Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 19 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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598 Nr. 19 dies§kelt Die Ansprachen Punkt 12 Uhr formierte sich, wie im Programm vorgesehen war, am Beth-Am der Zug, um sich von dort zum Festplatz zu begeben. Voran die Reiter, zum größten Teile von der Wächterorganisation „Haschomer", aber auch das weibliche Geschlecht war durch stramm reitende Kolonistentöchter vertreten. Nach den Reitern schritt die Schuljugend, nach ihr der „Makkabi" und dann — das Volk. Am Beth-Hawaad wurde Halt gemacht und Aaron Eisenberg begrüßte vom Balkon aus im Namen der Kolonie die vielen Gäste. Emerson sagt: „Es macht einen großen Unterschied für die Kraft einer Sentenz, ob ein Mann hinter ihr steht oder nicht." Bei Aaron Eisenberg spürt man gleich den Mann, der hinter den Worten steht. Er kam vor 20 Jahren als nicht mehr junger Mensch ins Land und begann seine Laufbahn als — Tagelöhner und Steinklopfer. Heute ist er eine Säule des neuen Jischub geworden. Er steht an der Spitze der staatlich legalisierten „Agudath N’taim". Sein einziger Sohn, Leutnant Karmi Eisenberg, befindet sich jetzt bei der türkischen Armee an der Tschataldschalinie. Eisenberg sprach über das Pessachfest, wie es einst das jüdische Volk in Palästina feierte. Sie verließen ihre Dörfer und Städte und zogen zu Hunderttausenden nach Jeruschalajim, wo sie das Fest der Freiheit gemeinschaftlich in Lust und Freude begingen. Wir Heutigen können uns dies nicht mehr vorstellen. Der Psalmist aber, dem das einstige Pessachfest noch lebendige Erinnerung war, drückte seinen gewaltigen Schmerz in den tief erschütternden Worten aus: „Meine Tränen wurden meine Speise Tag und Nacht, da sie immerfort zu mir sagten: Wo ist nun dein Gott? Daran will ich gedenken und mein Herz in mir ausschütten, wie ich dahinzog im Gedränge, mit ihnen wallte zum Gotteshause, mit der Stimme des Jubels und des Dankes in der festlichen Schar. Was bist du gebeugt, meine Seele, und tobst in mir? . . .Weilichdein gedenke aus dem Jordanlande und den Hermongipfeln." (Psalm 42.) Uns Heutigen, die wir erst kurz dem Galuth entronnen sind, ist noch ein anderes Bild von der Feier des Pessach in Erinnerung. Es ist das Bild des Pessach im Galuth, wo unsere Vorfahren unter Lebensgefahr und in tiefster Verborgenheit das Fest begehen mußten. Heute noch sind hunderttausende unserer Brüder anläßlich des Pessachfest es durch die entsetzliche Beschuldigung des Ritualmordes an ihrem Leben bedroht. Heute noch — indem wir uns hier zur Feier unseres Festes anschicken — schmachten jüdische Brüder in Rußland und Oesterreich im Gefängnis unter dieser verlogensten aller Anklagen. Hier geriet der Redner in starke Erregung, die er kaum zu meistern vermochte. Er führte dann weiter aus: Gottlob, daß wir hier in Palästina unter diesem freien, blauen Himmel unseres Heimatlandes unser Fest der Freiheit wieder in Freiheit und voller Öffentlichkeit begehen können. Wir hoffen, daß unsere jetzigen Pessachfeiern nur eine Art Vorübung für die Zukunft sind. Das wahre, jüdische Pessachfest gehört nicht einer Kolonie. Wir hoffen, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo unser Volk das Fest dort begehen wird, wo es in der Vergangenheit gefeiert wurde: in Jeruschalaji m." Salutschüsse und Händeklatschen begleiteten die letzten Worte Eisenbergs. Die Musik spielte, der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Bald war man am Festplatz angelangt, wo Dr. Mossinsohn zu Pferde eine weitere Ansprache hielt. Er erinnerte daran, daß die Bilumitglieder jetzt ihr 30 jähriges Jubiläum feiern und meinte, sie wären berechtigt, auch das heutige Fest als eine Bilufeier anzusehen. Der Versuch einer Ausstellung Dr. M o s c o w i t z, früher Mitglied des Zionistischen Actions-Comites für Rumänien und jetzt Arzt der Kolonie Rechoboth, sagte ungefähr folgendes: „Wir sind hier im Begriffe, die erste jüdische Ausstellung in Judäa zu eröffnen. Klein und unansehnlich — erscheint sie uns doch als ein vielversprechender Anfang. Ausstellungen gelten überall als eines der besten Mittel zur Anregung des Wettbewerbes und des gewerblichen Fortschrittes. Auch uns schien schon lange eine jüdische Ausstellung in Palästina eine Notwendigkeit zu sein. Leider haben wir diese Ausstellung spät angekündigt. Klein und beschränkt waren auch die Mittel, die uns zur Verfügung standen. Und doch: was Sie hier sehen, zeigt klar, daß unsere Idee nicht verfehlt war und daß tatsächlich die Bedingungen für eine Ausstellung in Palästina schon gegeben sind. Wir glauben, daß wir dadurch dem Rechobother Volksfeste, daß in unserem palästinensich-jüdischen Leben fast schon als eine historische Institution angesehen wird, einen neuen bedeutungsvollen Inhalt gegeben haben, den wir von Jahr zu Jahr weiter ausgestalten wollen . . . Wir betrachten also diesen Versuch nicht als Erfüllung, sondern als eine Hoffnung, ln diesem Sinne erkläre ich im Namen des Waad Hachagigah die Ausstellung für eröffnet." Ein Rundgang durch die Pavillons, die für die Zwecke der Ausstellung aufgeführt wurden, bot manches Interessante. Unangenehm fiel nur die geringe Beteiligung aus landwirtschaftlichen Kreisen auf. War es der kurze Zeitraum, der für die Veranstaltung zur Verfügung stand, der eine größere Beteiligung verhinderte, oder war die gewählte Zeit an sich für die Ausstellung landwirtschaftlicher Produkte nicht geeignet? — Um so erfreulicher wirkte das Bild, das die Produkte eines Kolonisten (Altschüler in Rechoboth) darboten. Ein Schmied aus Chederah stellte zwei Pflüge aus. Der eine ist eine in die Augen fallende Verbesserung des arabischen Pfluges, der andere eine neue Konstruktion für Grubarbeiten eines stark mit Gras bedeckten Feldes. — Neu war auch die Konstruktion der Fensterladen, die von der Firma Sch. Aschkenasy (Fabrik für Holzarbeiten) in Jaffa ausgestellt wurden. Von derselben Firma wurden Kisten in jeder Größe aus Eukalyptusholz ausgestellt, wodurch die Verwendbarkeit des Eukalyptus für diese Zwecke demonstriert wurde. — Sonst begegnete man Produkten der landwirtschaftlichen Zweigbetriebe (Honig, Wein, Gele, Seife, Käse usw.), der städtischen Industrie, des Handels sowie der Spitzenateliers. Die jüngst in Jerusalem errichtete Werkstatt für Perlmutterarbeiten sandte ebenfalls ihre Erzeugnisse, ebenso die Handwerkerschule in Jaffa. Dr. P u c h o w s k i und Apotheker Auerbach in Jaffa stellten die von ihnen kombinierten medizinischen Neuheiten aus. Alles in allem: ein vielversprechender Anfang, der wohl schon im nächsten Jahre eine Ausgestaltung erfahren wird. Ueber das Schauturnen des „Makkabi" sowie über die sich anschließende Generalversammlung dieses Turnverbandes werde ich in meinem nächsten Briefe berichten. 1. Palästinafahrt jüdischer Studenten und Akademiker aus Deutschland Wir stehen am Ende einer fünf wöchentlichen Fußtour durch unser angestammtes Heimatland. Wir scheiden, nachdem wir mit Stolz gesehen haben, was jüdische Arbeit auf jüdischem Boden zu leisten vermag. Es waren für uns Tage ungetrübten Genusses und erhebenden Nationalgefühls. Wenn die Tour so erfolgreich ausgefallen ist, verdanken wir das in erster Linie der opferwilligen Gastfreundschaft der palästinensischen Judenheit. Es ist uns eine angenehme Pflicht, für die brüderliche Art, mit der man uns allerorts entgegengekommen ist, unsern Dank auszusprechen. Zugleich danken wir Herrn Emanuel Sachs-Jaffa für die erfolgreiche Mühewaltung, mit der er unsere Fahrt vorbereitet hat. Wir scheiden von unserem Lande mit dem seiner Erfüllung gewissen Wunsche: Auf Wiedersehen! Im Aufträge der Wandergruppe: Si. Rosenbaum, cand. med.