Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 19 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 589 DIE^ELT Dem Herrn Redakteur Dr. Josef P a t a i, dessen Zeitschrift für jüdische Kunst und Literatur „Mult es Jövö“ die Ausstellung arrangierte und die mühevollen Vorarbeiten leistete, sei auch an dieser Stelle unser Dank für seine Bemühungen um das Gelingen der guten Sache ausgesprochen. Ein Interview mit Reschid Bey Ein Berichterstatter der „Zsidö Szemle“ hatte mit dem türkischen Politiker, Minister a. D. und gewesenen Gouverneur von Palästina, Reschid Bey, während seiner Anwesenheit in Budapest eine Unterredung. Reschid Bey äußerte sich folgendermaßen: „Wir sehen die Juden überall in unserem Reiche sehr gerne. In Palästina hauptsächlich darum, weil sie in dieser nicht recht bevölkerten Provinz in kultureller Hinsicht gute Dienste leisten. Wir kannten das jüdische Volk immer als ein tüchtiges; vornehmlich in der letzten Zeit, seitdem sie sich als Ackerbauer und Handwerker betätigen, werden wir gewahr, daß sie überaus nützliche Staatsbürger sind, in deren Händen die betreffenden Teile unserer Provinz an Wert merklich zunehmen . . .“ „D ie heutige Plattform des Zionismus entspricht vollkommen unserer Auffassung, da von der. Bildung eines unabhängigen Staates in einem Gebietsteile der Türkei nicht die Rede sein kann, hingegen ist die munizipiale Autonomie, wie sie schon jetzt in den jüdischen Kolonien besteht, erreichba r.“ „Ob wir die Einwanderung gerne sehen? Wir nehmen die Bedrängten immer in Schutz. Dies ist eine historische Tatsache. Und wenn uns jetzt die Einwanderung lebenskräftige und möglicherweise kapitalskräftige oder von einer Bank gestützte Juden bringt, ist es doch selbstverständlich, daß wir sie gerne sehen.“ „Und der rote Zettel?“ frug der Interviewer. „Das ist nur eine administrative Kontrolle. Ich glaube behaupten zu können, daß es noch niemals vorgekommen ist, daß wir aus Palästina jemanden ausgewiesen haben, weil er Jude ist. Ich wiederhole, wir betrachten die Juden als einen unserer wertvollsten Volksstämme, die bei uns eine Zukunft haben. Dies wissen übrigens auch die Juden, da sie doch großzügige kulturelle Institute in Palästina schaffen.“ Schließlich äußerte sich Reschid Bey über die Einwanderung der jemenitischen Juden, und stellte fest, daß es sich dabei nur um einen Wohnsitzwechsel türkischer Staatsbürger im Bereiche der Türkei handelt, die Jemeniten sind demzufolge nicht als ausländische Einwanderer zu betrachten und zu behandeln. Dies die wesentlichsten Sätze des interessanten Gesprächs. Und jetzt noch etwas Charakteristisches über unsere Assimilanten. Beim Abschied sagte Reschid Bey: „Knapp bevor Sie gekommen sind, war ein Berichterstatter einer anderen jüdischen Zeitung bei mir. Das ist, nicht wahr, ein antizionistisches Organ? Ich merkte das sofort. Ich sagte ihm übrigens dasselbe wie Ihnen.“ Und das ungarische Assimilantenorgan veröffentlicht nun ein „Gespräch“ mit Reschid Bey, welches ungefähr das Gegenteil von all dem enthält, was hier und in der „Zsidö Szemle“ veröffentlicht wird. Diese Art gehört eben zum eisernen Bestände der hochpatriotischen „Bekämpfung“ des Zionismus, wie sie hierzulande geübt wird und in diesen Blättern schon öfters besprochen wurde. Es entbehrt aber nicht des Humors, daß dieselben Assimilanten sehr besorgt tun um die Zukunft der jüdischen Kolonien, die von türkischen Kolonisten verdrängt werden können, und — horribile dictu! — um die hebräische Kultur, die angeblich der Gefahr der vollständigen Arabisierung ausgesetzt ist. Ein ungarischer Assimilant, der sich um die hebräische Kultur sorgt und die Arabisierung fürchtet! Ein ergötzlicher Anblick. Die Zukunft Salonikis und die Juden (Von unserem Berichterstatter.) Saloniki. Der Großrabbiner von Bulgarien, Dr. Ehrenpreis, hat einem Korrespondenten des „Matin“ Erklärungen über die Zukunft der Juden von Saloniki abgegeben, die ein gewisses Aufsehen erregt haben. Herr Dr. Ehrenpreis soll erklärt haben, daß die Juden von Saloniki, die den größeren Teil der Bevölkerung bilden, nichts davon wissen wollen, daß die Stadt Griechenland überlassen wird, weil dadurch ihre wirtschaftlichen und kulturellen Interessen gefährdet würden. Dagegen würden die Bulgaren, wenn sie Saloniki erhielten, dort einen modernen Hafen schaffen, der den Handel und Verkehr an sich ziehen würde. Ferner soll Dr. Ehrenpreis in seinem Interview die Toleranz der Bulgaren außerordentlich gelobt haben, während die griechische Orthodoxie den Juden feindlich und für sie gefährlich sei. Naturgemäß haben diese Erklärungen das Mißfallen der griechischen Behörden in Saloniki erregt und es erschien in dem Regierungsblatt „La Liberte“ ein Artikel, worin der Versuch gemacht wurde, die Behauptungen des Herrn Dr. Ehrenpreis zu widerlegen. Um ihren Ausführungen mehr Nachdruck zu verleihen, haben die griechischen Behörden ferner Gegenerklärungen des Großrabbiners von Saloniki, Jacob Me’ir, veröffentlicht. Nach dem Bericht der „Liberte“ soll der Großrabbiner von Saloniki sich etwa folgendermaßen geäußert „Ich habe die Erklärungen des Großrabbiners von Bulgarien mit tiefem Bedauern zur Kenntnis genommen. Warum mischt er sich in unsere Angelegenheiten? Er hat das Recht, von den Juden in Bulgarien zu sprechen, aber was die Juden in Saloniki betrifft, so glaube ich, sie besser zu kennen, als irgend jemand anders. Alles, was er von ihnen gesagt hat, ist unzutreffend. Keine seiner Behauptungen ist richtig. Die jüdische Bevölkerung in Saloniki ist der griechischen Behörde dankbar für das, was sie für die Bevölkerung getan hat. Sie setzt volles Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft von Saloniki, wenn sie die Maßnahmen bedenkt, welche die griechischen Behörden zu gunsten der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt treffen.“ Nach meinen Informationen hat der Großrabbiner von Saloniki die hier wiedergegebenen Erklärungen keineswegs in dieser Form abgegeben. Der ganze Absatz, der sich direkt gegen die Person des Dr. Ehrenpreis wendet, ist erfunden. Der Großrabbiner Jacob Mei'r hat den Erklärungen des Dr. Ehrenpreis nicht mit Entschiedenheit widersprochen und hat ihm auch nicht vorgeworfen, daß er sich in unsere Angelegenheiten einmischt. In Wirklichkeit hat er folgendes erklärt: „Dr. Ehrenpreis ist ein Gelehrter und ich kann mir nicht denken, daß er solche Behauptungen aufgestellt hat.“ Er fügte dann hinzu, daß die Juden sich in Saloniki unter der griechischen Herrschaft zurzeit Wohlbefinden und daß er zu der Entwicklung der Stadt Vertrauen habe. Peßach in Konstantinopel (Von unserem Berichterstatter.) Konstantinopel. Wie erwartet, haben die Kriegsflüchtlinge die Peßachfeiertage innerhalb der Mauern Konstantinopels zugebracht. Ihre Anzahl hat sich sogar gegen früher wiederum ganz bedeutend vergrößert. Neue 500 Zugewanderte haben sie auf nicht weniger als 3545 Seelen erhöht. Für die Pessachwoche haben diese die doppelte Unterstützungsrate empfangen im Betrage von 20 000 Frcs., ungerechnet die Mazzoth, von denen die Kommission aus den privat bei ihr eingelaufenen Geldern 7260 Oka 9000 kg angekauft hat. Abgesehen von diesen Kriegsflüchtlingen hat die Hilfskommission über das Fest auch die in Gallipoü befindlichen Flüchtlinge zu versorgen gehabt, die 186 Seelen zählen. Die dortige Gemeinde