schaffen und wenn wir den Idealen leben wollen, die unseres Volkes eigenstes Wesen ausmachen. An diese Quellen alles jüdischen Lebens muß das Volk zurückgeführt werden. In diesem Sinne ist es von unschätzbarem Werte, daß jetzt ein Künstler uns die Schriften der Hebräer in einem neuen Gewände vorführt, das geeignet ist, nicht bloß neues Interesse für die alten Urkunden zu erwecken, sondern anschaulich die Schönheit des konkreten Lebens im Lande der Väter hervorzuzaubern, die längst entschwunden und zerstört worden ist, während die ideale Schönheit der Sprache und des geistigen Inhalts in den Blättern der Heiligen Schrift der Vernichtunggetrotzt hat. Der jüdische Künstler E. M. Lilien ist es, der sein tiefstes Können, seine höchste Begeisterung, seine reichste Schöpferkraft, seinen so unermüdlichen Fleiß dem Gegenstände widmet, in dem er das Judentum in der freiesten Entwicklung sah. Denn ein freier Künstler wie Lilien jWose mußte, dem Adel der v

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