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Die Welt · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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588 DIE LT Nr. 19 Noch sitzen die von Juden gewählten Täuflinge Dr. Licht und Dr. Redlich im deutschen Nationalverbande und wir sind neugierig, was ihre Wähler dazu sagen werden. Ein],Gegenstück zum Antrag Schmera! Wir verfolgten an dieser Stelle das Schicksal des Antrages Schmeral im Parlamente, der die systematische Ausschließung der Juden von zahlreichen Staatsämtem zum Gegenstand hatte und forderte, daß konfessionelle Gründe bei Anstellung von Beamten nicht maßgebend sein dürften. Bekanntlich hat die Regierung gegen diesen Antrag scharfe Stellung genommen und der Regierungs Vertreter hat mit Nachdruck erklärt, daß die Annahme dieses Antrages ein absolutes Sanktionshindernis der neuen Dienstpragmatik bilden müßte, so daß er schleimigst fallen gelassen wurde. Gegenstück: Im niederösterreichischen Landtage erhebt sich der Abg. Wohlmeyer, fordert namens der christlichsozialen Partei die Ausschaltung der Juden vom Offiziers- und Justizdienste — und der Regierungsvertreter findet keinen Anlaß, diesen Anschlag gegen ein Staatsvolk von 21/2 Millionen zurückzuweisen. Die Angelegenheit kam auch in der öffentlichen Kultusgemeindesitzung vom 30. April zur Sprache. Die zionistischen Kultusräte beantragten, eine Beschwerde an die Statthalterei zu richten, weil der Statthalter unterlassen hatte, gegen den Antrag Wohlmeyer sofort zu protestieren. Leider war das Plenum für diesen’ dinzig richtigen Weg, die Rechte und das Ansehen des jüdischen Volkes wirksam zu vertreten, nicht zu gewinnen und begnügte sich mit der Promulgierung seines Protestes. Eine ungarische Kulturdebatte (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Ein in Ungarn lebender namhafter rumänischer Dichter, Oktavian Goga, veröffentlichte in dem rumänischen Tageblatt „Romanul" vor kurzem einen Aufsatz über die ungarische nationale Kultur, der eine lebhafte Debatte veranlaßte. Der Inhalt seiner Ausführungen ist dahin zusammenzufassen, daß von einer ungarischen 'Nationalkultur heutzutage eigentlich nicht recht die Rede sein könne. Die Kultur Ungarns wird größtenteils von Fremden geschaffen. Wenn man ein ungarisches Buch zu Ende gelesen hat und sich dann den Autor im Geiste vorzustellen wagt, muß diese Bekanntschaft peinlich berühren: der Autor hat mit dem tausendjährigen Magyarentum nichts zu tun. Er ist eine bekannte Figur des modernen Ahasverismus, mit dem man in Ostende, an der Riviera oder auf dem Deck eines nach Singapore fahrenden Schiffes Zusammentreffen kann und der sich Meyer, Durand oder Löwy nennt. Dieser ist selbstverständlich dem Bewohner der ungarischen Tiefebene in geistiger Beziehung ebenso fremd, als ob er z. B. Schotte wäre. Und die Frage, weshalb die zeitgenössische ungarische Kultur einen fremden Habitus hat, ist mit einem Worte zu beantworten: Budapest. Die Metropole des Landes ist das mächtigste Emporium der semitischnationalen Kultur. Die ungarische Nationalliteratur endigte in der Dichtkunst mit P e t ö f i und A r a n y, in der Prosa mit M i k s z ä t h und müßte ihren Platz an die Budapester jüdischnationale Literatur abtreten, welche jetzt dominiert. - Es ist aus dieser knappen Zusammenfassung der Gogaschen Ausführungen zur Genüge ersichtlich, daß Goga weder bezüglich der ungarischen, noch bezüglich der national-jüdischen Kultur die Wahrheit trifft. Sein Aufsatz ist aber aus dem Grunde wichtig, weil er zu einer Diskussion anregte, die eines der Hauptprobleme des zeitgenössischen Judentums berührt: nämlich die Frage der Beteiligung der Juden am Geistesleben ihrer Wirtsvölker und die Frage der Bewertung dieser Beteiligung seitens der Wirtsvölker. Dem rumänischen Nationalisten Goga könnte es natürlich nicht entgehen, daß verhältnismäßig sehr viele hervorragende Persönlichkeiten des geistigen Jung-Ungams Juden oder Judenstämmlinge sind. Die im Auslande neuesten» bekannt gewordenen Bühnenautoren, Operetten-Librettisten und Komponisten sind tatsächlich zum größeren Teile Juden. Das beweist aber überhaupt nicht, daß diese Literatur „jüdisch" ist, höchstens daß sie (mehr im antisemitischen Sinne des Wortes) „verjudet" ist. Es gibt eine spezifisch magyarische Geisteskultur, es gibt aber auch eine spezifisch jüdischassimilatorische Geisteskultur (von Goga fälschlich ^jüdischnational" genannt), und diese drückt vorläufig noch der Stadt Budapest ihren Stempel auf und trachtet, in der Gesellschaft und Literatur zur Geltung zu kommen. Viele Erscheinungen dieses sonderbaren Geisteslebens werden nur dann erklärlich, wenn wir wissen, daß sie von jüdischen Assimilanten geschaffen wurden, die ganz in dem Bestreben aufgehen, als vollwertige Magyaren zu gelten. Sie sind bereits so zahlreich, daß sie öffentlich erklären können, ihr Ziel wäre die Regenerierung des morsch gewordenen alten Ungarns. Sie stoßen aber auf einen von ihnen nicht erwarteten Widerstand: das alte Ungarn zeigt gar keine Lust, sich von ihnen „regenerieren" zu lassen und zollt ihnen nicht die rechte Anerkennung. Das Urteil Gogas ist oberflächlich und dringt nicht in das Wesen der Sache. Dem oberflächlichen Beobachter scheint Budapest und die ungarische Kultur „jüdisch". Goga gebraucht diese Bezeichnung wahrscheinlich auch aus dem Grunde, um bei seinen Konnationalen den Widerstand gegen die ungarische Kultur zu kräftigen. Die magyarische Kultur muß aber von der jüdisch-assimilatorischen klar geschieden werden. Die Bewertung dieser jüdisch-assimilatorischen Geistesrichtung seitens der'wirklichen Magyaren ist für die Assimilanten betrübend. In der Debatte, die sich in der ungarischen Presse im Anschluß an den Gogaschen Aufsatz entwickelte, fand sich kein einziger wirklich magyarischer Schriftsteller, der seine (von uns „jüdisch-assimilatorisch** genannten) Kollegen für das magyarische Schrifttum reklamiert hätte. Von angesehenen ungarisch schreibenden Schriftstellern wurde behauptet, daß ihre Geistesprodukte mit der ungarischen Kultur nichts gemein hätten. Vergebens beteuern sie, daß sie nur Magyaren sind und der magyarischen Kultur neue Werte zuführen: die echten Magyaren haben kein Sterbenswörtchen zur Desavouierung Gogas gesagt. Das ist Assimilantentragik. Bezalel-Ausstellung in Budapest Am 1. d. M. wurde hier im Kunstsalon der Gesellschaft „Könyves Kalman" eine äußerst gelungene Bezalel-Ausstellung eröffnet. Zur Eröffnung waren viele hervorragende jüdische Persönlichkeiten erschienen, so die Barone Kohner, von Dirsztay, Frau Hofrat Dr. Neuman usw. Rabbiner Dr. Simon Heves! hielt eine überaus warm empfundene Eröffnungsrede, in welcher er den Bezalel als das Symbol des sich wiederverjüngenden Judentums feierte und seine soziale und kulturelle Bedeutung würdigte. Hervorragende Kunstkenner bezeichnen die ausgestellten Teppiche, Filigran-, Battik- und Holzschnitzerei-Arbeiten als Erzeugnisse, die neben die besten auf dem Gebiete des modernen Kunstgewerbes zu stellen sind. Die gesamte Presse ist voll des Lobes und bespricht die Ausstellung äußerst sympathisch. Die leider kleine, aber erstklassige Spitzenkollektion des Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, findet gleichfalls allgemeinen Beifall. Der moralische Erfolg ist also ein vollkommener, hoffentlich wird auch der materielle nicht ausbleiben, da sich Damenkomitees mit der Frau Baronin Bela v. Dirsztay und Frau Sarah Lindenbaum an der Spitze um das Gelingen bemühen. Die ersten Tage schon brachten einen sehr befriedigenden Erlös und eine namhafte Zahl, von neuen Mitgliedern.

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