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Die Welt · 1913-04-25 · 17 (25.4.1913) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
17 (25.4.1913)
Date
1913-04-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 533 PIE^ELT Daß alle drei Aufgaben unter den früher erwähnten technischen Schwierigkeiten, überhaupt dem losen Gefüge der Federation, auch unter der weiten Entfernung von der Zentralleitung leiden müssen, ist klar, doch ist — im Hinblick auf die Gründe dieser Erscheinung — im Augenblick wenig Hoffnung auf einen mehr organischen Aufbau der amerikanischen Körperschaft. Auf die ungeheuren prinzipiellen Widerstände gegen den Zionismus näher einzugehen, kann ich mir nach den Ausführungen im ersten Teil meiner Arbeit ersparen; nur kurz seien sie hier nochmals genannt: Zuerst ist da das streng orthodoxe orientalische Judentum, das die Befreiung des jüdischen Volkes nur von einem persönlichen Messias erwartet, und ihr Widerpart, eine ins Bodenlose gehende jüdische Reform, die jeden Gedanken an eine Rückkehr nach Palästina verwirft. Diese Gegensätze auf einer mittleren Linie zu vereinigen, wäre eine dankenswerte Aufgabe für einen zionistischen Theologen. Der dritte ausgesprochene Feind des Zionismus ist ein bis ins Uebermaß getriebener amerikanischer Patriotismus, der durchaus den Untergang des jüdischen Volkes im amerikanischen durchsetzen will. Zu diesen überall bekannten Feinden gesellen sich nun noch die typisch amerikanischen: vor allem das rasende amerikanische Lebenstempo, das völlige Aufgehen in der Sorge für das Heute, das ein Vertiefen in fernerliegende Ziele verhindert. Der amerikanische Jude hat einfach keine Zeit für zionistische Versammlungen und Arbeit, denn der furchtbare Wirtschaftskampf, in den er sofort beim Betreten des neuen Landes (teils aus wirklicher Not, teils aus geschäftlichem Ehrgeiz) hineingezogen wird, absorbiert alle seine Kräfte. Als gewichtiger Gegner des Zionismus erweist sich auch der wieder und wieder gehörte Einwand: „Wie können wir für die Juden außerhalb Amerikas arbeiten, wo hier Tausende vor unseren Augen in Armut, Elend und Unwissenheit zugrunde gehen?" — ein Einwand, dem man häufig machtlos gegenübersteht, den man überhaupt nur bei denen widerlegen kann, die es lernen, über die Gegenwart hinaus in die Zukunft der jüdisch-amerikanischen Massen zu schauen. Alle diese Dinge erschweren die Propaganda in Amerika unendlich, nicht allein äußerlich, sondern auch in ihrem Kern. Denn ebensowenig wie ein Hinweis auf die Not der osteuropäischen Ghetti bei denen Wirkung haben kann, die ihr glücklich entronnen zu sein glauben, oder denen, die täglich das Elend jüdischer Familien vor sich sehen, die in ihren eigenen Straßen Gestalten von so erschütternder Tragik erblicken, wie nur je eine russische Judengasse sie beherbergt hat, ebenso erweist es sich meistens als vergebliche Mühe, auf die intellektuelle Judennot hinzuweisen, ln einem Lande, wo es eine gefestigte Kultur noch nicht gibt, wo Bildung, Kunst und Wissenschaft noch keinen nationalen Charakter haben, wo noch jede Volksart und Religion, fast jede menschliche Individualität neben der anderen bestehen kann, da sind die Seelen für das Verständnis dieser bei uns so tief erlebten Konflikte noch nicht vorbereitet. Allerdings fällt aus dem gleichen Grunde auch die Gegnerschaft derer fort, die bei uns an ihr „urdeutsches", „urenglisches" oder sonstwie fremdnationales Empfinden glauben. Als das einzige wahrhaft wirksame und stets zu wiederholende Prinzip einer zionistischen Propaganda erweist sich daher der Hinweis auf den praktischen Nutzen eines Judenlandes Palästina für die amerikanische Judenheit, ein Hinweis auf die fast unausbleiblichen Gefahren, die den Juden in Amerika bei einer Fortentwicklung der jetzigen Verhältnisse drohen und die Verheißung einer Abwendung dieser Gefahr durch die wirtschaftlichen und ideellen Konsequenzen eines jüdischen Palästina. Um eine Propaganda nach dieser Richtung hin wirksam zu machen, müssen wir natürlich den an einen rapiden wirtschaftlichen Aufschwung gewöhnten amerikanischen Juden das palästinensische Kolonisationsunternehmen als ein auch vom rein praktischen Standpunkt aus hoffnungsvolles hinstellen dürfen. Die innere Berechtigung zu derartigen Versprechungen erwächst uns hoffentlich in der allernächsten Zeit, möglicherweise sogar mit Hilfe amerikanischer Praktiker. Und das Mittel zur Entfaltung einer derartigen Propaganda in großem Maßstabe? Die jüdischen Kräfte in Amerika sind zersplittert durch äußere und innere Verschiedenheiten — um sie zu vereinigen, müssen zu erst die ärgsten Hindernisse zionistischer Propaganda- und Erziehungsarbeit überwunden werden. Das aber sind vor allem die räumlichen Riesenentfernungen und die daraus entstehende Unmöglichkeit, die arbeitswilligen zionistischen Kräfte zu sammeln und ihnen Gelegenheit zur Betätigung zu geben. Durch eine solche Betätigung aber würde nicht allein der zionistische Eifer geschürt werden, sondern man könnte die Resultate dieser Tätigkeit zugleich als praktischen Beweis für die Verdienste des Zionismus verwenden. Die Methode, mit der dieses Ziel erreicht werden kann, erweist sich als aus den amerikanischen Verhältnissen geboren und von den Propaganda-Methoden aller anderen Länder abweichend. An einer früheren Stelle meines Aufsatzes habe ich auf die Arbeit der amerikanischen und — beginnenden — jüdischen „Settlements" hingewiesen, jener kleinen Republiken sozial Arbeitender, die sich in den einzelnen Stadtgegenden auftun, alle Zweige sozialer Tätigkeit an sich ziehen und — von einer herrschenden Idee inspiriert — die verschiedenartigsten Elemente zur Kooperation für das physische und moralische Wohl sowie für die geistige Höherbildung der Nachbarschaft vereinigen. Weshalb sollte es nicht möglich sein, die viel zu vielen trennenden und hindernden Mächte in unserem besonderen Aus der Kunstgewerbeschule Bezalel Einbanddecke zur Hagadah, in Silber getrieben. Entworfen und ausgeführt von R a w i c k i

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