Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 21 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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664 DIE^ELT Nr. 21 Wien. Die akademische Verbindung „Kadimah" hat beschlossen, eine große Jemenitenaktion einzuleiten und zwei Jemenitenhäuser zu errichten. Ein Haus wird durch Sammlungen im Bekanntenkreise der „Kadimah" aufgebracht; diese haben bereits den Betrag von 600 Kr. ergeben. Das andere Haus bringt die akademische Verbindung „Kadimah" aus eigenen Mitteln auf, und sie hat bereits 700 Kr. flüssig gemacht. Der volle Betrag von 2000 Kr. wird Ende dieses Monats dem N.-F.-Bureau überwiesen werden. Bodenbach. Am 13. Mai fand im Hotel Töpfer die konstituierende Generalversammlung des Jüdischen Volksvereines „Theodor Herzl“ statt. Eröffnet wurde die Versammlung durch eine Begrüßungsansprache des Herrn Dr. Walter Werner, der einen Rückblick auf die im letzten Jahre geleistete Arbeit warf und seiner Genugtuung über den erzielten Erfolg Ausdruck gab. Hierauf ergriff Herr Dr. Emil Margulies aus Leitmeritz das Wort, um in meisterhafter Rede die Frage zu erörtern, welche Aufgaben ein zionistischer Verein zu ertüllen hat. An diesen Vortrag schlossen sich die Vorstandswahlen. Herr Sigmund Duschak wurde zum Obmann gewählt. Das Verdienst, der zionistischen Idee in Bodenbach Eingang verschafft zu haben, gebührt dem rührigen Volksverein „Theodor Herzl" in Aussig, seinem Obmanne Herrn Louis Schiff, sowie den Herren Ernst Bechert (Teplitz) und Dr. Emil Margulies (Leitmeritz). Der Verein zählt 40 Mitglieder und hat bereits über 500 Kr. für den Jemenitenfonds aufgebracht. Brüx. Dieser Tage fand hier die Generalversammlung des jüdischen Volksvereins Zion statt. Zum Präsidenten wurde Herr Heinrich B e r m a n n gewählt. Die Jahresberichte wurden genehmigend zur Kenntnis genommen. Sedziszöw. Am 12. Mai sprach bei uns der Sekretär des galizischen Zentralkomitees, Herr Dr. M. Geyer, über das Thema: „Erez Izrael und die Juden." Zahlreiche Personen meldeten ihren Beitritt zur hiesigen Ortsgruppe und entrichteten den Schekel. Chrzanöw. Am 5. Mai veranstalteten wir in der Synagoge „Ansche Chail" eine Schekel-Versammlung, in der Gg. Dr. Meier Geyer aus Lemberg referierte. Die Versammlung hatte einen erfolgreichen Verlauf. Es wurde auch ein ansehnlicher Betrag zugunsten des Jüdischen Nationalfonds gesammelt. Brody. Hier fanden während der Pessachfesttage in der Verbindung „Tech iah" eine Reihe interessanter Vorträge statt. — Am 24. v. M. fand die halbjährliche Versammlung des Vereins „Tikwath-Zion“ statt. Zum Präsidenten wurde Dr. A. Glassberg gewählt. — Am 15. Mai wurde ein Schekeltag abgehalten. Anwesend waren über 1500 "Personen. Leber den Schekel sprach Dr. Sch. B. F e 1 d m a n n, über die Zionistenkongresse Adolf Stand. Drohobycz. Hier fand am 26. v. M. die jährliche Versammlung der zionistischen Ortsgruppe statt. Zum Präsidenten des Lokalkomitees wurde Dr. M. Pachtmann, zum Präsidenten des jüdischen Nationalhauses Dr. M. Bakenrott gewählt. — Am 4. Mai sprach Adolf Stand über die Zionisten-Kongresse. Buczacz. Am 30. v .M. wurde das Jubiläum der Verbindung „Hasmonea" gefeiert. Die Festrede hielt Leon Wechsler. Zum Senior wurde J. Tischler gewählt. Budzanöw. Am 26. v. M. referierte K. Hammer in einer Schekelversammlung. Czernowitz. Am 5. v. M. fand die konstituierende Versammlung des jüd.-nat. akad. Vereins „Kadimah“ statt. Zum Präses wurde cand. phil. Pinkas S c h o r gewählt. Rumänien Braila. Der hiesige Cercul Zionist „Israel" entfaltet eine lebhafte Propagandatätigkeit. Für die verschiedenen Fonds und Institutionen der zionistischen Bewegung wird eifrig gesammelt. Voriges Jahr wurden 600 Schekel — Lei 815.— aufgebracht; die diesjährige Schekelsammlung dürfte zumindest hinter diesem Betrag nicht Zurückbleiben. Auch für den Zentralfonds leisten die hiesigen Gesinnungsgenossen ansehnliche Beiträge. Die Sammlung zur Stiftung eines Jemenitenhauses wird bald abgeschlossen sein. An den Sammlungen für den Jüdischen Nationalfonds beteiligt sich hier alt und jung. Jüngst wurden im Rahmen einer großen Versammlung 14 Schulknaben, die sich bei der Purimkollekte ausgezeichnet hatten, mit den Medaillen des Nationalfonds prämiiert. Unser Verein erzielt neben den materiellen auch moralische Erfolge. Der Vorsitzende der hiesigen Gruppe des Verbandes landeseingeborener Juden erklärte vor kurzem in einer zionistischen Versammlung, daß dieser Verband mit den Zionisten Hand in Hand arbeiten müsse. Dies ist um so bemerkenswerter, als diese Vereine früher den zionistischen Bestrebungen gegenüber eine unfreundliche Haltung einnahmen. Leider haben die hiesigen Gesinnungsgenossen einen schweren Verlust zu beklagen: Vor kurzem verschied hier einer der treuesten und hingebungsvollsten Vorkämpfer der zionistischen Bewegung in Rumänien, Herr Isak Agent. Nach Ablauf der sieben Trauertage veranstaltete der Cercul Zionist in der hiesigen Synagoge eine imposante Gedächtnisfeier, an der auch zahlreiche Vertreter auswärtiger Körperschaften teilnahmen. In Vertretung der rumänischen Federation war Herr Samuel P i n e 1 e s aus G a 1 a t z erschienen. Die zahlreichen Verehrer des hochverdienten Gesinnungsgenossen werden sein Andenken durch Oelbaumspenden usw. verewigen. Schweiz Basel. Samstag, den 17. Mai, sprach Kurt Blumenfeld in der Zionistischen Vereinigung Basel über: „Probleme im modernen Judentum." Der Redner wies nach, warum gerade die am feinsten empfindenden Elemente im Osten und Westen aus persönlicher Notwendigkeit den Rückweg zur eigenen Stammeskultur suchen. Holland ’sGravenhage. In einer internen Versammlung der Ortsgruppe Haag des N. Z. B. hielt Herr Dr. J. G e r z o n am 8. Mai einen Vortrag über: „Die kulturelle Seite des jüdischen Problems.“ Frankreich Eine Feier zu Ehren Marmoreks (Von unserem Berichterstatter.) Die Überreichung der Diplome des Goldenen Buches und des auf den Namen Dr. Marmoreks gestifteten Haines im Herzl-Wald usw. gab Anlaß zu einer erhebenden Sympathiekundgebung für den langjährigen Vorkämpfer unserer Sache. Die Urheber der Sammlung hatten einen geselligen Abend veranstaltet, der, unter dem Vorsitze Dr. Nordaus, eine große Zahl der hiesigen Zionisten vereinigte, welche dem verdienstvollen Leiter der französischen Federation und dem Mitarbeiter Herzls ihre Dankbarkeit und Verehrung bezeugen wollten. Obwohl zu dieser Feier nur eine beschränkte Zahl von Einladungen verschickt worden war, hatten die Säle des Restaurants Kowarski nicht Platz genug, um die Erschienenen zu Dr. N o r d a u richtete in einer meisterhaften Rede tiefempfundene Worte an seinen Freund M a r m o r e k. Marmorek sei im wörtlichen Sinne ein Mann mit zwei Seelen: der Mann der Wissenschaft und der Zionist. Schon Lehrer in einem Alter, wo andere noch lernen, zur Berühmtheit gelangt durch eine Entdeckung, durch die er der Menschheit so viel geschenkt habe wie der Wisschenschaft, sah er sich vor die Frage gestellt, ob er, statt ausschließlich der Wissenschaft zu dienen und sicheren Erfolgen entgegenzugehen, den dornenvollen Weg eines Führers im Zionismus beschreiten sollte — denn nicht anders als in erster Reihe und mit ganzer Seele konnte er sich den Kämpfern von damals anschließen, weil es bei ihm nichts Halbes gäbe. Und Marmorek habe vor der Wahl nicht gezaudert! Auch im freien Frankreich hieß dieser Entschluß — Entsagung. Auch hier darf man allen Strömungen der Zeit folgen, sich zu allen Arten von Anschauungen bekennen, vom Spiritismus bis zum Fetischismus, nur zu einem Ideal nicht: zum Judentum. Und Marmorek habe kühn und stolz die zionistische Bahn eingeschlagen, die ihn zwang, jeden Tag sein Judentum hervorzukehren. — In unseren Reihen stehe Marmorek da als einer der Kämpen der ersten, der heroischen Zeit des Zionismus. Für ihn bedeute der Zionismus die große Wahrheit, die Herzl dem Judentum verkündet habe: Die Auferstehung des jüdischen Volkes. Die Mühsale des Weges und die Ungeduld der Weggenossen können sein Vertrauen und seine Ausdauer nicht mindern. Sein Ideal sei das große Ideal Herzls. Im Namen der N.-F.-Kommissionen überreichte Dr, Jacobsohn die verschiedenen Diplome und gab in einer schönen, einfachen Ansprache den Gefühlen aller Teilnehmer Ausdruck. Es sprachen ferner: für das „Echo Sioniste" Frl. Prof. Schach, die eine sehr humorvolle Rede hielt, für die Vereinigung zionistischer Studenten Gg. Jacobson im Jargon und Gg. H o m e 1 s k i hebräisch. Für „Mebassereth Zion“ sprach Gg. Baumgarten, für „Athereth Zion“ Gg. S e - g a 11 sowie Prof. Basch.