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Die Welt · 1913-06-06 · 23 (6.6.1913) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
23 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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724 Nr, 23 sendmal höherem Maße, als es bis jetzt geschehen ist, leisten. Wo ist hier nun in aller Welt der „theoretische" Gegensatz zwischen ihm, dem „politischen" Zionisten und uns? Herr Fischer sagt, die Organisation als solche dürfe sich nicht in vielen kleinen Unternehmungen zersplittern. Sehr richtig! Aber wo und wann hat sie dies getan? Unseres Wissens hat sie sich — wie Herr Fischer dies verlangt — nur „mit Instituten großen Stils" beschäftigt. Offiziell zionistische Institutionen sind bisher in Palästina nur die A. P. C. und der N.-F. Alle anderen Gründungen sind private Gesellschaften, deren Anteilseigner ihr Kapital freiwillig riskiert haben. Nun wird Herr Fischer wohl nicht bestreiten wollen, daß die Trennung zwischen den offiziell zionistischen und den privaten Gesellschaften keine absolute sein kann. Gewisse dieser privaten Gesellschaften nähern sich nämlich, was ihre Wichtigkeit und ihre Zukunftsaussichten betrifft, jenen „Institutionen großen Stils", deren sich, nach Herrn Fischers eigenen Worten, die Organisation annehmen muß. Dazu gehört vor allem die P. L. D. C., ferner der Bezalel, die Immobiliengesellschaft Palästina und später event. eine Agrarbank. An diesen überragend wichtigen Unternehmungen kann die Organisation nicht gleichgültig vorübergehen. Auch sagt ja Herr Fischer selbst, daß die Organisation alle Unternehmungen unterstützen müsse. Herr Fischer möge nun öffentlich erklären, welches die „nach unserer Ueberzeugung verfehlten Unternehmungen" sind, für die wir jahrelang unsere Energie verwendet haben. Gegen A. P. C. und N.-F. (sofern er seine Mittel statutenmäßig verwendet) hat Herr Fischer doch nichts einzuwenden. Was meint er also? Die P. L. D. C.? Den Bezalel? Die Immobiliengesellschaft? Letztere ist ein sehr solides Privatunternehmen, das im vorigen Jahre 6 °/o, in diesem 8 o/o Dividende verteilen konnte. Der Bezalel ist ein privater Verein, dessen wir uns aber aus den oben erwähnten Gründen annehmen mußten. Er ist jetzt reorganisiert und wird nach streng geschäftlichen Grundsätzen arbeiten, wenn das nötige Kapital investiert wird. Die P. L. D. C. ist — vom kolonisatorischen Standpunkt betrachtet — die wichtigste palästinensische Institution. Sie ist ebenfalls als private Gesellschaft gegründet und ihre Teilhaber wußten, was sie taten, als sie ihr Geld hineinsteckten. (Freilich konnten sie nicht ahnen, daß sich Zionisten finden würden, die es sich zur Aufgabe machen, den Ruf dieser so wichtigen und zukunftsreichen Gesellschaft nach Möglichkeit zu schädigen. Aber mit einem solchen Verfahren ist Herr Fischer gewiß nicht einverstanden.) Wir wiederholen: Wo sind nun die großen theoretischen Gegensätze zwischen uns und Herrn Fischer auf dem Gebiet praktischer Arbeit? Nur N.-F. und A. P. C. sind offizielle Institutionen. P. L. D. C., Bezalel und Immobiliengesellschaft sind private kapitalistische Unternehmungen. Daß ihre Geschäftsführung durch Personalunion mit der Leitung des offiziellen Palästina-Amtes verknüpft wurde, ist kein Prinzip, sondern eine Sache des persönlichen Zutrauens zu dem Leiter des Palästina-Amts. Alle anderen Unternehmungen (Industrie-Syndikat, Medschdel, Geulah usw.) sind rein private Gesellschaften, die nicht einmal die moralische Unterstützung der Organisation beansprucht haben. Also: die Palästina-Arbeit wird im großen und ganzen durchaus im Rahmen der von Herrn Fischer aufgestellten Forderungen geführt. Wenn nun das eine oder andere — offizielle oder private — Unternehmen nicht richtig geleitet wird, so muß man eben die nötigen Aenderungen vornehmen. Beim Bezalel ist dies geschehen, die P. L. D. C. entwickelt sich nach Abstoßung der unrentablen Farmbetriebe günstig, die Immobiliengesellschaft ist rentabel. Wenn wir das so dankbare Gebiet der kulturellen Arbeit mit in unseren Aufgabenkreis ziehen, so wird Herr Fischer gewiß nicht widersprechen, denn dabei ist wenig zu riskieren und viel zu gewinnen. Was bleibt nun von Herrn Fischers Vorwürfen übrig? Wir hätten die Bank zu einem großen Instrument machen sollen. Wer? Wir? Die „Praktischen", die man nicht an die Bank heranlassen darf? Herr Fischer wende sich doch mit diesem Vorwurf an die Leitung der Bank, in der seine Freunde, die „Politischen", sitzen. Was haben diese für die Entwicklung der Bank seit ihrer Begründung geleistet? Und wer hat die Gelder der Bank für organisatorische Zwecke verwendet? Was hat die unzulängliche Bankleitung mit dem „politischen" oder „praktischen" Zionismus zu tun? Wir resümieren: Herr Fischer wollte die sachliche Berechtigung der „Opposition" beweisen. Er suchte daher theoretische Gegensätze auf politischem und kolonisatorischem Gebiet zu konstruieren, aber diese Konstruktionen halten keiner kritischen Betrachtung stand. Es gibt keine ernsthaften theoretischen Gegensätze mehr, die Synthese i s t vollzogen, die Leitung sucht sowohl die Kolonisation wie die Propaganda zu fördern, ohne dabei die politischen Notwendigkeiten zu übersehen. Ja, sie arbeitet politisch in einem Maße, wie dies seit den Herzischen Zeiten nicht mehr geschehen ist. Der Unterschied zur Herzischen Politik liegt in der Aufgabe des Charterismus, der durch ein politisches System ersetzt wurde, welches die praktische Palästina-Arbeit — genau nach Herrn Fischers Formulierung — durch Beseitigung der bestehenden Schwierigkeiten, Einräumung von Erleichterungen und Gewinnung gewisser, für die Zukunft nötiger Sympathien, zu fördern sucht. Der theoretische Beweis für die Berechtigung der Opposition ist daher mißglückt; es bleibt nun der praktische! Es könnte ja sein, daß trotz aller theoretischen Uebereinstimmung die Opposition praktisch recht hat, d. h. daß die Leitung ihrer Aufgabe nicht gewachsen ist. Herr Fischer deutet an, daß er diesen Beweis in einem folgenden Artikel erbringen wolle. Also: Die Opposition hat wiederum das Wort! R. L. □ □□O WELTCHRONIK § Die Juden in der Türkei und die Araber Berlin. Unter den zahlreichen Problemen, die mit der letzten Umwälzung in der Türkei wiederum in den Vordergrund traten, ist besonders die arabische Frage zu nennen. Seit langem ist es das Bestreben der unter türkischer Herrschaft lebenden Araber, gewisse Selbstverwaltungsrechte zu erlangen. Die Tendenzen der Araber sind dabei nicht einheitlich, vielmehr lassen sich verschiedene Gruppen und Richtungen unterscheiden. Die einen sind ziemlich radikal und erstreben Rechte, die man wohl in ihrer Gesamtheit als arabische Autonomie bezeichnen kann. Andere hingegen sind gemäßigt und wünschen nur Reformen, die man mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Zukunft als nicht unberechtigt anerkennen muß. Es herrscht in den arabischen Kreisen noch keine völlige Klarheit über die Wege, auf denen die gewünschten Reformen herbeigeführt werden können. Die Nachrichten der europäischen Presse über die in Syrien zutage tretenden Bestrebungen, Syrien unter französisches Protektorat zu bringen, sind vielfach übertrieben. Zweifellos sind solche Tendenzen vorhanden, aber gerade in der letzten Zeit macht sich das englische Gegengewicht stark geltend, und es gibt auch Gruppen, die eine gewisse Anlehnung an Deutschland befürworten. Trotz aller dieser Bestrebungen wünscht aber die Mehrzahl der Araber zweifellos am ehesten den

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