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Die Welt · 1913-05-16 · 20 (16.5.1913) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
20 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 20 DIE^ELT auch staatlich von England getrennt. Anders aber steht’s mit den Juden. Hier handelt es sich nicht um staatliche Absonderung. Der englische Jude hört nicht auf, englischer Steuerzahler zu sein, dem englischen Staatsverband anzugehören, alle Lasten, die ihm der Staat auferlegt, zu tragen, auch wenn er sich zum Nationaljudentum bekennt. Gleiche Lasten, gleiche Pflichten, gleiche Rechte — das ist das Prinzip des modernen Staates. England ist ein moderner Staat, und Mr. Chestertons Sophistereien werden die Basis der englischen Verfassung nicht verschieben. Unsere Freunde in Holland und sonstwo können ganz ruhig sein. Geschichtliche Fragen werden nicht durch Artikel und Weisheitsverzapfungen geistreicher Essayisten gelöst. Nicht Mr. Chesterton, sondern die Arbeitermasse Englands, die Demokratie des Weltreiches sind die maßgebenden, entscheidenden Faktoren. Die «S 625 Entwicklung des demokratischen Staates führt zur Trennung der Begriffe „Volkstum" und „Staat". Dies zur Beruhigung unserer holländischen Freunde. Wir haben unsererseits wahrhaftig nicht auf Mr. Cecil Chesterton gewartet, um uns von ihm die Richtlinien unserer Politik vorzeichnen zu lassen. Wir haben von allem Anfang klipp und klar erklärt, daß unser nationales Programm durchaus nicht mit dem Verzicht auf unsere staatsbürgerliche Stellung identisch ist. Dies zum tausend und erstenmal zu wiederholen, haben wir weder Lust noch Anlaß. Ob uns nun Mr. Chesterton versteht oder nicht, ist uns gleichgültig. Ebensowenig liegt uns an all’ den Mutmaßungen und Meinungen der sonstigen Antisemiten, die gerade aus dem Zionismus den Juden einen staatsbürgerlichen Strick drehen wollen. Wir gehen unseren eigenen Weg und lassen die Leute reden . . . PALÄSTINA-RUNDSCHAU RL j (Von unserem Berichterstatter.) Die Organisierung der palästinensischen Jugend im Turnverband „Makkabi“ Die Frage der Organisierung und des Zusammenschlusses unserer hiesigen Jugend beschäftigte seit langem alle Kreise, die den Bestrebungen dieser verheißungsvollen Jugend Interesse und Verständnis entgegenbringen. Die Zerrissenheit der palästinensischen Judenheit, die eine Folge der Verschiedenheit der Herkunftsländer und der Erziehung ihrer einzelnen Glieder ist, spiegelt sich zum Teil in der heran wachsenden Generation wieder. Noch bilden Aschkenasim, Sephardim, Jemeniten, Bucharer, persische Juden usw. besondere gesellschaftliche und kulturelle Gruppen, die nur lose, in einigen wenigen Organisationsformen, miteinander Zusammenhängen. Hierzu kommt der große Gegensatz zwischen dem alten und neuen Jischub, zwischen dem Zögling der Talmud-Thora und Jeschibah und dem der modernen Schulen. Und selbst bei der Jugend des neuen Jischub gab es bisher keinen Zusammenhang zwischen der ländlichen und der städtischen, ja selbst zwischen der Jugend der einen und der anderen Kolonie. Die Jugend von Pethach-Tikwah kam beispielsweise nie nach Ekron oder Gederah — und umgekehrt. Isoliert wuchs sowohl die ländliche wie die städtische schulentlassene Jugend heran. Diese Abgeschlossenheit aber war mit ein Faktor für die Entwurzelung und die Auswanderungstendenzen eines Teiles unserer Jugend. In den letzten Jahren hat man nun Versuche unternommen, die Organisierung der palästinensischen Jugend auf Grundlage der Fortbildung durchzuführen. Der Schreiber dieser Zeilen gehört zu den Wenigen, die sich intensiv mit der Sache befaßten. Es war ein reichhaltiges Programm, in dem das kulturelle Moment dominierte. Die Arbeit kam aber nicht recht vom Fleck. Inzwischen trat der Verband „Makkabi“ auf den Plan, der wohl auch die Bedeutung der kulturellen Arbeit für die Jugend voll erkannte, jedoch die körperliche Hebung in den Vordergrund rückte. Der Erfolg hat der Methode des „Makkabi“ recht gegeben. Auch die palästinensische Turnbewegung ist zuerst recht mühselig vorwärts gekommen. Der erste Turnverein ist vor 7 Jahren in Jaffa auf Initiative des Dr. L. Kohen s. A. gegründet worden und er führte Jahre hindurch ein kümmerliches Dasein. Es fehlte sozusagen an allem: an einem geeigneten Turnsaal, an Turngeräten und an einem Turnlehrer. Allmählich besserten sich die Verhältnisse. Sowohl das Hebräische Gymnasium wie die Mädchenschule der Chowewe Zion erbauten je einen Turnsaal, die dann dem Turnverein bereitwillig zur Verfügung gestellt wurden. Ein gleiches ge-j schah in Jerusalem seitens des Hilfsvereins der deutschen Juden. Es verdient überhaupt konstatiert zu werden, daß die im Lehrerseminar des Hilfsvereins in Jerusalem ausgebildeten jungen Lehrer bald überall die Träger des Turngedankens wie überhaupt der jungjüdischen Bewegung wurden. Ein ganz besonderes Verdienst um die Turnsache hatte sich der leider so tragisch ums Leben gekommene Lehrer Jehudah Teller in Rechoboth erworben. Seit zwei Monaten gibt der „Makkabi“ gedruckte monatliche Zirkulare heraus. Es tut einem wohl, in diesen Heften zu blättern, diesen Anfängen jungtürkischer Kraft nachzuspüren. Das „Mens sana in corpore sano“ nimmt sich als Motto in hebräischer Sprache gar seltsam aus. Die Gegensätze berühren sich, und Rom leiht Jerusalem seine Devise. Wieder und immer wieder muß man an die unvergeßlichen Worte H erzls denken: „Wenn aus armen Judenjungen junge, stolze Juden werden! . . .“ Im Vorwort erklärt das Zentralkomitee die Notwendigkeit dieser Zirkulare. Im Hebräischen fehlt es fast gänzlich an einer Turnliteratur und sie müsse erst allmählich geschaffen werden. Das gleiche gilt von einer einheitlichen hebräischen Terminologie für die Einzelheiten des Turnwesens. Beides wollen die Zirkulare, die allmählich zu einer hebräischen Turnzeitschrift ausgebaut werden sollen, pflegen. Aber auch die geistige Fortbildung der Mitglieder soll nicht vernachlässigt werden. „Wir müssen erstreben, daß unsere Mitglieder gesund an Körper und Geist, gute Menschen und zugleich gute Juden seien.“ Es wird konstatiert, daß die Turnvereine bereits Anteil am öffentlichen jüdischen Leben nehmen und es wird als wünschenswert hingestellt, daß die Turnorganisation geschlossen nach außen hin auftritt. Die Zirkulare enthalten verschiedene Aufsätze über das praktische Turnen, über Turnhygiene, die allgemeine jüdische Turnerschaft, die Spiele in Rechoboth usw. Aus der Chronik ist zu entnehmen, daß die Turnvereine in Jerusalem und Jaffa sich besonders gut entwickeln. In Jerusalem bestehen zurzeit drei Abteilungen, von denen jede zweimal wöchentlich turnt. Eine von diesen ist eine Mädchenabteilung. Die Leitung ruht in den Händen des Turnlehrers Goldschmidt, dem drei Vorturner behilflich sind. In Jaffa zählt der Turnverein 120 Mitglieder, außerdem eine Mädchenabteilung von 50 Teilnehmerinnen und eine Abteilung in T e 1 - A w i w. Ein Schauturnen, das am Chanukah veranstaltet wurde, brachte einen Ueberschuß von 500 Frcs., der für die Anschaffung von Turngeräten verwendet wurde. Das Odessaer Komitee hat

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