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Die Welt · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 :LT 653 D!E3^E tagte und an der Zionisten, Poalezionisten, Sozialisten und Fortschrittler teilnahmen, einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: „Zwecks Vereinheitlichung des Kampfes der jüdischen akademischen Jugend um ihre nationalen und kulturellen Forderungen auf allen Hochschulen Oesterreichs wird die Repräsentationskommission der jüdischen Hochschuljugend in Lemberg beauftragt, eine Konferenz der jüdischen Jugend des ganzen Reiches einzuberufen.“ In Ausführung dieses Beschlusses richtet die von dieser Versammlung gewählte Repräsentationskommission (Vorsitzender : Leon Wechsler) an die national-jüdischen Vereine und Verbindungen der Hochschulorte Oesterreichs das Ersuchen, mit ihr betreffs Einberufung dieser Konferenz baldmöglichst in Fühlung zu treten. Tagungsort der Konferenz dürfte Wien sein, sie würde am 31. August d. J. stattfinden. Als Tagesordnung wird vorgeschlagen: 1. Eröffnung, Wahl des Präsidiums. 2. Bericht über den bisherigen Kampf um Anerkennung der jüdischen Nationalität an den österreichischen Hochschulen. 3. Bildung einer Reichsorganisation der jüdischen Hochschuljugend. 4. Feststellung der gemeinsamen Forderungen. 5. Wahl einer Repräsentationskommission der Gesamtheit jüdischer Hochschüler Oesterreichs. Zuschriften sind an den Sekretär der Repräsentationskommission Ludvik E n i s, Lemberg, Szkarpowa 3, zu richten. Wahlabkommen des Lemberger Kultusvorstandes mit den Zionisten (Von unserem Berichterstatter.) Lemberg, 15. Mai. Soeben hat die Partei des Lemberger Kultusvorstandes mit den hiesigen Zionisten ein Abkommen betreffs der bevorstehenden Kultuswahlen getroffen. Die Verhandlungen führten von zionistischer Seite Adolf Stand und Dt. Ringel, von der Kultuspartei Samuel v. Horowitz und Kultusvorsteher Schaff. Den Zionisten wurden zwei Mandate im Lemberger Kultusrat zugesichert. Das zionistische Zentralkomitee nominierte hierfür die Gesinnungsgenossen Dr. Alexander Hausmann und Direktor Simon Orange. Das Wahlabkommen ist von großer Bedeutung für das galizische Judentum, indem zum erstenmal eine redliche Verständigung der Zionisten mit den führenden assimilatorischen Kreisen erzielt worden ist. Ritualmordhetzen in Ungarn (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Seit dem berüchtigten Fall von Tisza-Eszlär sind drei Jahrzehnte verstrichen, die Volksphantasie zeigt sich aber immer für den Ritualmordwahn empfänglich, und es vergeht kaum ein Jahr, das nicht seine Ritualmordhetzen aufzuweisen hätte. Glücklicherweise war es meist möglich, die Unruhen im Keime zu ersticken, bevor sie größeres Unheil anstiften konnten, aber immerhin bleibt es eine feststehende Tatsache, daß der alte Wahn alljährlich zu neuem Leben erwacht und nicht auszurotten ist. In letzter Woche wird über zwei „Ritualmordaffären“ berichtet. In Särospatak sollen aus dem Keller einer jüdischen Familie allnächtlich Hilferufe vernommen worden sein. Sofort verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden ein Christenmädchen gefangen hielten, um ihr Blut für rituelle Zwecke abzapfen zu können. Der Pöbel griff breits die Juden tätlich an, bis dann die behördliche Untersuchung des Kellers selbstverständlich das ganze phantastische Märchen zunichte machte. Die Haupträdelsführer, die übrigens über die Person des angeblich verschwundenen Christenmädchens keine näheren Aufklärungen geben konnten, wurden verhaftet und der Staatsanwaltschaft eingeliefert. — Der zweite Fall dieser Art ereignete sich in Szäszregen. Zwei kleine Kinder eines Gastwirts wurden vermißt, und sofort fanden sich gewissenslose Leute, die mit wichtigtuender Miene von einem „Ritualmord“ munkelten, andere wieder meldeten sich, daß sie die beiden Kinder in Gesellschaft alter Juden nahe der Synagoge gesehen hätten. Am folgenden Tage kamen die Kinder, die sich aus Neugierde einem Fuhrmann angeschlossen hatten, zuhause an, die jüdische Gemeinde aber erstattete gegen die Verleumder die Strafanzeige. Eine Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden in Italien (Von unserem Berichterstatter.) Florenz. Die interessante Geschichte der Juden in Italien hat bis jetzt ihren Schreiber noch nicht gefunden. Ein wichtiger Grund dieser Vernachlässigung war das Fehlen der materiellen Mittel zur Sammlung, Sichtung und Bearbeitung der vielen Dokumente, Inschriften usw., die in allen Teilen Italiens verstreut sind. Unseren Lesern sind aus dem Berichte über den Jugendkongreß die Bemühungen des jungen Dozenten am italienischen Rabbinerseminar, Dr. Umberto C a s s u t o , für die Gründung einer Gesellschaft bekannt, die über genügende Mittel verfügen soll, um eine systematische Sammlung des reichen historischen Materials vorzunehmen und eine allgemeine „Geschichte der Juden in Italien“ allmählich vorzubereiten. Sowohl der erste als der zweite Jugendkongreß hatte sich über den Vorschlag des Herrn Dr. Umberto Cassuto günstig ausgesprochen und seine Mitwirkung zugesagt. Der unermüdlichen Arbeit dieses unseres Gesinnungsgenossen ist es nun gelungen, die Resolution des Jugendkongresses in die Tat umzusetzen. Dieser Tage ist die Gesellschaft zusammengetreten und hat einen Aufruf an die jüdische Öffentlichkeit gerichtet, in dem die Ziele der Gesellschaft auseinandergesetzt werden und die Hilfe des jüdischen Publikums gefordert wird. Die Gesellschaft ist aus den bedeutendsten Forschern auf diesem Gebiete zusammengesetzt und zählt zu ihren Mitgliedern auch viele Forscher christlichen Glaubens, die der Geschichte der Juden warmes Interesse entgegenbringen, so Fürst Leone C a e t a n i (Rom), Abgeordneter und Verfasser der berühmten „Annalen des Islam“, Senator Prof. Domenico Comparetti (Florenz), Dr. G. D e g 1 i A z z i, Redakteur des „Archivio Storioo Italiano“, Prof. Pietro F e d e 1 e (Turin), Prof. Ignäzio G u i d i (Rom), Senator Prof. Guido Mazzon i (Florenz). Von den jüdischen Mitgliedern der Gesellschaft seien erwähnt: Oberrabbiner Dr. S. H. Margulies (Florenz), Prof. Dr. H. P. C h a j e s (Triest), Senator Prof. Alessandro EKAncona (Florenz), Dozent Dr. Umberto Cassuto (Florenz), Dr. Edgardo Morpurgo (Padua), Prof. E. Loevinson (Rom), Rabb. Dr. E. S. A r t o m (Ferrara), Prof. Alberto Del Vecchio (Florenz), Adv. Raffaele Ottolenghi (Acqui) u. v. a. In dem Aufruf heißt es: „Wir Italiener, denen der unversiegliche Reichtum der Lokalquellen viel leichter als Ausländem zugänglich ist, haben zur Erforschung der Geschichte der Juden in Italien bisher nur wenig beigetragen. In den letzten fünfzig Jahren sind von Italienern ungefähr 500 Arbeiten aus dem Gebiete der Geschichte und Literatur der Juden in Italien und davon nur 15 in besonderen Bänden erschienen; die anderen sind Artikel, die in Revuen oder Miszellaneen verstreut sind, fast immer ohne besondere Bedeutung. Dennoch ist das Feld, das der Bearbeitung harrt, groß, und die Ernte, die gute Ackerer sammeln könnten, ist sehr reich. Unabsehbar ist die Reihe der Dokumente, die die jüdische Geschichte betreffen und die man in den Archiven der verschiedenen italienischen Städte finden könnte. Sehr bedeutend ist die Zahl der hebräischen Dokumente, die uns die öffentlichen sowohl als die privaten Bibliotheken liefern könnten; beachtenswert die Zahl der hebräischen Inschriften, die noch immer verlassen oder vernachlässigt in den jüdischen

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