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Die Welt · 1913-04-25 · 17 (25.4.1913) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
17 (25.4.1913)
Date
1913-04-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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528 DIESqKELT „Universität München. Immatrikulation von Studierenden aus Rußland und aus den Balkanstaaten. Für die an der hiesigen Universität studierenden russischen Staatsangehörigen wurde von der bayerischen Regierung im Frühjahr 1911 eine Höchstzahl festgesetzt. Diese Ziffer ist zurzeit noch weit überschritten, da aus früheren Semestern noch viele russische Studenten immatrikuliert sind; es ist auch für die nächsten Semester kein solcher Abgang zu erwarten, daß Neuaufnahmen stattfinden können. Wenn wieder Plätze frei werden, so können nur solche russische Studierende aufgenommen werden, die sich über eine ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache sowie darüber ausweisen, daß sie ein achtklassiges Knabengymnasium absolviert und schon an einer russischen Universität oder russischen technischen Hochschule studiert haben. Auch für die Studierenden aus den Balkanstaaten sind Höchstzahlen festgesetzt und können nur insoweit Aufnahmen stattfinden, als Abgänge stattfinden; Gesuche um Vormerkung auf freiwerdende Plätze können unter Beifügung der Zeugnisse an das Universitäts-Rektorat gerichtet werden." Dumadebatte über die Ausschließung der russischen Juden vom Heeresdienste Petersburg. Die Duma hat am 16. April in einer geheimen Sitzung das Rekrutenkontingent für das Jahr 1913 verabschiedet. Von den Parteien der Rechten war dabei wieder einmal die Frage der Ausschließung der Juden aus dem Heere aufs Tapet gebracht worden. Da die Berichterstattung über die Sitzung untersagt wurde, ist es vorläufig noch unbekannt, in welchem Sinne die Duma zu dieser Frage Stellung Der Ausschluß der Juden aus dem Heere ist in Rußland keine neue Frage. Die reaktionären, antisemitischen Parteien operieren mit dieser Forderung seit Jahren, um aut diese Weise die bürgerliche Entrechtung der Juden im Zarenreich zu rechtfertigen. Aus dem gleichen Grunde wehrt sich aber die jüdische Bevölkerung Rußlands, unterstützt von den fortschrittlichen Parteien, energisch gegen dieses odiose Privilegium. Die Juden, die die bürgerliche Gleichberechtigung anstreben, wollen auch alle Lasten und Pflichten aut sich nehmen. Obwohl in der Heeresleitung und in maßgebenden Regierungskreisen wenig Neigung vorhanden zu sein scheint, dem Drängen der einflußreichen antisemitischen Kreise in dieser Angelegenheit nachzugeben, ist es bei den unklaren politischen Verhältnissen, die im russischen Reich herrschen, schwer zu beurteilen, ob die Anschauungen der fortschrittlichen intelligenten Kreise durchdringen können. Vom Verlaufe der geheimen Dumasitzung ist nur soviel durchgesickert, daß die Verhandlungen über den Antrag betreffs Nichteinstellung der jüdischen Rekruten äußerst stürmisch und erregt waren. Die Zahl der Juden in Kanada Montreal. Gemäß der letzten kanadischen Volkszählung vom Jahre 1911 beträgt die Zahl der in Kanada lebenden Juden 74 564 bei einer Gesamtbevölkerung von 7 206643. Im Jahre 1901 belief sich die Zahl der Juden in Kanada nur aut 16 401, das bedeutet also eine Zunahme von 58 163 Seelen während der letzten zehn Jahre. Beinahe die Hälfte der jüdischen Bevölkerung entfällt auf die Provinz Quebec, nämlich 30 268 Seelen. Nr. 17 Die Vorgänge im Wiener Kultusvorstande (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Wie wir berichteten, hat der Vorstand der Kultusgemeinde den Beschluß gefaßt, die Pläne für das zu erbauende Kinderspital im Wege des freien Wettbewerbes zu beschaffen. Die auch von der Tagespresse gebrachte Nachricht, Herr Präsident Dr. Stern habe wegen dieses Beschlusses sein Amt niedergelegt, wurde bis jetzt nicht dementiert. In dieser Angelegenheit sei noch folgendes festgestellt: Die zionistischen Kultusvorsteher, die in Befolgung ihres Programmes mit aller Energie für die freie Konkurrenz eintraten, um der bisherigen Protektions- und Vetternwirtschaft ein Ende zu machen und allen jüdischen Interessenten die Möglichkeit zu geben, sich bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen der jüdischen Großgemeinde Wien zu beteiligen, hatten für die gerechte Sache die Majorität des Plenums gewonnen und den Antrag des Vertreterkollegiums (das heißt, den Wunsch des Präsidenten Dr. Stern) nur einige vom Vertreterkollegium zu nominierende Architekten heranzuziehen, zu Falle gebracht. Vor der entscheidenden Abstimmung erklärte Herr Dr. Stern die Annahme des offiziösen Antrages für eine Kabinettsfrage, legte, als der oppositionelle Antrag Gärtner akzeptiert war, das Präsidium nieder und verließ den Saal mit der Erklärung, er könne den gefaßten Beschluß nicht durchführen. Ohne Zweifel hat Herr Dr. Stern auch formell seine Demission überreicht, denn er erscheint nicht bei den Sitzungen, die vom Vizepräsidenten einberufen und geleitet werden. Gleichwohl scheint Herr Präsident Dr. Stern unter dem Einflüsse seiner Anhänger und wohl auch unter dem Drucke der öffentlichen Meinung, die selbstverständlich der Opposition zustimmt, den unklugen Schritt zu bereuen und den Rückzug vorzubereiten. Denn in der jüngsten Plenarsitzung vom 20. April wurde die Demission vom vertretenden Vorsitzenden nicht mitgeteilt. Jedenfalls ging aus dem Verlaufe dieser Sitzung hervor, daß die Durchführung des erwähnten Beschlusses, den auszuführen Herr Dr. Stern sich weigerte, bereits in die Wege geleitet ist. Damit ist ein Präjudiz geschaffen, daß auch bei allen anderen bevorstehenden Lieferungen und Arbeiten das Prinzip des freien Wettbewerbes unter allen jüdischen Handwerkern, Gewerbetreibenden und Kaufleuten beachtet wird. Relegferung jüdischer Studenten Unter den bewußt jüdischen Studenten Wiens herrscht neuerdings große Erregung wegen des ungerechten, ja feindseligen Verhaltens des Senates der Universität gegen jüdische akademische Bürger. Der freche sogenannte „Waidhofner Beschluß" gibt bekanntlich den judenfeindlichen Kneipbrüdern das Recht, jüdische Hörer zwar zu beleidigen, ihnen aber die Genugtuung zu versagen, weil der Jude schon von Geburt „der Ehre bar" sei. Selbstverständlich züchtigt der jüdische Akademiker jeden Rowdy, welcher dermaßen seine Eltern beschimpft. Gegen diese Ehrennotwehr, von der unsere Studenten in Wahrung des Ansehens der alma mater stets außerhalb des akademischen Bodens Gebrauch machten, ist die Universitätsbehörde jahrelang nicht eingeschritten. Plötzlich — wohl unter dem Einflüsse der allgemeiner. Hetze gegen das jüdische Studententum — änderte der Senat sein Verhalten. Der antisemitische Studentenmob, der es wagt, einem ganzen Volke die Ehre abzuschneiden, hat es jetzt sehr leicht. Versetzt ihm der beleidigte Jude die gebührenden Hiebe, so zeigt er ihn an, und der Jude wird mit R e 1 e - gierung bestraft, selbst wenn er wo immer, sei es sogar außerhalb Wiens, dem Ehrabschneider an den Leib rückte.

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