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Die Welt · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 19 DIE 595 Es waren Erwerbstätige im Hauptberuf: A. Handel und Verkehr 1895 1907 1895 1907 1895 1907 v. d. Gesamtvon den bevölkerung Juden 10,20 "o 56,02 «o ll,50-o 50,56 -o B. Industrie 36,14 - 0 19,30 37,23 -o 2I,87-o C. Landwirtschaft 36,19-o l,41-o 32,69 -o 1.30 -o D. O e f f e n 11. Dienste und freie Berufe 1895 6,22 -o 6,14-o 1907 5,75 "o 6,54-o E. Beruflose Selbständige 1905 9,35 -o 16,73-o 1907. 11.26 -0 19.24 -0 In Worten: Handel und Industrie haben von deutsch-christlicher Seite einen starken Zustrom erhalten, von jüdischer Seite hat nur die Industrie Zuwachs zu verzeichnen, im Handel dagegen ist eine ausgesprochene Fluchtbewegung zu konstatieren (von 56 -<> aller Juden auf 50 -o!). Eine korrespondierende Deroute weist auf christlicher Seite die Landwirtschaft auf. Freie Berufe werden von Christen gemieden, von Juden mit nur minimaler Zunahme behauptet. Beruf lose Selbständige nehmen auf beiden Seiten zu. Noch eine Tabelle über den so scharfen Rückgang der Juden im Handel: B eru fsart Zunahme von 1895—1907 Ges. Bev. Juden Anteil der 1895 i 1907 Warenu. Produktenhandel 45,8 8,7 10,9 I 8,1 Geldu. Kredithandel . . 96,9 13,8 13,8 7,9 Buch-, Kunst-, Musikhandel 74,7 98,3 3,1 3,5 Handelsgewerbe zusammen 44,3! 8,0 10,5; 7,9 ,,Da sehen wir nun, daß im Waren- und Produktenhandel, in stehendem Geschäftsbetrieb, der die Hauptmasse aller erwerbstätigen Juden umfaßt, die Zunahme von 1895—1907 nur 9 "o betrug gegenüber 46 o/o bei der Gesamtbevölkerung. I m Geldhandel war der Unterschied noch gewaltiger. Hier betrug die Zunahme der Juden 14 ojo, d i e der Gesamtbevölkerung 97 o/0.“ „Entsprechend dieser geringen Zunahme sank natürlich auch der Anteil der Juden in den einzelnen Berufsarten, und zwar: im Waren- und Produktenhandel von 10,9 °o auf 8,1 o/0 im Geld- und Kredithandel von 13,8 -o auf 7,9 o/o“ (Segall, S. 33). Die Richtung, in der sich das jüdische Wirtschaftsleben entwickelt, steht in unlösbarem Zusammenhänge mit der Eigenentwicklung des deutschen Wirtschaftskörpers, in dem die Juden eine wirtschaftliche Sonderstellung einnehmen. Und es wird nichts nützen, davor die Augen zu schließen, daß die Juden in fortschreitendem Maße freigesetzt werden, weil die Funktionen, die sie bisher allein oder am besten besorgt hatten, nunmehr von den Deutschen selbst übernommen werden. Die Tendenz der Expropriierung der Juden ist eine Tatsache, die auch im einzelnen nachzuweisen und zu erkennen sein wird. REVUE DER PRESSE Der bekannte Gelehrte und Orientkenner Prof. Dr. Hartmann (Berlin) veröffentlicht in der „Frankf. Zeitg.“ Reisebriefe aus Kleinasien, deren erster die Stadt Haifa zum Gegenstände hat. Der Verfasser sagt dieser palästinensischen Hafenstadt eine glänzende Zukunft voraus und er weist dem jüdischen Volke hierbei, wie überhaupt in der künftigen Entwicklung Syriens und Palästinas, eine bedeutende Rolle zu. Ueber das im Entstehen begriffene Technikum in Haifa führt er u. a. aus: „Wie im Westen Haifas die deutsche Kolonie einen Mittelpunkt kultureller Tätigkeit im schönsten Sinne des Wortes darstellt, so wird sich binnen kurzem im Osten der Stadt ein Gebäudekomplex erheben, von dem eine starke Wirkung auf Haifa, auf Palästina und auf ganz Syrien ausgehen wird: das „Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina4*. . . . Wie es tatsächlich um den Unterricht auf diesen wichtigen Gebieten steht, dafür genügt als Zeugnis, daß die Türkei kein einziges, modernen Ansprüchen genügendes Institut besitzt, an dem Techniker herangebildet werden, wenn man von der türkischen Regierungs-Ingenieurschule in Konstantinopel, die nur zwölf Abiturienten im Jahre hat, absieht. Nun hat aber der Orient eine Bevölkerungsgruppe, die sich im Westen mit gutem Erfolg den Naturwissenschaften und der Technik zugewandt hat: die Juden. Aber wo wir auch in den vorderasiatischen Ländern jüdische Gemeinden finden, es sind nur selten Männer aus ihnen hervorgegangen, die sich eben in den beiden genannten Gebieten auszeichneten. Soweit die Naturwissenschaften, einschließlich Medizin, in Betracht kommen, ging die Beschäftigung damit fast nur von der philosophischen Spekulation aus. Und in der Technik kam man über eine oft sehr geschickte Uebung des Handwerks nicht hinaus.** Nachdem nun der Verfasser die Verdienste des Hilfsvereins der deutschen Juden um die Modernisierung des jüdischen Schulwesens in Palästina eingehend gewürdigt hat, fährt er fort: „Aber gerade in Haifa ist ein Schulwerk in Vorbereitung, das voraussichtlich an weiter und zugleich tiefer Wirkung alle bisherigen Bestrebungen übertreffen wird, das schon oben gestreifte „Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina4'. ... Es ist eine Anlage im größten Stil. In dem vorderen, niedrigeren Teile des Grundstücks, das von 60 m bis zu 93 m nach Süden am Abhange des Karmels aufsteigt, erhebt sich, in den Umfassungsmauern schon fast ganz fertiggestellt, die Mittelschule mit dem daranstoßenden Wohnhaus des Direktors. Etwas jenseits der Mitte sehen wir den Unterstock der Fachschule, einen architektonisch bemerkenswerten Bau, an dessen westlicher Seite die Werkstätten sich erheben werden. Auf der südlichen Schmalseite wird ein Internat angelegt werden. Wie wird sich nun der Betrieb gestalten? Diese Frage führt sogleich tief hinein in das Problem, dessen energische Lösungsversuche bei ihrem ersten Bekanntwerden in breiterer Öffentlichkeit vor etwa 20 Jahren bei den meisten ein ungläubiges Lächeln hervorriefen, bei nicht wenigen auf schroffen Widerstand stießen. Ich meine die Bewegung, die als Zionismus bekannt ist und die in ihren Anfängen aufs engste mit dem Namen des Wiener Dr. Herzl verknüpft ist. Für die Phasen, die diese Bewegung durchgemacht hat, ist hier nicht der Ort. Es sei nur festgestellt, daß der Grundgedanke, die Schaffung eines neuen Israel im Heiligen Lande, in einer Richtung eine erstaunliche Verwirklichung gefunden hat: in der Schaffung größerer jüdischer Gemeinwesen mit selbständiger Verwaltung und in der Durchsetzung des Hebräischen als Verkehrssprache, namentlich als Schulsprache unter den Juden in Palästina. Es ist hier eines Mannes zu gedenken,

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