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Die Welt · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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566 Nr. 18 DIE^ELT ist? Der Einfluß, den die Alliance Israelite auf die türkischen Juden hat, dürfte die Antwort geben: Durch Aufstellung eines einheitlichen Erziehungssystems für die maßgebenden Schichten der türkischen Juden. Daß wir bei der Schaffung eines Netzes höherer Schulen in den großen Städten, die dort wie überall den Sitz unseres Volkes bilden, in erster Linie an Jerusalem denken, hat wohl Gründe genug. Dort lebt eine Bevölkerung von 50 000 Juden. Von allen Bedürfnissen dieser sozial und wirtschaftlich ziemlich differenzierten Gemeinschaft wird das Bildungsbedürfnis am schlechtesten befriedigt. Wie wäre es sonst möglich, daß Hunderte jüdischer Kinder Missionsschulen besuchen, und daß zahlreiche Eltern beträchtliche Ausgaben für Privatunterricht machen? Eine so zahlreiche Bevölkerung muß eben so und so viel Personen aufbringen, die den lokalen Bedarf an Aerzten, Rechtsanwälten usw. decken. Sonst muß der Import aushelfen, was vom Standpunkt der Konsolidierung dieser Gemeinschaft keineswegs wünschenswert ist. Jerusalem ist die Wiege und das Zentrum des Hebräischen als Umgangssprache. Durch Schaffung einer höheren hebräischen Schule wird dem Hebraismus eine gewaltige Stütze gegeben. Unterlassen wir es, einen solchen Mittelpunkt der hebräischen Kultur zu schaffen — wer bürgt uns dafür, daß andere jüdische Organisationen, von einer günstigen politischen Konjunktur getragen, nicht ihrerseits eine höhere Anstalt ins Leben rufen? Das Jerusalemer Gymnasium kann zu einem neuen starken Band zwischen Palästina und der Diaspora werden. Schon in der Jaffaer Schule werden gegen 300 auswärtige Kinder unterrichtet. Welche Anziehungskraft würde aber erst der Zaubername Jerusalem ausüben! In der Bekämpfung des Missionsunwesens wird die Schule sicherlich Hervorragendes leisten. Sind doch allein in diesem Jahr etwa 10 Kinder aus christlichen Schulen zum Gymnasium übergegangen. Diese Zahl wäre noch erheblich größer, wenn viele Eltern nicht Bedenken trügen, ihre Kinder einer Schule anzuvertrauen, deren Bestand finanziell so wenig gesichert ist. Bei der wirtschaftlichen Sanierung Jerusalems wird die „Schulindustrie", wie sie ein guter Palästinenser genannt hat, eine bedeutende Rolle spielen. Wenn schon Unterstützungen von auswärts nötig sind, so ist es besser, sie werden Institutionen und nicht Einzelpersonen zuteil. Daß die wirtschaftlichen Vorteile letzten Endes der ganzen Bevölkerung zugute kommen, liegt auf der Hand. Man hat berechnet, daß der Stadt Jaffa durch das Gymnasium, das, wie oben erwähnt, einige Hundert auswärtige Schüler zählt, bis zu einer halben Million Francs im Jahr zugeführt wird. Unsere jüdischen Stadtgemeinden bedürfen dringend neuer Stadtteile. Das Städtchen Tel-Awiw, das sich um das Jaffaer Gymnasium lagert, sowie die Entstehung des Judenviertels beim Technikum in Haifa beweisen, daß die Schaffung eigener Wohngelegenheiten durch nichts solchen Impuls erfährt, als durch das Vorhandensein eines dominierenden Mittelpunktes. Hoffen wir, daß inmitten der Jerusalemer Judenstadt sich einst die große jüdische Universität erheben wird, aber schon der Gymnasialbau wird dem Stadtteil eine eigene Weihe verleihen. III. Wen diese Argumente von der Notwendigkeit des Jerusalemer Gymnasiums nicht überzeugt haben, der mag sich vor der Logik der Tatsachen beugen, — der Tatsache nämlich, daß die Anstalt schon gegründet ist. Die Ge-! schichte des Jerusalemer Gymnasiums ist von der der j'Jäfjtaer Schwesteranstalt verschieden. Das Jaffaer Gymauf die Weise entstanden, daß ein kühner Mann den runden Tisch, an dem er einige Schüler unterfririfctefce^lGjimnasium nannte. Sein Schöpfersinn sah den ganzen fertigen Plan. Es fehlte nur die Ausführung, und die hat er rasch vollbracht. Daß diese Schule in Jaffa statt in Jerusalem begründet wurde, war Zufall, vielleicht war es sogar eine Schuld. Wie anders stünde unsere Metropole heute da, wenn neben dem Bezalel ein hoffnungsreiches Gymnasium dem dortigen Chaos Mittelpunkt und Sinn gäbe! Das Jerusalemer Gymnasium verdankt hingegen seine Entstehung der Initiative einiger Eltern, die sich vereinigten, um ihre Kinder nach dem Jaffaer Lehrplan unterrichten zu lassen. So groß war dort die Schulnot, daß einige der Eltern vor den größten Opfern nicht zurückscheuten. So wurden für ein junges Mädchen jährlich 1200 Francs Schulgeld gezahlt, und dies bedeutete für den Vater noch eine Ersparnis, da er auf diese Weise der Notwendigkeit entging, seine Tochter nach Europa zu schicken. Als dieser Kursus sich so weit entwickelt hatte, daß der regelrechte Schulbetrieb ohne stramme Leitung nicht mehr durchgeführt werden konnte, wurde der Schöpfer des Jaffaer Gymnasiums, Herr Dr. Metmann- Kogan zu Rate gezogen. Es gelang ihm, für die Schule den durch seine Tätigkeit im galizischen hebräischen Schulverein rühmlichst bekannten Schriftsteller Salomon Schiller zu gewinnen. Schiller steht nun seit 3 Jahren an der Spitze der Anstalt und hat es verstanden, von einem Stab tüchtiger hingebungsvoller Mitarbeiter umgeben, sie auf ein achtbares Niveau zu heben. Heute zählt die Anstalt fast 100 Schüler, Knaben und Mädchen, fast alle in Jerusalem geboren, die sich auf fünf Klassen verteilen. Das Lehrerkollegium besteht aus zehn Herren und einer Dame. Diese elf Personen, von denen vier „voll besoldete" Hauptlehrer sind (100 Frs. jährlich für eine Wochenstunde!) erteilen zusammen 217 Wochenstunden. Die Zahl der Unterrichtsstunden, die auf einen Lehrer entfallen, schwankt zwischen 2 Stunden für türkisch und 34 Stunden für Naturwissenschaften. Vorläufig werden folgende Fächer unterrichtet: Hebräisch, Französisch, Arabisch, Türkisch, Bibel und Talmud, Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Physik, Chemie, Mathematik, Zeichnen, Turnen und Gesang. Vorgesehen ist die Einführung des Lateinischen (Pensum des Realgymnasiums), sowie als Wahlfach des Deutschen. Das Verhältnis zwischen den Lehrern und den Zöglingen ist, wie der Verfasser aus eigener Anschauung weiß, ein gutes. Von der Feindschaft, die in Europa gewöhnlich beide Teile trennt, ist dort keine Rede. Die Schüler wissen sich, ebenso wie in Jaffa, eins mit ihren Lehrern in der Lösung einer großen Aufgabe, die einmal der Ruhm der heutigen Generation sein wird, IV. Nun muß ich Atem holen, ich komme zum Budget der Schule. Aber kann man eigentlich von einem „Budget" sprechen, dessen sicherster Posten ein Defizit in Höhe von einem Drittel des Bedarfs ist? Hat eine Anstalt ein Budget, die nicht weiß, ob sie im nächsten Monat die Lehrergehälter wird auszahlen können? Wie die beiden Schwesteranstalten es bisher verstanden haben, ihren Bedarf aufzubringen, ist eine Rechtfertigung der Lehre, daß bei öffentlichen Körperschaften die Einnahmen sich nach den Ausgaben richten müssen. — Wie gedenkt man nun im nächsten Jahr den Bedarf von 22 000 Frs. zu decken, von denen die Lehrergehälter ca. 16 000 beanspruchen? Gegen 6000 Frs. werden die Schulgelder bringen, ca. 4000 Frs. betragen die Zinsen des Baufonds, den Dr. Zippers unermüdliche Sammelarbeit aufgebracht hat, gegen 4000 gibt das Odessaer Komitee und 2500 endlich erwartet man von Jacob Mosers Munifizenz, der auch das Gebäude der Jaffaer Schule zu verdanken ist. Bleibt ein Defizit von 7000—8000 Frs. Soll die Anstalt ihren Betrieb aufrecht erhalten können, so ist eine systematische Hilfsaktion nötig. Einige Freunde der

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