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Die Welt · 1913-05-30 · 22 (30.5.1913) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 689 die^elt erhob dann bei der russischen Regierung Vorstellungen, die jedoch nicht den geringsten Erfolg hatten. Das St. Petersburger Kabinett erklärte, von der bisherigen Praxis nicht abgehen zu können. Zum Brandunglück in Preßburg Es muß sehr peinlich berühren, daß sich bisher christliche Kreise an der Hilfsaktion nicht im entferntesten in dem Maße beteiligten, wie dies seitens der Juden bei „interkonfessionellen “ Unglücksfällen der Fall zu sein pflegt. Im ganzen sind in der ersten Woche der Hilfsaktion 130 000 Kr. eingeflossen, ein äußerst geringer Betrag im Hinblick auf den Riesenschaden. Es muß unter solchen Umständen als erfreulich betrachtet werden, daß die ersten Meldungen über das Nichtversichertsein der verbrannten Objekte zum Teil auf einem Irrtum beruhen. Verschiedene Versicherungsanstalten werden ungefähr eine Million Kronen ausbezahlen, welche Summe wenigstens einen Teil des Riesenschadens wettmachen wird. Für den Wiederaufbau des ganz eingeäscherten Jeschibahgebäudes ist eine separate Sammlung eingeleitet worden. Die Kosten des Neubaues dürften sich auf 120000 Kr. belaufen. Aus Preßburg wird uns ferner geschrieben: Die abgebrannten und eingestürzten Straßenzüge und Höfe bieten vom Schloßplateau aus einen schaurig-interessanten Anblick. Unter den zerstörten Bauwerken befinden sich: die Schiurstube (großer Lehrsaal und Synagoge) der Rabbinatsschule im Simon Bergerschen Stiftungshause, die altberühmte Lwow- (Lemberger) Synagoge im Sonnenfeldschen (ehern. Lembergerschen) Hause, die auch dem Talmudverein (Schass-Chewra) als Lokalität diente und in welcher die aus mehreren Tausend wertvollen alten Werken bestehende Bibliothek dieses Vereins total vernichtet wurde, der sogen. Schulhof mit den Lehrsälen der Jessode Hatorah-Schule. Den schwersten Schaden erlitt aber die jüdische Bevölkerung selbst, die in den Häusern und Höfen der von der Katastrophe betroffenen vier ausgedehnten Straßen wohnhaft war und größtenteils aus armen und ärmsten Kleinkrämem, Handwerkern, Hausierern, Trödlern, Talmudlehrem und Jeschibah- Bachurim besteht. Die Bedauernswerten haben in den meisten Fällen ihre gesamte Hauseinrichtung, Möbel, Wäsche, Kleider, Bargeld, Sephorim (hebräische Bücher) verloren. Von den jüdischen Hilfsaktionen verdient besonders die großzügige Sammel- und Verteilungstätigkeit des vereinigten Hilfskomitees der beiden jüdischen Frauenvereine rühmend hervorgehoben zu werden. An der Spitze dieses Hilfskomitees stehen Frau Selma Steiner, Frau Paula Gestetner, Frau Fanny Weiß und Frau Rosa Schick. Da die weitaus überwiegende Zahl der Abbrändler (mehrere Tausend Seelen) der armen jüdischen Bevölkerung angehört, welche durch die voraussichtliche Demolierung eines Teiles des Judenviertels auch der Kaufläden und sonstigen Erwerbsmöglichkeiten beraubt werden wird, tut intensive Sammlung von Geldspenden und Naturalabgaben aller Art sehr not. Dieselben werden in den jüdischen Zeitungen dankend quittiert. Audienz des italienischen Gemeindebunds beim König von Italien (Von unserem Berichterstatter.) Florenz. Viktor Emanuel ist bekanntlich einer der demokratischsten Herrscher Europas. Und daß er seine jüdischen Bürger und ihre Leistungen zu würdigen weiß, — das hat er oft genug bewiesen. Bekannt ist auch seine Stellung zu gewissen Protzen, die ihre „Vorurteilslosigkeit“ nicht anders betätigen können, als daß sie zu Ueberläufem, Täuflingen werden. Zwar ist der „Täufling" unter den italienischen Juden eine seltene Erscheinung. Denn in Italien ist der Taufschein keine besondere Empfehlung, um ein öffentliches Amt bekleiden zu können. Allein immerhin gibt es auch hier einige Exemplare dieser Gattung. Eine Anekdote wird diesbezüglich vom König Viktor Emanuel erzählt. Ein aus „Ueberzeugung" zum Katholizismus übergetretener Krösus wurde vom König von Italien in Audienz empfangen. Der König, der glaubte, einen Juden vor sich zu haben, begann in gewohnter Weise die guten Eigenschaften der Juden zu rühmen und lobend von seinen jüdischen Bekannten zu sprechen. Unser Täufling wollte nun dem König versichern, daß er noch „besser“ als ein Jude sei, da er schon längst durch die Taufe jeden jüdischen Rest abgestreift habe .... Der König stand brüsk auf und gab dem „Gebesserten" zu verstehen, daß seine Audienz zu Ende sei. . . . Wir Zionisten haben besonderen Grund, dem populären und großherzigen König dankbar zu sein. Viktor Emanuel war einer der ersten Herrscher, die unserer Bewegung Verständnis und Sympathie entgegenbrachten. Tief war der Eindruck, den auf ihn die mächtige Persönlichkeit unseres verewigten Führers gemacht hatte. Vielen Juden gegenüber — wir erwähnen nur Oberrabbiner Dr. M a r g u 1 i e s und Jacob Moser — hat er spontan von der hervorragenden Erscheinung Herzls mit großer Begeisterung gesprochen und für seine Bestrebungen Worte der wärmsten Sympathie gefunden. Das Bild mit der Widmung Herzls zeigt er oft seinen jüdischen Besuchern mit großer Ehrerbietung. Zu den vielen Sympathiekundgebungen des italienischen Herrschers zugunsten der Juden gesellt sich jetzt eine neue. Die Leser der „Welt" sind bereits informiert über die Tätigkeit, die der „Bund der jüdischen Gemeinden“ in Italien zugunsten unserer Glaubensgenossen in Tripolis und in den Balkanländern bei der C o n s u 11 a entwickelt hat. Es war gar keine leichte Arbeit, und es ist dem „Gemeindebund“ gelungen — dank dem Entgegenkommen des Königs und des Eintretens von Luigi Luzzatti —, das Interesse der italienischen Regierung in diesen Angelegenheiten zu gewinnen. Die Leitung des „Bundes“ wollte nun dem König persönlich den Dank der italienischen Judenheit darbringen. Der König empfing vorige Woche den Präsidenten Commendatore Angelo S e r e n i und den Schriftführer Cavaliere Anselmo Colombo. Der König zeigte sich informiert über das jüdische Leben in Italien und über die Versuche des Bundes zur Reorganisation und Belebung der Gemeinden. Er hob besonders den großen Anteil der jüdischen Bürger am öffentlichen Leben Italiens hervor. Er sprach länger über die rumänischen Juden, über das Schicksal der Juden in Saloniki und in Tripolis. Der König beschrieb dann seine Palästina -Reise und sprach seine Bewunderung und Sympathie für die Tätigkeit der Juden in Palästina aus. Die Audienz dauerte dreiviertel Stunden, und es wurden auch viele andere Fragen besprochen, die das allgemeine und italienische Judentum betreffen. Heimsendung der Konstantinopler Kriegsfiüchtlinge (Von unserem Berichterstatter.) Konstantinopel. Die Tage des Exils vieler Hunderte von Familien, die der Krieg aus ihren Heimstätten gerissen, sind nun gezählt. Es war ursprünglich daran gedacht worden, bis zur Wiederherstellung des Friedens mit ihrer Heimsendung zu warten. Aber die endlosen Verzögerungen, die immer wieder der

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