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Die Welt · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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570 DIE LT Nr. 18 c z y k i, Leon Wechsler in Buczacz, Dr. Geyer in Czortkov und M o s c i s k a , Dr. Schmorak in Korn arno, Dr. Taubes in Lubaczöw. Im Monat Mai wird eine Agitationstournee für den Schekel stattfinden. Dr. Korngrün, Leon Wechsler und Dr. Geyer werden die Distrikte Tarnopol, Stanislau Krakau be- Der Baufonds für das hebräische Gymnasium in Jerusalem hat am 19. April die Höhe von 58849,29 Kronen erreicht. Ungarn Bezalel-Ausstellung in Budapest (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Der Verein Bezalel veranstaltet anfangs Mai d. Js. in Budapest eine Ausstellung größeren Stiles. Wir hatten bereits vor vier Jahren Gelegenheit, die Erzeugnisse der Bezalel- Schule dem Publikum vorführen zu können und die Ausstellung erweckte in Fachkreisen großes Interesse, obwohl die Schule damals noch in den Kinderschuhen steckte und die Räumlichkeiten des Zionistenheimes — wo die Ausstellung arrangiert wurde — viel zu beschränkt waren. Diesmal wird die Ausstellung im ersten Kunstsalon Budapests, im Salon der Gesellschaft „Köwques Kalman" stattfinden und hier Zeugnis ablegen von der Entwicklung der Anstalt. Die Ausstellung wird von der Redaktion der Zeitschrift für jüdische Kunst „Mult es Jövö" sehr umsichtig vorbereitet und wird der Schule voraussichtlich viele neue Freunde zuführen. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina beteiligt sich an der Ausstellung mit einer größeren Kollektion von Spitzen. Holland Deventer. Am Sontag, dem 14. April, hielt die hiesige Ortsgruppe eine öffentliche Propaganda-Versammlung ab, in der Herr R. J. Spitz eine Rede über Zionismus, Itoism.us und die Balkankrise hielt. Groningen. Am Sonntag, dem 20. April, sprach in einer öffentlichen Propaganda-Versammlung Herr Prof. Ornstein über „Die Balkankrise und der Zionismus". O FEUILLETON □□□□□□ Juden und Deutsche Von Dr. Hugo Herrmann. Als ich noch tätiges Mitglied eines deutsch-philologischen Seminars war, sollte einmal zur Wahrung der Standesinteressen ein Verein der Germanisten gegründet werden. Man berief eine Versammlung, diese wählte einen Ausschuß, und dieser beriet die Statuten. Jede Gruppe der Hörerschaft war in dem Ausschüsse vertreten; die Zionisten durch meine bescheidene Person. Der Berichterstatter schlug vor: der Verein führt den Namen „Verein deutscher Germanisten an der deutschen Universität zu P"; Mitglied kann jeder deutsche Germanist der Universität werden. Ich sagte: „Um jeder falschen Auffassung vorzubeugen, gebe ich Ihnen bekannt, daß die zionistische Gruppe, die zu vertreten ich die Ehre habe, sich als nicht zur deutschen Nation gehörig betrachtet. Wir fühlen uns als Angehörige des jüdischen Volkes. Wir sind weit entfernt zu verkennen, wieviel wir dem deutschen Volke schulden; unsere Erziehung, unsere Bildung, unsere Kultur, die Wissenschaft, die wir mit Ihnen gemeinsam pflegen, sind deutsch; wir fühlen dem Deutschtum gegenüber mehr als eine bloß theoretische Dankbarkeit, sondern eine ganz respektable Liebe; wir fühlen aber, daß über diese Liebe hinaus, die ausschließlich zu pflegen bequemer wäre, ein Volkstum auf uns Anspruch erhebt, das unser Volkstum ist, und wir sind entschlossen, diesen Anspruch zu befriedigen. Wenn sie diese meine Erklärungen zur Kenntnis nehmen, sind meine Freunde bereit, an dem zu gründenden Verein als gute und eifrige Mitglieder teilzunehmen." Alle Mitglieder des Ausschusses, radikal-antisemitische, liberale und klerikale Deutsche, waren dafür, meine Erklärung mit Befriedigung zur Kenntnis zu nehmen; nur einer nicht: der einzige Jude, der außer mir da war. Er sprach in unnötig gereiztem Tone: „Kommilitonen! Ich kann die Erklärungen der.Herren Zionisten nicht zur Kenntnis nehmen. Wir sind Deutsche und wollen Deutsche bleiben, voll und ganz! Der Sprache, der Kultur und der Nation nach! Ich beantrage, in den § 1 der Statuten zu setzen: Mitglied kann jeder Germanist der Universität werden, der den Handschlag auf treu-deutsche Gesinnung leistet!" Die Deutschen waren verwirrt, sie konnten die Forderung nach „treu-deutscher" Gesinnung nicht gut ablehnen, ohne ihre eigene verdächtig zu machen. Andererseits empfanden sie den Streit zwischen meinem Glaubensgenossen und mir als etwas, was sie nichts anging, da er, wie einer sagte, keinen für sie erheblichen Unterschied zwischen uns beiden zeige. Sie wollten uns beide in den Verein haben. Ich sagte: „»Treu-deutsche Gesinnung« ist ein sehr vieldeutiges Wort. In so manchem Sinne wäre ich bereit, sogleich den geforderten Handschlag zu leisten. Der Herr Antragsteller möge die Freundlichkeit haben, zu sagen, was er unter »treu-deutscher Gesinnung« versteht." Mein Glaubensgenosse sagte: „Treu-deutsche Gesinnung hat jeder, der mit dem deutschen Volke durch Dick und Dünn geht." Ich erwiderte: „Das deutsche Volk ist sehr groß und zahlreich. Es geht viele Wege, gerade und krumme, gute und böse. Jeder Deutsche hat das Recht zu wählen, welchem von all den Wegen er folgen will. Vielleicht hat der Herr Antragsteller noch die Freundlichkeit, mir zu sagen, durch welches Dick und durch welches Dünn einer mit dem deutschen Volke gehen muß, um treudeutsche Gesinnung zu haben?" Ich weiß nicht mehr, was mein Glaubensgenosse antwortete. Ich weiß nur, daß der Verein nicht gegründet, uns Zionisten aber von da an im deutschen Seminar mit großer Hochachtung und Freundschaftlichkeit begegnet wurde. Ich bin ein Deutscher. Meine Heimat ist ein schönes Land mit sanften Hügeln, gelben Feldern und dunkeln Nadelwäldern. Meine Jugend lebte unter Tannen und Fichten, mit den Gestalten des Märchens und der Sage, mit Dornröschen, Schneewittchen und dem Froschkönig, mit Siegfried, Gudrun und Hildebrand. Die Meister meines Lebens und meines Tuns sind die Großen des deutschen Volkes, Goethe, Schiller, Keller, Meyer, Spitteier. Meine höchste Wonne ist es, in dem schimmernden Schatze der deutschen Sprache zu wühlen, meine reinste Freude, den Tönen der deutschen Meister zu lauschen, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert. Ich umfasse mit festen Armen meiner Seele, mit Herz und Geist, meine liebe Heimat und dieses große deutsche Wesen, dem ich mich verbunden fühle. Es kam in meinen frühen Jahren eine Zeit, da mir von meinen Gespielen klärlich bedeutet wurde: „Wir

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