Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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530 Nr. 17 DIE^ELT griechischen Juden, der sich im Kriege bewährt habe, und erklärte, der Zionismus sei eine durchaus berechtigte Bewegung und ganz natürlich für ein Volk, das seine Heimat und seine Geschichte nicht vergißt. Man sieht hieraus, daß die Gesinnungslosigkeit sich nicht auf das eine oder andere Land beschränkt, und daß es überall Leute gibt, die so denken und handeln, wie in Deutschland der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der polnisch -ruthenische Waffenstillstand und die Juden Von Dr. Max Rosenfeld, Lemberg. Die Ereignisse der letzten Monate, die gewaltigen Geschehnisse im nahen Osten hart an der Grenze des Habsburger Reiches, haben die maßgebenden Regierungskreise von der Wichtigkeit einer friedlichen Lösung des langjährigen Völkerkrieges zwischen den zwei slawischen Nationen Galiziens, den Polen und den Ruthenen, überzeugt. Es ist dies keine innerösterreichische Frage mehr, sondern eine Frage, die unter dem Gesichtspunkt der Erhaltung der Monarchie und Abwehr der panslawistischen Expansion betrachtet werden muß. Die wichtige Mission der Pazifizierung des Landes ist dem polnischen Statthalter Galiziens, Dr. Michael Bobrzynski, zugefallen, einem Mann von eiserner Konsequenz und ungebrochener Tatkraft, der alle Widerstände beseitigt, die seinem Plane im Wege stehen. Heute ist sein Werk so weit gediehen, daß die polnischen Parteien, die den Regierungskarren des Statthalters ziehen, mit den Ruthenen ein Kompromiß in der Frage der Aenderung der veralteten Landtagsordnung und des Landesstatuts abgeschlossen haben. Die Prinzipien, auf welche man sich geeinigt hat, sind für die Ruthenen äußerst günstig: sie erhalten 27,2 o/0 aller Mandate und (was bei weitem wichtiger ist), diese Mandate sind für sie durch die Zusammenfassung der ruthenischen Wählerschaft in einem besonderen Wahlkataster nach dem Muster Mährens und der Bukowina ein sicherer Besitz. Die Ruthenen sind frei von Beeinflussung seitens ihrer polnischen oder jüdischen Nachbarn, sie sind die Herren im eigenen Hause. Für die Juden hat kein Mensch gesorgt; sie erhalten auch als Juden gar nichts. Sie existieren überhaupt in dem Wahlreformprojekt nicht als Juden, sondern immer noch als kryptonyme Masse und man muß erst die Statistik zu Hilfe nehmen, um sie in den vorgeschlagenen Wahlkreisen zu „entdecken". Denn die jüdischen Wähler werden mit den polnischen zusammengeworfen, wobei in Westgalizien ihre Zahl überhaupt nicht angegeben wird, in Ostgalizien nur in den Städten, die eine jüdische Majorität (nach Ausscheidung der ruthenischen Wähler) aufweisen. Das Resultat ist folgendes: Die Juden Westgaliziens (der Städte in der Zensuskurie und der allgemeinen Wählerkurie) bleiben tatsächlich bei der vorgeschlagenen Wahlkreiseinteilung ohne Vertretung im Landtage, die ostgalizischen Juden haben in 4 Städten, denen je zwei Mandate in der sog. Zensuskurie zugedacht wurden (Stanislau, Tarnopol, Drohobycz, Przemysl) Aussichten, ihre Vertreter zu entsenden. Ferner besitzen sie Chancen in Brody; bei besonders gelungener Taktik können ihnen 2 Mandate zufallen. Bleiben noch 3 Handelskammermandate (von fünf!), welche den Vertretern der assimilatorischen Geldsäcke gehören werden — und wir haben die gesamte Repräsentanz der jüdischen Bevölkerung, die 11 «o der Gesamtbevölkerung des Landes ausmacht. Allein auch diese dürftige Vertretung wird dem Zufalle überlassen, eine Sicherung der jüdischen Mandate wie die der ruthenischen gibt es nicht, denn die Juden gelten als Polen. Die fünf Juden im galizischen Landtag unter Führung des Drohobyczer Helden Dr. Nathan Opoka Loew enstein haben sich ganz offensichtlich zur Aufgabe gestellt, den vorhandenen sowie den möglichen Einfluß der Juden auf die Dauer zu unterbinden. Dies erhellt schon aus der Tatsache, daß der „Abgeordnete" von Drohobycz und die Seinen nicht nur keinen Schritt unternommen haben, um der jüdischen Bevölkerung eine ihr gebührende Vertretung zu sichern, sondern direkt erklärt haben, sie seien überhaupt gegen eine jüdische Vertretung im Landtage, denn alle Juden seien polnischer Nationalität, die Schaffung speziell jüdischer Mandate, oder die Sicherung der Mandate durch Einführung des Proportionalwahlrechtes sei ein Unglück, denn dadurch würde ein „Wahlghetto" geschaffen und ein konfessioneller (!) Kampf zwischen Juden und Christen würde entfesselt. Als die Einführung des Proporzes seitens der antisemitischen national-demokratischen Partei beantragt wurde, wies der Schönredner der Drohobyczer Wähler dieses Wahlrecht, welches das für die Juden allein günstige ist, mit Emphase als „Danaergeschenk" zurück. Denn den Proporz bekämpft eigentlich nicht Dr. v. Loewenstein, sondern sein politischer Herr, der Statthalter von Galizien, der Gegner der Nationaldemokraten, und wenn der Gewaltige es nicht will, wollen es auch seine Getreuen nicht. Tatsächlich ist es dem Statthalter gelungen, fast alle Parteien für das neue Wahlrecht zu gewinnen; in der Opposition sind die Nationaldemokraten und — die Juden. Am traurigsten in der ganzen Angelegenheit ist die Rolle der sog. Judenführer. Die Tätigkeit dieser Sorte von Assimilanten ist bereits des öfteren geschildert worden; sie scheuten kein Mittel, eine radikalere Strömung unter den Juden zu ersticken. Vor sieben Jahren denunzierte weiland Dr. Byk die zionistischen Vereine bei der Behörde, die darauf mit Sperrung von Vereinen und Konfiskation des Vereinsvermögens antwortete. Der Zynismus der heutigen Hausjuden muß im Westen unglaublich erscheinen, doch ist Tatsache, was wir Vorbringen. Die „Vertreter“ der Juden im Landtag stehen nämlich auf dem Standpunkt, daß die proportionale Wahl in den Städten, denen 2 Mandate zugestanden werden sollen, für die Juden günstig sei — doch nicht für das polnische Nationalinteresse. So konnte Loewensteins Trabant, Herr Sare aus Krakau, auf der Vollversammlung der polnischen Reichsrats- und Landtagsabgeordneten im Brustton erklären, man brauche die Juden nicht zu fürchten, sie hätten in den Städten keine so große Majorität, daß sie dieselbe zu ungunsten der christlichen Bevölkerung ausnützen könnten; doch stelle er (Sare) zusammen mit Dr. von Loewenstein den Antrag, daß, wenn die Zahl der jüdischen Wähler in den Städten derart wachsen sollte, daß sie die Majorität der Wählerschaft bilden könnten, der Landtag befugt sein solle, mit einfacher Majorität die Wahlordnung so zu ändern, daß die Gefahr der M a j o r i s i er u n g der christlichen Bevölkerung ausgeschlossen erscheine. Man muß Fischblut haben, um da noch weiter Ruhe zu bewahren; es ist klar, daß kein polnischer oder ruthenischer Abgeordneter den Mut finden würde, eine ähnliche Erklärung abzugeben. Der Zorn seiner Volksgenossen würde ihm eine gefährliche Lektion geben. Nur wo es sich um die galizischen Juden handelt, ist so etwas möglich. Soweit sind wir mit unseren israelitischen Vertretern gekommen! Der „Friede“ zwischen Polen und Ruthenen ist gesichert, er hat auf dem Schlachtfelde viele Gefallene zurückgelassen, und wenn er perfekt wird, wird man sehen, daß die Leichen, die zu bergen sein werden, lauter Juden sind. —