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Die Welt · 1913-05-30 · 22 (30.5.1913) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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692 LT Nr. 22 tionen in Palästina neues jüdisches Leben geschaffen hat — all das weiß Dr. Bernfeld nicht, oder will es nicht wissen. Er greift sogar auf den hundertmal widerlegten Schwindel zurück, der Zionismus habe die Palästinaarbeit gestört, obwohl er als jüdischer Publizist, der auf sein „Wissen“ so übermäßig stolz ist, doch „wissen“ müßte, daß die Kolonisationsbewegung von Anfang an „zionistisch“ im eigentlichen Sinne unserer Organisation war. Die alten Chowewe Zion und ihr Odessaer Komitee stehen heute in den vordersten Reihen der modernen, von Herzl geschaffenen Organisation. Was sie — mit kleineren Mitteln — anstrebten, suchen wir heute mit größeren Mitteln und in vielseitigerer Weise fortzuführen. Daß die Kolonisation in Edmund v. Rothschild einen mächtigen Förderer fand, dem die Zionisten und mit ihnen das ganze jüdische Volk ewig dankbar sein werden, ist richtig, aber das Werk, das er förderte, war von organisierten Zionisten begonnen und von zionistischem Geist beseelt. Die moderne Organisation hat den Zionismus stärker und reicher gemacht und kein wahres Wort ist an der Behauptung, unsere Agitation habe die Kolonisationsarbeit gestört, die angeblich auch Herrn Bernfeld so sehr am Herzen liegt. Herr Dr. Bernfeld begnügt sich aber nicht mit der Aufwärmung dieser Legenden. Er stellt die unerhörte Behauptung auf, daß sich unter den Zionisten „eine perverse Clique befand oder noch befindet, die versteckt und offen für die Taufe Propaganda macht“. Und er gibt uns den guten Rat, diese Leute aus der Organisation herauszuwerfen. In der letzten Nummer des „Isr. Gemeindeblattes“ nimmt Dr. Heinrich L o e w e zu dieser Verdächtigung Stellung und fordert Herrn Dr. Bernfeld auf, Namen zu nennen. Herr Dr. L o e w e hat gewiß ganz recht, wenn er sich darüber entrüstet, daß ein jüdischer Schriftsteller es wagt, den Zionismus auf solche Weise anzugreifen, und sein wiederholter Ruf, Dr. Bernfeld solle die Namen nennen, ist durchaus berechtigt. Aber vielleicht hat sich Herr Dr. Bernfeld ganz einfach geirrt? Er sagt, unter den Zionisten seien Propagandisten für die Taufe vorhanden. Es ist für einen Bernfeld leicht möglich, daß er Antisemiten, Täuflinge, Missionare und andere Leute für Zionisten hält, denn er hat sich ja selbst eine Zeitlang für einen Zionisten gehalten. Teilen wir Herrn Bernfeld also mit, daß er kein Zionist ist und daß im Zionismus weder offene noch geheime Propaganda für die Taufe möglich ist. Vielleicht wird er mit der Zeit noch weitere Einzelheiten über den Zionismus erfahren, durch die er sein enormes jüdisches Wissen bereichern kann. Augenblicklich hat er dazu freilich keine Zeit. Er antwortet nämlich im Isr. Gemeindeblatt auf den Artikel von Dr. L o e w e aus dem schönen Orte Berka bei Weimar, wo er, wie er versichert, „Erinnerungen an Goethe nachlebt“. Wenn man von Berufs wegen genötigt ist, das offizielle Anzeigenblatt der Berliner jüdischen Gemeinde zu redigieren, so ist eine solche geistige Erholung gewiß sehr angebracht. Nur sollte Herr Dr. Bernfeld sich nicht hinter Goethestudien verkriechen, wenn man ihn auffordert, für eine von ihm öffentlich behauptete Unwahrheit einzustehen. Das macht einen schlechten Eindruck und hat mit „Erinnerungen an Goethe“ gar nichts zu tun. Der Eindruck wird dadurch nicht besser, daß Herr Dr. Bernfeld, statt sich wegen seiner Entgleisung zu entschuldigen oder einzugestehen, daß seine Unkenntnis des Zionismus seinen Irrtum verschuldet habe, kühnlich die Behauptung von der zionistischen Taufpropaganda erneuert und seelenruhig erklärt, Herr Dr. L o e w e habe alle seine Vorwürfe gegen die deutschen Zionisten bestätigt. Dieses Verhalten des Dr. Simon Bernfeld stammt nicht aus jüdischem Wissen und auch nicht aus Goethescher Weisheit, sondern aus einer ganz ungewöhnlichen Chuzpah. Die Wirkung des Kongresses Die großartigen Vorbereitungen, die die gesamte zionistische Organisation für den XI. Kongreß in Wien trifft, lassen erwarten, daß dieser Kongreß sich zu einer machtvollen Kundgebung des zionistischen Oedankens gestalten wird. Der Eindruck des Kongresses soll aber nicht nur ein vorübergehender sein, sondern seine Verhandlungen sollen der weiten jüdischen Öffentlichkeit zeigen, was der Zionismus an positiven Leistungen für das jüdische Volk aufzuweisen hat. Deshalb ist es unsere Pflicht, den Berichten über den XI. Zionistenkongreß Eingang in aMe jüdischen Kreise zu verschaffen. Die einzig authentischen Berichte über die Kongressverhandlungen wird die Kongressausgabe der „ Weltt( bringen. Wir wenden uns an alle Leser und Freunde unseres Blattes mit der dringenden Bitte, uns bei der Verbreitung der Kongressausgabe mit allen Kräften zu unterstützen. Ein wirkungsvoller Prospekt für die Kongreßausgabe erscheint in den nächsten Tagen. Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, die für die Werbung von Abonnenten diesen Prospekt benötigen, umgehend eine beliebige Anzahl mittels der der heutigen Nummer beigelegten Karte zu bestellen. Durch eine Vermehrung der Nummernzahl von fünf auf sechs sowie eine wesentliche Verstärkung des Umfanges werden die Kosten der Kongressausgabe diesmal bedeutend höher sein als in den früheren Jahren. Wir sehen uns daher veranlaßt, von den ständigen und neueintretenden Abonnenten der „ Welt“, die auf die Zustellung der Kongressausgabe reflektieren, eine Nachzahlung in Höhe des halben Bezugspreises zu verlangen. Der Preis der Kongreßaasgabe (6 Nummern) beträgt M. 2,40; Kr. 2,80; Rbl. 1,30: sh. 2/10; Hfl. 1,70; Doll. 0,70; Frcs. 3,60. Die Nachzahlung für die Abonnenten der „Welt“ beträgt M. 1,20; Kr. 1,40; RbL 0,65; sh. 1/5; Hfl. 0,85; DolL 0,35; Frcs. 1,80. Bestellungen (nur gegen Vorausbezahlung) nehmen entgegen: der Verlag und sämtliche Annahmestellen der „Welt“.

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