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Die Welt · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 593 diei^elt äm blauen Meer und an die hochgebaute Stadt erinnert werden. Viel zahlreicher als die Griechen sind wir Juden, auch nicht weniger begütert oder opferfähig, und Jerusalem ist uns nicht weniger, als den Auslandsgriechen Athen. Wenn trotzdem Jerusalem bisher im Leben der jüdischen Gemeinschaft bei weitem nicht die zentrale Rolle spielte, die ihm zukäme, so lag dies daran, daß die Heilige Stadt erst jetzt wieder anfängt, ein jüdisches Zentrum in j e n e m lebendigen Sinne zu werden, der allein die werktätige Sympathie der gesamten Judenheit hervorrufen Vielfach ist es auch die so beklagenswerte allgemeine Unkenntnis jüdischer Dinge, die einer rascheren Reaktivierung Jerusalems im Wege steht. Es ist nicht genug bekannt, daß Jerusalem mit seinen ca. 70 000 Juden wohl wieder die jüdischste „Großstadt“ der Welt geworden ist. Es ist nicht hinreichend bekannt, daß die ärmsten Juden der ganzen Welt mit ihren vom Munde abgesparten Kopeken und Kreuzern und Pfennigen wenigstens das arme Jerusalem auf gebaut haben, aus dem nun — in von Tag zu Tag wahrnehmbareren kleinen Entwicklungen — ein schöneres und stolzeres jüdisches Jerusalem zu entstehen beginnt. Wäre Jerusalem den Juden bekannter — und besonders den reichen Juden — so habe ich keinen Zweifel, daß der alten Hauptstadt bald nichts mehr fehlen würde, was der Stammesstolz und der Opfersinn unseres Dreizehnmillionenvolkes zu leisten imstande wären. Immerhin, Jerusalem ist wieder jüdisch geworden, ist uns „erobert“ worden von den Betern und Bettlern, von Hungernden und Zerlumpten, von Kranken und Greisen. Nach den Trümmern der Stadt haben die Trümmer des Volkes den Weg gefunden, und aus den „kombinierten Ruinen“ fängt neues Leben zu sprießen an. Gegenwärtig wird ein Plan erwogen, in Jerusalem eine jüdische Hochschule zu errichten. Der Plan ist schon vor zehn Jahren auf getaucht. Einige unserer näheren Freunde haben ihn lanciert, ohne damals den nötigen Widerhall zu finden. Aber die Idee ist seit damals nicht mehr verschwunden. Hier und da — aus Lagern, von denen wir kaum eine Unterstützung hatten erwarten können, kamen Anregungen ganz ähnlicher Art, und von Kreisen, auf deren Mitwirkung zu rechnen damals phantastisch hätte scheinen können, sind inzwischen greifbare und solide Grundlagen geschaffen worden, auf denen nun weitergebaut werden kann. Was bisher Wunsch gewesen war, wird jetzt zur Notwendigkeit*), und noch mehr als das: es wird möglich. Unser Freund Feldmann aus Jaffa hat es neulich betont, daß das Jaffaer Hebräische Gymnasium auch als „Industrie“ bereits Bedeutung gewonnen hat; es ist der größte wirtschaftliche Faktor von Tel-Awiw, der jüdischen Vorstadt Jaffas, geworden. — Warum auch nicht? Wir sehen ähnliches an vielen Orten. Mittweidas bekannteste „Industrie“ und bekanntester Erwerbszweig ist sein Technikum, und auch in Haifa dürfte für viele Jahre das demnächst zu eröffnende jüdische Technikum das größte Unternehmen bilden. Jerusalem liegt für manche Industrie nicht günstig. — als Ort einer jüdischen Hochschule aber hat es den Vorrang vorallen Städten derWelt, und zwar sowohl, wenn es sich um eine zentrale Anstalt für die Wissenschaften des Judentums handelt, wie für eine Hochschule des neuen jüdischen Zentrums in Palästina, oder für eine jüdische, europäisch-kulturelle Einwirkung auf den ganzen näheren Orient. Wirtschaftlich ist der Plan gesund, und es gibt mancherlei gute und vernünftige Wege zu seiner Realisierung. Lehrer und Schüler haben wir sicherlich übergenug, und Judentum, Palästina und Orient sind unbeackerte Felder von unabsehbarer Größe. Fehlen ein paar Millionen Mark, um diese große Sache zu „machen“, aber wir brauchen vor solchen Erfordernissen längst nicht mehr zu verzagen. Was hier vorerst nötig ist, — und zwar einmalig —, reicht bei weitem nicht heran an die Summen, die von den armen Juden a 11 jährlich aufgebracht werden, um die noch ärmeren von Jerusalem am Leben zu erhalten. Und noch viel weniger reicht es heran an die Summen, die von reichen Juden allwöchentlich hergegeben werden für „interkonfessionelle Zwecke“ der viel reicheren Völker, die zum Lohn die Juden nach Möglichkeit ausschließen. *) S. auch die Artikel von Dr. Coralnik „Die Europasperre“ („Welt“ Nr. 16) und „Jahn e" („Welt“ Nr. 17). D. R. Die Kongreßausgabe der JWELT“. Während des XI. Zionisten - Kongresses in Wien (2. bis 9. September 1913) wird zum Zwecke einer umfassenden Berichterstattung „DIE WELT“ in einer täglichen Ausgabe erscheinen. Mit der größten Spannung sieht die zionistische, mit lebhaftem Interesse die gesamte jüdische Öffentlichkeit den Verhandlungen des Kongresses entgegen. Wenn die Bedeutung unserer höchsten Institution in nachhaltiger und wirksamer Weise der jüdischen Öffentlichkeit gezeigt werden soll, so kann dies nur dadurch geschehen, daß jeder Jude über die Vorgänge auf dem Kongreß aus erster Quelle informiert wird. Unser Kongreß will dem jüdischen Volk dienen; darum ist es nötig, daß das Judentum die Beratungen des jüdischen Volkshauses möglichst genau kennen lernt. Die einzig authentischen Berichte über die Kongreß- Verhandlungen wird die Kongreßausgabe der „WELT" bringen. Wir treten schon heute an alle unsere Gesinnungsgenossen, insbesondere aber an die zionistischen Vereine und Vertrauensmänner, mit der Bitte heran, für die weiteste Verbreitung der Kongreßausgabe der „WELT“ tätig zu sein. Es werden diesmal sechs Nummern in vergrößertem Umfange erscheinen. Näheres über Abonnementspreise etc. wird noch bekannt gegeben. Verlag „DIE WELT“, Berlin W 75, Sächsische Straße 8.

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