Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316567-3316593--57420-3375879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 19 597 Dr. Melamet, der Vorsitzende der „Jeunes Juifs“, über die „Jüdische Solidarität“ anstellt. Die Pessachnummer des jüdischen „Tagblatf“ in Lemberg stellt zugleich eine Jubiläumsausgabe anläßlich des zehm jährigen Erscheinens des Blattes dar. Das Blatt kann auf ehrliche, treue, gut jüdische und zionistische Arbeit zurückblicken. Es erscheint vvochentäglich in über 21 000 Exemplaren, von der Samstagnummer werden über 15 000 Exemplare gedruckt, die Feiertagsauflage beträgt 20 000 Exemplare. Das Blatt ist Eigentum der zionistischen Partei Galiziens. Die Jubiläumsnummer enthält Rückblicke auf die Entwicklung des „Tagblatt“ vom jetzigen Redakteur Moses Frostig und seinen Vorgängern Moses Kleinmann, Arnold, Schönfeld und Dr. F. E. Waschitz. Dr. G. Zipper hebt die Verdienste des Blattes um die Entwicklung des Zionismus im Lande hervor, Dr. Anselm Kleinmann stellt den Einfluß des „Tagblatt“ auf die galizisch-jüdische Literatur fest. — Dr. Michael Ringel bespricht die Folgen der Niederlage der Türkei für den Zionismus. Dr. Leon Reich schildert den Anteil der Juden an den Freiheitskämpfen Polens. Leon Wechsler gibt eine geschichtliche Darstellung der ruthenischjüdischen Beziehungen. Außerdem enthält die Nummer einen reichhaltigen literarischen Teil. Die Pessachnummer unseres polnischen Bruderblattes „Wschöd“ bringt Artikel über den Wahlrechtskampf der galizischen Juden und ihre politische Lage im Lande von Dr. Leon Reich und Leon Wechsler. Für die Schaffung einer hebräischen Universität in Jerusalem tritt Adolf Stand ein, dagegen äußert Dr. Osias Thon Bedenken gegen die Realisierbarkeit des Projektes. Dr. F. E. Waschitz bespricht die ruthenisch-jüdischen Beziehungen, Dr. Michael Ringel schreibt über „Golus-Paradoxe“, Dr. Z. J. Finkeistein über „Commercial Road“. Die Monatsbeilage „Die Stimme der jüdischen Frau“ bringt Aufsätze von Bettina Feuermann über das Pessachfest, die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland, und von Cäcilie Kuhmerker: „Was ist der Schekel für die jüdische Frau?“ Die Pessachnummer der polnischen Monatsschrift für jüdische Wissenschaft, Kunst und Literatur „Moriah“ enthält u. a. folgende Artikel: Dr. Philipp Korn grün: Der XL Zionistenkongreß. — Moses Frostig: Das neue Palästina. — Dr. M. B.: Geschichte der Juden in Wien bis zum Jahre 1770. — Dr. Z. F. Finkeistein: Whitechapel. — N. M. G elber: Zeitgenössische Stimmen über „Rom und Jerusalem“. — Dr. H. Stern er: Nationale Erziehung im jüdischen Scouting. — Schomer Israel: Das Recht im Talmud. — Ch. Diestenfeld: Die jüdische städtische Bevölkerung in Galizien. Das Märzheft der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“ enthält u. a. Angaben über die Ergebnisse der jüngsten Volkszählungen in Dänemark und Norwegen. In Dänemark beträgt die Zahl der Juden 5146 (0,1S °o), in Norwegen 1045 (0,04 "'<>). Sehr interessant sind die statistischen Angaben über die Zahl der Juden in den neuen italienischen Besitzungen in Tripolis. Im Juli 1911, also nur einige Monate vor Beginn des Krieges mit Italien wurde von der türkischen Regierung eine Volkszählung in ihren nordafrikanischen Besitzungen veranstaltet. Auf Grund der Zählung beträgt das jüdische Element in Tripolis rund etwa 14300 Seelen, in F e z z a n und Cyrenaika 5000 Seelen, so daß die Zahl der Juden in den neu erworbenen Provinzen Italiens mindestens 19 000 Seelen ausmacht. — Von hohem Interesse ist der Aufsatz, den der praktische Arzt in Elisabethgrad, Dr. Weißenberg, veröffentlicht. Auf Grund langjähriger Forschungen in verschiedenen jüdischen Zentren Rußlands kam der Verfasser zur Feststellung, daß bei den russischen Juden ein bedeutender Rückgang der Geburtenzahl und mit ihm auch des Jahreszuwachses eingetreten i s t. Den Wendepunkt bildet das Jahr 1905. Diese katastrophale Erscheinung sucht Dr. Weißenberg psychologisch zu erklären. Das grausame Revolutionsjahr veranlaßte wahrscheinlich das jüdische Volk, nach verschiedenen Auswegen aus dem sozialen Elend zu suchen und einen „solchen rettenden Ausweg scheint es nun in der willkürlich herabgesetzten Kinderzahl zu erblicken“. PALÄSTINA-RUNDSCHAU %JiSLJ (Von unserem Berichterstatter.) Das Volksfest von Rechoboth Donnerstag, am 17. Nissan (24. April), fand in diesem Jahre das eigentliche Volksfest in Rechoboth statt. Das eigentliche: denn wir hatten diesmal sozusagen auch einen Erew Jom-To w. Bereits am Mittwoch hatte sich der „Makkabi“ in Rechoboth auf dem Spielplätze eingefunden, um das Terrain kennen zu lernen und die letzten Vorübungen an Ort und Stelle vorzunehmen. Ueberhaupt war die aktive Teilnahme des „Makkabi“, dieses starken Turnverbandes, der sozusagen über. Nacht gewachsen ist und heute schon 976 Mitglieder zählt, eine neue Note des Volksfestes, das die junge jüdische Generation von Erez Israel alljährlich am Pessach in Rechoboth begeht. Eine andere neue Note dieses fröhlichen Festes war der Versuch einer Ausstellung. Es sind kaum fünf Jahre vergangen, seit einige junge Leute in Rechoboth den Entschluß faßten, dort alljährlich am Chol Hamoed Pessach ein Volksfest mit Festspielen der Jugend zu veranstalten. Diesmal konnte Dr. Moscowitz, der Vorsitzende des Komitees der „Chagigah“ (Feier), in seiner Ansprache bei der Eröffnung der kleinen Ausstellung mit Recht sagen, daß die Pessachfeier von Rechoboth in der jüdisch - palästinensischen Welt beinahe eine historische Institution geworden ist. Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Teilnehmer, wodurch auch an den Verkehr hohe Anforderungen gestellt werden. Man hört daher häufig die Frage: „Wie komme ich nach Rechoboth?“ Für die Einwohner der Kolonien ist sie allerdings von geringer Bedeutung. Die kommen mit ihren Wagen und Reittieren und, in Rechoboth angelangt, lagert sich die Bewohnerschaft jeder Kolonie auf einem besonderen Platz um ihre Wagen, wohin sie sich bei den Pausen zurückzieht und ihre Mahlzeiten einnimmt. Das weite Feld bietet dann den Anblick einer fröhlichen Völkerwanderung. Glücklicherweise war die Verkehrsfrage auch für die meisten Einwohner von Jaffa in befriedigender Weise gelöst worden. Dafür sind wir Herrn M. Disengoff, dem Rosch Hawaaü (Vorsteher) von Tel-Awiw, zu Dank verpflichtet, der mit der Eisenbahn Verwaltung die Vereinbarung traf, daß sie einen Extrazug am Donnerstag zur Verfügung stellte, der die Teilnehmer morgens von Tel-Awiw nach Ramleh und abends von Ramleh nach Tel-Awiw bringen sollte. Von Ramleh nach Rechoboth vermittelten Pferdewagen den Verkehr. Unter den hunderten Teilnehmern, die sich des Extrazuges bedienten, waren auch mehrere Araber, die, wie sie sich ausdrückten, ebenfalls bei der „Chagigah“ sein wollten. Die Fahrkarten Tel-Awiw — Ramleh waren in hebräischer Sprache gedruckt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.