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Die Welt · 1913-04-18 · 16 (18.4.1913) · page 20

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 20)
Language
German
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5Ö8 bieHxkur —- -- - - - ■ Nr. i6 nistisöhe' ^Ortsgruppe -gegründet, der sofort 23 Mitglieder bei- Lausanne. Der neugegründete akademische. Zionistenverein „Hafikwah“ feierte am -30. März unter zahlreicher Beteiligung sein Stiftungsfest.. Die bei diesem Anlasse vom Schweizerischen Zionistenverband veranstaltete Ausstellung des „Bezalel“ und des „Jüdischen Verlages“ hatte großen Erfolg. Baden. Am 5. April hielt hier Herr Sekretär Wolfsohn einen Lichtbildervortrag über die jüdische Kolonisation in Palästina. Genf, ln einer sehr zahlreich besuchten Versammlung, in der die -hiesige Nationalfonds-Kommission ihren Rechenschaftsbericht erstattete, hielt Herr Lehrer Lewanon aus Jerusalem mit Unterstützung unseres Parteisekretärs einen Palästinavortrag mit Lichtbildern. Am folgenden Tag gab der akademische Zionistenverein „Haschachar“ zu Ehren der Herren Lewanon und Wolfsohn ein Bankett. Dem Schweiz. Zionistenverband sind beigetreten:-die neugegründete Ortsgruppe Lengnau und die neue Misrachi- Gruppe in Zürich. Im letzten Vierteljahre hat somit der Landesverband einen Zuwachs von 5 Vereinen erfahren und umfaßt nunmehr 13 Vereine. Holland Amsterdam und Misrachi. Diese beiden Ortsgruppen des Niederländischen Zionistenbundes hielten am Samstag, den 29.. März, eine gemeinsame öffentliche .Propagandaversammlung ab, in der Herr Rabbiner S. Ph. de Vries und Dr. D. .Cohen sprachen. •Hoogeveen. Am Sonntag, den 30. März, hielt die hiesige Ortsgruppe eine interne Versammlung ab, in der Erl. Rosa Nathans einen Vortrag über die „Geschichte des Zionismus und Theodor Herzl“ hielt. Meppel. Herr Dr. S. Franzie Bereust ein hielt hier am 30. März eine Propagandarede in einer öffentlichen Versammlung. Haag. In einer internen Versammlung hielt Herr R. J. S p i t z am 3. April einen Vortrag über „Die Geschichte des Zionismus vor Herzl“. Assen. Am 6. April hielt Herr M. Zilvermit in einer Propagandaversammlung eine Rede über „Zionismus und Religion und ihre Zukunft in Palästina“. England London. Bei einer Konferenz, von Delegierten verschiedener Logen berichtete der Vorsitzende, Br. A. Rosenthal, daß der Grand Council die Konferenz als repräsentative zionistische Kommission des Order Sons of Jakob anerkenne. Es wurde einstimmig beschlossen, eine spezielle zionistische Arbeitskommission zu gründen. Manchester. Am 4. April veranstaltete die Junior Zionist Society einen Diskussionsabend. — Am 6. d. M. fand eine Generalversammlung des Vereins statt, an welcher infolge der Einverleibung der Boys' and Girls' Zionist Societv eine allgemeine Wahl vorgenommen wurde. Der Präsident, Mr. S. Wassilevsky, legte einen Bericht über die Arbeit des Vereins seit letztem Oktober vor, welcher zeigte, daß die Mitgliederzahl von 8 auf SO gestiegen ist. Liverpool. Am 6. April fand der letzte „At Home“ der Ladies' Zionist Association in dieser Wintersaison statt. Glasgow. In der Dorshei Zion Association hielt Mr. A. Levv aus Swansea am 6. d. M. einen Vortrag über: „Erfolge und Mißerfolge des .Zionismus“, dem eine lebhafte Diskussion folgte. Die Sammlung, für. den Jemenitenfonds ergab 160 Mark. Vereinigte Staaten, von Nordamerika Die Propaganda-Tournee des Herrn Sokolow (Vgl. auch die Berichte in Nr. 14 und 15 unseres Blattes.) Am 23. März wurde Herr S o k o'I o w in Baltimore von einer Versammlung, die das Maryland Theater bis aut den letzten Platz füllte, mit lebhaftem Enthusiasmus begrüßt. Den Vorsitz führte Dr. Harry Fried enwald. Dr. Friede n w a I d führte in seiner Eröffnungsrede aus, von welcher Bedeutung der Zionismus auch für die Juden der Vereinigten Staaten sei und schloß mit den Worten: „Wir brauchen den Zionismus ebenso, wie dieser uns braucht.“ Herr Sokolow sprach in Yiddish etwa folgendes: „Wenn es bekannt würde, daß es irgendwo in der Welt ein Volk gäbe, das. zu den, altägyptischen Zeiten lebte, das .mit den Nationen! .der Antike zur : Schule ging, mit Völkern, izu denen weder tote noch lebende Spurenzurückführen, ein Volk, das alle Phasen der Weltgeschichte durchlebte, gegen das sich alle Naturgewalten vereinigten, um es zu zerstören — wenn man sagen würde, daß dieses Volk noch lebte, so würden alle diejenigen, welche ein Interesse an archäologischen Nachforschungen haben, bis an das Ende der Welt reisen, um ein Mitglied dieses Volkes zu sehen. Und Ihr, meine Freunde, seid dieses Volk. Von allen Zeitperioden, welche dieses Volk durchlebte, ist die letzte, nämlich die, welche mit dem Jahre 1840 beginnt, eine der wichtigsten. Der jetzt lebende Historiker kann leider ihre Bedeutung nicht richtig schätzen, aber der kommende Historiker wird die Bedeutung dieser Periode einsehen. Er wird von der Unterdrückung und den Verfolgungen erzählen, welche oft härter waren, als diejenigen vergangener Zeiten. Es hat immer Zeiten der Verfolgungen in den verschiedenen Abschnitten unserer Geschichte gegeben, z. B. die Verfolgung und Vertreibung in England und noch schlimmere Vorgänge in Spanien. Aber in all diesen Perioden hatten wir kurze Zeiten von verhältnismäßigem Frieden und Ruhe, ln dem letzten Zeitabschnitt jedoch war das Golusleid beständig. Wir wurden mehr denn je von Ort zu Ort vertrieben, wir sind nicht mehr Auswanderer, wir sind zu He rum Wanderern geworden. Nur der Geschichtsschreiber einer Generation kann glauben, daß die Juden Auswanderer sind, aber ein jüdischer Historiker — und der Jude ist ein echter Historiker — kann Euch die volle Wahrheit sagen. Er kann Euch erzählen, daß sein Volk von Palästina nach Babylon wanderte, daß von dort ein Teil nach Spanien, ein anderer von dort nach Holland und wieder davon ein Teil nach England unter Crom well zog. Dasselbe Bild zeigt sich, wohin Ihr auch immer blicken möget. Von Frankreich und Spanien gingen viele unserer Brüder nach Deutschland, dann nach Polen und weiter nach Rußland; und sie würden nach Deutschland zurückgehen, wenn sie nur dürften. Aus diesem unserem Umherwandern -erwächst, sagt man uns, viel Gutes und großer Nutzen. Das mag wahr sein, aber wir müssen das Gute vom Schlechten zu unterscheiden wissen. Das 'Gute des Umherwandems ist einfach dies: Der Wanderer kommt in der Welt herum von Ort zu Ort, er sieht und hört vieles, er wird aufmerksamer und klüger. Aber dieses Wandern ist für diejenigen gut, welche eine Heimat haben, wo sie das verwerten können, was sie aut ihren Reisen lernten. Erlaubt mir. Euere Phantasie in Anspruch zu nehmen: Stellt Euch vor, Ihr hört von einem sagenhaften Lande, dessen Ausdehnung eine geringe ist, und dessen Bewohner die gesamte Erde von einem Ende zum anderen durchwandert haben. Dieses Volk hatte von den Reichtümern des Ostens gesammelt und von der Industrie des Westens gelernt, und alles Gute der Welt wurde in dieses Land gebracht. Das ist das Land, für welches wir Zionisten arbeiten. Das Volk dieses Landes würde sowohl das Gute des Wanderlebens als auch das Gute der festen Heimat genießen. Keinerlei Philosophie kann Nachweisen, daß wir keine Heimat brauchen. Ein einziger Blick auf die Geschichte zeigt uns, daß wir keine falschen Propheten sind. Hin und wieder gab es für uns Perioden der Ruhe und des Wohlbefindens, aber diese waren nur Ausnahmen, und bald begann das Umherwandern von neuem. Dort, wo wir heute nicht mehr von Land zu Land wandern, wie es viele unserer Brüder tun, da begeben wir uns auf eine andere Art von Wanderschaft: Wir wandern fort von unserem Volk hinüber zu den Gojim. Darum sollten wir wissen, warum wir so viel von unserer Kraft verloren haben. Wir haben uns selbst von einem Lande in ein anderes hinübergeschleppt und sind der Erschöpfung nahegekommen. Das, was wir brauchen, um dieses chaotische Zigeunerleben zu beschließen, ist ein Mittelpunkt, ein Zentrum. Die Phönizier der alten Zeiten waren uns gleich, da sie auch in der ganzen Welt unterwanderten; aber abweichend von uns hatten sie einen Mittelpunkt — einen kleinen Strich Landes, der nur von Tyrus bis Sidon reichte. Mit diesem kleinen Stückchen Landes ist es ihnen gelungen, der Zivilisation einen > Stempel zu verleihen, der nie zu verwischen ist. Und als sie Phönizien verließen, gründeten sie einen zweiten Mittelpunkt, Karthago, welches, wenn Rom es nicht zerstört hätte, wahrscheinlich ebensoviel zur Zivilisation beigetragen hätte, wie seinerzeit Phönizien. Wir können es selbst sehen, was wir tun könnten, wenn wir ein Zentrum hätten. Es wird uns häufig gesagt, daß wir uns dem Zionismus nicht anschließen sollen, weil wir eine Mission zu erfüllen haben. Tatsächlich, wir haben eine Mission zu erfüllen,^ aber es ist nicht die, von der" uns die „Missionsjuden“ erzählen. Es ist nicht unsere Bestimmung, in die Welt hinauszugehen und die Einheit Gottes zu predigen, und als. Märtyrer zu sterben. Unsere eigentliche Mission ist, die Leute zu lehren, wie sie sich selbst beherrschen sollen; wie sie moralisch leben sollen, indem wir selbst ein Beispiel geben in unserem

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