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Die Welt · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 21 653 DlEl^KELT die Tagung mit einem warmen Nachruf auf die in den letzten Monaten verstorbenen Gesinnungsgenossen, insbesondere Herrn Dr. Wachsner (Groß-Strehlitz) und Fräulein Paula Böhm (Tarnowitz). Anschließend erstattete er den Geschäftsbericht der in knappen Zügen von den Bestrebungen der Gruppenverbandsleitung Kunde gab. Herr R.-A. Dr. Dobrzynski berichtete hierauf über einen in B i e 1 i t z abzuhaltenden 11. jüdischen Volkstag, den er als ständige Einrichtung für die Juden der Grenzländer forderte. Im Mittelpunkt der Tagung stand das Referat des Herrn Rechtsanwalts Dr. Weiß mann über: „Unsere Stellung zum Verband der jüdischen Jugendvereine.“ Der Referent entwickelte historisch das Verhältnis der Zionisten zum Verband. Der Verlauf des Frankfurter Delegiertentages hätte vollends den Beweis erbracht, daß der Verband nicht gewillt ist, die Grundlage der formalen Neutralität des Verbandes aufrecht zu erhalten und daß eine Weiterarbeit der Zionisten im Verbände unmöglich wäre. Anstatt der unfruchtbaren Arbeit im Verbände sollte mit Energie an die Gründung eigener Organisationen und an den Ausbau der schon bestehenden gegangen werden. Seine Ausführungen faßte der Referent in einer Resolution zusammen, die er der Versammlung zur Annahme empfahl. Die hierauf einsetzende Generaldebatte zeitigte eine fast völlige Uebereinstimmung der etwa 20 Redner mit den Forderungen des Referenten. Ganz vereinzelt wurde nur der Standpunkt vertreten, daß aus opportunistischen und taktischen Gründen die Beziehungen zum Verband noch nicht gelöst werden sollen. Die Resolution wurde schließlich mit 13S gegen 7 Stimmen angenommen. Nachdem Herr Rechtsanwalt Dr. H a n t k e ein großzügiges und interessantes Referat über die Aufgaben des nächsten Kongresses und über aktuelle Probleme in der Bewegung gehalten hatte, fand die Tagung mit dem Absingen der Hatikwah ihren Abschluß. Am Abend fand eine vielhundertköpfige öffentliche Volksversammlung statt. Berlin. Der jüdisch-liberale Jugendverein veranstaltete am 19. d. M. eine öffentliche Versammlung mit dem Thema „Die deutschen Juden und der Zionismus“. Rechtsanwalt Weil aus dem Elsaß und Rabbiner Goldmann aus Oppeln referierten. Ihnen antworteten Rechtsanwalt Gronemann und Dr. Klee, der in seiner Rede vom Vorsitzenden derart gestört wurde, daß die aus Zionisten bestehende Mehrheit der Versammlung unter Protest aus dem Saale abzog und die wenigen liberalen Assimilanten sich selbst überließ. Hamburg. Am 7. Mai veranstaltete das „Komitee zur Verbreitung der hebräischen Sprache in Hamburg“ einen Sprachabend, an dem Dr. med. J. Beham aus Charkow über „Gedanken und Erinnerungen an Palästina“ sprach. Dr. Fink leitete in hebräischer Sprache die gutbesuchte Versammlung, ln der Diskussion sprachen die Herren Bjelouss, Fleischmann und Weinberg. Die herzlichen Wünsche der Hamburger Zionisten begleiten Herrn Dr. Beham, der nach Abschluß seiner wissenschaftlichen Arbeiten am tropenhygienischen Institut Hamburg verläßt, um als Leiter der vom Verein jüdischer Aerzte und Naturforscher ins Leben gerufenen Tollwut-Station in Jerusalem zu wirken. Posen. In einer gutbesuchten Versammlung unserer Ortsgruppe, die am 14. Mai im Cafe Esplanade stattfand, widmete der Vorsitzende, Herr Dr. Kollenscher, dem am Montag zur ewigen Ruhe bestatteten Gemeinderabbiner Dr. Wolf Feilchenfeld einen warmen Nachruf. Der Redner erinnerte daran, wie der Verblichene, trotzdem er unseren Bestrebungen femstand, doch auch dem Zionismus Gerechtigkeit angedeihen ließ, daß er vom Anfang unserer Bewegung an entschieden abgelehnt hatte, offiziell sich den zuerst so beliebten Protesten anzuschließen, weil er ganz richtig erkannte, daß der Zionismus nur eine Stärkung des Judentums bewirken kann. Seine prinzipielle Gegnerschaft hat ihn beispielsweise nicht abgehalten, erst im vorigen Jahre gelegentlich des Zionistentages in Posen ohne Rücksicht auf offizielle Machthaber kraftvolle Worte der Begrüßung zu sprechen. Auch die Posener Zionisten werden das Andenken von Dr. Wolf Feilchenfeld als eines großen Lehrers in Israel dauernd in Ehren halten. Der Vorsitzende gedachte ferner des vor kurzem verstorbenen verdienten Gesinnungsgenossen Hahn in Posen. Dann übernahm Herr Lehrer Guttmann an Stelle des verhinderten Herrn Kareski das Referat des Abends über den Zentralverein. Lebhafter Beifall lohnte die interessanten Ausführungen des Referenten. — ln der Diskussion erhoben die Herren Neumark und Brandt Bedenken gegen die Gründung des neuen Rechtsvereins als mit den größeren Zielen des Zionismus nicht vereinbar. Dr. Kollenscher suchte diese Bedenken zu zerstreuen und schloß mit herzlichem Dank an den Referenten den sehr interessanten Abend. Oesterreich Der Wiener Wanderbund „Blau-Weiß“ (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Der unter so glücklichen Auspizien gegründete Wiener jüdische Wanderbund „Blau-Weiß“ hat bereits seine Tätigkeit aufgenommen. Bisher wurden SO Kinder, Mädchen, und Jünglinge, nach stattgehabter Assentierung in feierlicher Weise in den Bund aufgenommen. Anläßlich der Handschiagleistung hielt der Obmann der Führerschaft, Herr Otto G e rs u n y, eine eindrucksvolle Ansprache. In den Pfingstfeiertagen fanden die ersten Wanderungen unter Leitung der geprüften Führer, Frl. Waltuch und Herrn K I a b e r, statt. Der neue Bund begegnet in der jüdischen Oeffentlichkeit Wiens dem größten Interesse und wird allgemein freudig begrüßt. Zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten sind dem Bunde beigetreten und fördern ihn tatkräftig, so erst jüngst Artur Schnitzler. Aus den Wiener Organisationen Der bevorstehende Wiener Kongreß bewirkt in unseren Organisationen trotz der vorgerückten Saison eine intensive propagandistische Tätigkeit. Der zionistische Zentralverein hält in allen Bezirken Vertrauensmännerbesprechungen und in deren Folge große Versammlungen ab. Die jüdischakademische Verbindung „Ivria“ veranstaltet einen Zyklus vefn Vorträgen, in welchen nach vorgefaßtem Plan alle zionistischen Fragen behandelt werden. Bisher sprachen Dr. Otto A b e 1 e s („Die Grundlagen des Zionismus“) und Adolf E ö h m („Die Geschichte des Zionismus seit Herzl“). Auch der akademische Verein „Theodor Herzl“ hält eine Serie systematischer Vorträge und Diskussionen ab. — Im L Wiener jüdischen Turnverein referierte vor sehr zahlreichem Auditorium Herr Alfred Bach rach, der als Delegierter des westösterreichischen Kreises an der ersten Turnfahrt nach Palästina teilgenommen hatte, über seine palästinensischen Eindrücke. Der Vortrag begegnete großem Interesse. — Der zionistische Mädchenverein „M oria“ veranstaltete Sonntag, den IS. Mai, auf der Schafbergalpe ein Frühlingsfest, das die zionistische Gesellschaft Wiens zu fröhlichem Beisammensein vereinigte. — Großes Aufsehen erregten die neuerlichen glänzenden Siege des Sportklubs „Hakoah“, der den ungarischen Provinzmeister T atabanya 4: 0 und die spielstarken „W ienerBewegungsspieler“ 2:0 schlug. Trotz der mißgünstigen Haltung der Presse ist nunmehr unsere „H a k o a h“ als hervorragende Mannschaft anerkannt und gewürdigt. Vertrauensmännerkonferenz der galizischen Zionisten (Telegramm unseres Berichterstatters.) Drohobycz. Am IS. Mai tagte hier der Parteirat nebst Vertrauensmän-icrkoufcrenz dt» galizischen Zionisten. Die Konferenz wies eine außerordentlich starke Beteiligung auf. Ins Präsidium wurden gewählt: Adolf Stand, Dr. J o n a s-Stanislau und Pachtmann- Drohobycz. Es wurden Referate über dic- Lage der galizischen Partei und über „Unsere Stellung gegenüber dem Wiener Kongreß“ gehalten. Nach eingehender Diskussion wurde eine Resolution des Gesinnungsgenossen Dr. Alexander Hausmann, die dem E. A. C. das Vertrauen ausspricht und die Unterstützung der galizischen Zionisten zusichert, einstimmig angenommen. Ferner gelangte die von Leon Wechsler vorgeschlagene Resolution betreffs Einrichtung eines N.-F.-Bureaus in Lemberg zur Annahme. Es wurde beschlossen, die galizische Landeskonferenz erst nach dem Kongreß einzüberufen. Zu Ehren der Konferenz veranstaltete der Frauenverein „Moriah“ einen Blumentag nebst einem großen Volksfest. Das Ortskomitee veranstaltete ein Festbankett.

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