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Die Welt · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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560 Nr. 18 DIE^ELT „Zu dem Artikel „Antisemitismus im Bankgewerbe“ gestatten wir uns nur kurz auszuführen, daß wir bei unserem Institut selbstredend bei allen Niederlassungen bei der Anstellung der Beamten uns durchaus nicht von konfessionellen Gesichtspunkten leiten lassen. Wir brauchen nur auf unsere Berliner Stelle hinzuweisen, bei der seit Eröffnung derselben eine Reihe jüdischer Beamter in den verschiedensten Stellungen sich befindet. Wir verhalten uns aber auch in Köln und den anderen Niederlassungen Bewerbern israelitischen Bekenntnisses gegenüber nicht ablehnend, sondern lassen nur die Qualifikation entscheiden.“ Hierzu bemerkt die „Frankfurter Zeitung“ folgendes: „Dieses Schreiben widerlegt zunächst eine Behauptung, die gar nicht aufgestellt wurde. Es wurde nämlich gar nicht gesagt, die Berliner Niederlassung des Instituts schließe Juden aus. Daß die Berliner Großbanken sich in der Hauptstadt von antisemitischen Tendenzen fernhalten, ist bekannt. Aber in der „Provinz“ ist der genius loci manchmal ganz anders. Behauptet wurde nur, daß in Köln und Bonn keine Juden angestellt werden. Diese Tatsache bestreitet die Direktion nicht. Sie leugnet nur das Vorhandensein eines Prinzips nach dem vom preußischen Kriegsministerium mustergültig entworfenen Schema: „Wir haben nichts gegen Juden, vorausgesetzt, daß sie sich qualifizieren; es hat sich leider bisher kein einziger Brauchbarer gefunden.“ (Gerade für das Bankwesen übrigens außerordentlich einleuchtend.) Diese Ausrede ist fast immer brauchbar — nur nicht im Falle Schaaffhausen. Denn wie es das Pech will, hat ja nach den hier wiedergegebenen und in obigem Schreiben nicht bestrittenen Mitteilungen des „Plutus“ die Direktion unvorsichtigerweise in einem Spezialfall die Nichtanstellung eines Juden mit dem Antisemitismus ihres Personals ausdrücklich motiviert. Wenn nun die Kölner Herren trotz dieser Aeußerung und trotz der Tatsache, daß sie keine Juden anstellen, versichern, sie ließen sich bei der Anstellung nicht von konfessionellen Gesichtspunkten leiten, so bliebe nur noch die Möglichkeit, daß ihr Antisemitismus eben rassenmäßigen Motiven entspringt. Aber auch diese Annahme trifft nicht zu; denn die Zusammensetzung der Verwaltung zeigt, daß man gegen getaufte Juden nichts einzuwenden hat.“ Jüdische Handlanger der polnischen Boykotthetzer (Von unserem Berichterstatter.) Petersburg. Der wirtschaftliche Vernichtungskampf, der zurzeit gegen die jüdische Bevölkerung Polens geführt wird, nimmt immer ernstere, rücksichtslosere und bedrohlichere Formen an. Während die jüdische Presse sich mit den Boykotthetzen! auseinandersetzt, ihre Anschuldigung zu entkräften sucht und unverdrossen den Nachweis führt, daß der Boykott ein zweischneidiges Schwert sei, das beiden Seiten in gleicher Weise gefährlich werden könnte, gehen die polnischen Journalisten und Agitatoren ganz anders vor. Sie lassen die Theorie ebenso wie die schönen Grundsätze von Recht und Menschlichkeit auf sich beruhen und beschäftigen sich ausschließlich mit praktischen Dingen: mit der Gründung und Ausgestaltung von antisemitischen Kooperativgenossenschaften und Konsumvereinen, mit Anleitungen und Belehrungen auf dem Gebiete der praktischen Boykottarbeit und dergl. Und so werden denn die polnischen Juden allmählich von sämtlichen wirtschaftlichen Positionen verdrängt und jeder Tag schlägt ihnen neue Wunden und vernichtet zahlreiche Existenzen. Unsere Journalisten schreiben von wirtschaftlicher Selbstwehr und unsere Einflußreichen, unsere Geld- und Industriemagnaten tun nichts, um ihren bedrängten Volksgenossen den schweren Kampf ums Dasein zu erleichtern, ja sie rühren keinen Finger, um in ihrer engeren Einflußsphäre dem wüsten Treiben Einhalt zu tun. Damit nicht genug, stellen sogar zahlreiche jüdische Fabriken und Industriewerke gleichsam Hauptquartiere der Boykotthetze dar. Viele „angesehene Glaubensgenossen“, vornehmlich österreichische und deutsche Staatsbürger, haben das traurige Verdienst, dem judenfeindlichen Treiben ihrer christlichen Arbeiter und Angestellten Vorschub zu leisten. Hier einige charakteristische Fälle, die der Berichterstatter der „Hazefirah“ anführt. In der Industriestadt Sosnowitz erscheint eine von Juden gegründete und unterhaltene polnische Zeitung „Iskra“, die heute zu den wüstesten Boykottblättem zählt. Das Blatt wird zurzeit von einem Juden redigiert und von der dortigen, von Juden gegründeten „Gesellschaft für gegenseitigen Kredit“ tatkräftig unterstützt. Diese Gesellschaft dient überhaupt als Zentrum und Sammelpunkt für alle Boykottsbestrebungen des gesamter Rayons. Die Kohlengruben „Flora“ in Dombrowo sind das Eigentum der Wiener Länderbank, deren Hauptaktionär Baron G u t m a n n ist. Die Verwaltung dieser Kohlengruben hetzt und verfolgt die Juden mehr als alle anderen Bergwerke des Bezirks. Früher arbeiteten hier jüdische Fachleute, die jetzt fort mußten. An ihre Stelle wurden Christen aus Warschau berufen. Diesen fehlt noch die Uebung und die Fachkenntnis der verdrängten Juden, allein man nimmt es nicht so genau mit ihnen und bringt um der guten Sache willen gerne das Opfer. Auch die jüdischen Lieferanten wurden durch christliche ersetzt. Man zahlt höhere Preise als früher, nur um eine Anzahl von Juden ums Brot zu bringen. Die Direktion hat auch einen Konsumladen für die Arbeiter eröffnet, und widerspenstige Arbeiter, die ihren Bedarf bei Juden kaufen, werden rücksichtslos verfolgt und verdrängt. In Sawerze gibt es vier große jüdische Fabriken. Die Eigentümer derselben sind angesehene jüdische Männer im Auslande, tätige Mitglieder großer jüdischer Organisationen, die die Verbesserung der Lage der Juden in den verschiedenen Ländern bezwecken. In einer dieser Fabriken, in der des Herrn Dr. Ginsberg in Berlin, gibt es noch jüdische Angestellte und jüdische Arbeiterinnen, die anderen drei sind judenreine Nester der Boykottpropaganda. Der an der Fabrik des Wiener Juden Reich angestellte Arzt ist ein eifriger Boykotthetzer, der sich als Agitationsredner und praktischer Instruktor auf dem Gebiete des Boykotts um die „Bewegung“ große Verdienste erworben hat. Tatkräftige Förderung und Unterstützung findet die Bewegung auch in der Verwaltung der Huldschinskyschen Fabrik. Die dem Breslauer Juden Pringsheim gehörende Fabrik „Poremba“ beschäftigt keinen einzigen Juden; das gesamte Personal besteht aus verbissenen Judenfeinden. Der schlimmste Herd der Boykotthetze ist indes die Ginsbergsche Fabrik. Die Verwaltung derselben treibt eine unerhörte Agitation nicht bloß unter den sechstausend Arbeitern der Fabrik, sondern auch unter der gesamten christlichen Bevölkerung der Umgegend. Die Sitzungen und Versammlungen der „Boykottisten“ finden in den Räumen des „Volkshauses“ dieser Fabrik statt. Wissen auch all die Gutmann, Ginsberg und ihresgleichen, die in „Alliance“, „Aiko“ und dergleichen für ihre „unterdrückten Glaubensbrüder“ etwas tun wollen, wieviel Unheil sie selbst über diese Brüder bringen, indem ihre Kapitalien und ihre Industrieanlagen dazu benutzt werden, die Pest der polnischen Aushungerungspolitik möglichst zu verbreiten? Die Judenfrage im Staatsrate Unser Oberhaus hatte dieser Tage Gelegenheit, seine hohe Staatsweisheit zu bekunden. Wie üblich, reifte diese Weisheit auf dem dankbaren Boden der Judenfrage. Der Staatsrat hatte nämlich über eine Vorlage betreffend die städtische Selbstverwaltung zu beraten. Die Duma hatte diesbezüglich einschneidende Rechtseinschränkungen für die Juden beschlossen. Diese Einschränkungen genügten indes unserem Staatsrate nicht. Die Herren verlangten nicht mehr und nicht weniger, als daß die Juden überhaupt von der städtischen Selbstverwal-

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