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Die Welt · 1913-04-18 · 16 (18.4.1913) · page 21

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Kr. 16 DIE] LT 509 eigenen Lande, unter'unseren eigenen Feigenbäumen. Die Puritaner hierzulande hatten eine Mission, und wie erfüllten sie diese? Dadurch, daß sie ihre Ideen in die Wirklichkeit umsetzten auf einem von ihnen selbst kultivierten Soden. Man sagt uns, daß die Menschen immer mehr zivilisiert werden, daß eines Tages die Menschen Brüder sein werden, und darum sollten wir uns nicht separiert halten. Wir Zionisten glauben. ebenso wie andere Menschen an die Verbrüderung der Menschen, aber wir glauben auch, daß es eine unaussprechliche Absurdität ist, all das, , wofür wir seit [ahrhunderten gekämpft haben, aufzugeben, nur weil in fernen Zeiten, „am Ende aller Tage“, eine allgemeine Verbrüderung stattfinden soll. Wir werden uns gern dieser allgemeinen Verbrüderung unterwerfen, wenn es alle anderen Nationen auch tun, aber bis dahin nicht. Ja, wir haben eine Mission /u erfüllen, und wie die Puritaner von Neu-England sollten wir Geduld haben, um sie erfüllen zu können. Bei jeder kleinsten Gelegenheit murren wir. Wir gleichen unseren Vorfahren in der Wildnis, welche am Anfang der fünf Bücher Moses geschildert werden mit den Worten: „Und sie murrten.“ Unter diesen unseren Vorfahren muß es alle Sorten und Arten von Juden gegeben haben. Es waren darunter weise Juden, welche wußten, daß sie nicht in einem Tage nach dem versprochenen Lande kommen konnten, und welche bereit waren, zu warten: da gab es indifferente Juden, welchen es gleichgültig war, ob sie nach Palästina kämen oder nicht, so lange sie nur ihr tägliches Manna hatten; es gab die klug sein wollenden Juden, welche fragten: „Ma-haawoda hasoth?“ „Wo ist Erez Jisroel?“ „Wann werden wir hinkommen?“ oder „Wenn wir hinkommen, was werde ich dort erreichen?“ Wir haben noch dieselbe Art von Menschen heute unter uns. Viele Juden, und viele erklärte Zionisten fragen: „Was ist in Palästina getan worden?“ oder „Was wird Palästina Gutes für mich tun?“ Soch eine Haltung und solch eine Gesinnung ist gefährlich. Sie ist das Zeichen der Degeneration. Wir Zionisten müssen gegen diese schädliche Psychologie kämpfen, wir müssen eine neue, gesunde Gesinnung in den Menschen er- ' wecken . Das meinen wir, wenn wir sagen, daß der Zionismus einen neuen Geist in die Juden trägt. Dann wandte sich Herr Sokolow an diejenigen amerikanischen Juden, welche mit dem Zionismus sympathisieren, aber der Organisation noch nicht angehören, und forderte, daß sie Mitglieder werden sollten. Er führte aus, daß die amerikanischen Juden an Zahl und Einfluß so groß und mächtig geworden seien, daß es gar keine Entschuldigung für die geringe Unterstützung der Bewegung gäbe, ln anderen Ländern lebten die Juden nicht unter solch günstigen Bedingungen, und doch würde dort die zionistische Bewegung kräftig unterstützt. Der Redner erzählte von seinem Aufenthalt in Rumänien, wo das Elend unserer Brüder ein unbeschreibliches sei; in Galizien lebten viel zu viele Juden im Verhältnis zur Ausdehnung und Ertragsmöglichkeit des Landes, und es herrschte die bitterste Armut; in Rußland riskieren sie sogar durch Veranstaltung einer zionistischen Versammlung, in die Verbannung nach Sibirien geschickt zu werden; und doch würde der Zionismus in diesen Ländern mit viel größerem Enthusiasmus unterstützt. Es wäre an der Zeit, daß die amerikanischen Juden, welche alle diese Kämpfe nicht zu bestehen haben, die zionistische Bewegung auch unterstützten. „Was bedeutet Palästina für das jüdische Leben und Denken? Früher hatte Palästina eine sehr seltsame Bedeutung für den Durchschnittsjuden. Er verstand darunter eine Art sagenhaften Landes. Er glaubte, es sei ein weit entfernt liegendes Stück Land, über welches viele Gräber verstreut wären, und bei diesen Gräbern weilten seltsame Juden unu beteten. Diese Vorstellung von Palästina haben wir nicht mehr. Es ist für uns jetzt ein Land, das der Reisende nicht ignorieren kann. Sein Boden ist fruchtbar und seine Erzeugnisse sind zahlreich. Ich möchte Euch fragen, was Ihr Euch früher dachtet bei dem Wort: „Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen“? Das Gesetz kam nicht von Zion. Es kam von Woloschin und Schitomir, von Berlin und Breslau. Nur Schnorrer kamen von Zion. Aber heute lernen wir tatsächlich von Zion. Unsere ibrith bübrith kommt von dort. Die Bezalel- Arbeit kommt von Zion. (An dieser Stelle bemerkte der Vortragende, daß die Nachfrage nach Arbeiten des Bezahl so groß sei, daß es bereits Imitationen davon gäbe.) Jetzt stehen wir in der Vorbereitungszeit für den Wiederaufbau von Palästina, genau so wie der Bau des Tabernakels die Vorbereitung für den Bau des Tempels war. Für den Aufbau unseres kommenden Tabernakels bitte ich Euch, den Reihen der Zionisten beizutreten. Wenn wir Zionisten um Unterstützung bitten und wir werden gefragt: „Wen vertretet Ihr, so möchten wir nicht antworten: „Es gibt soundsoviele Zionisten, aber die Mehrheit der Juden wollte nicht mit uns 'gehen.“ Wir wollen' das jüdische Volk vertreten, und zwar das ganze jüdische Volk.“ Ueber den Besuch, welchen Herr Nah um Sokolow der Stadt Boston abstattete, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: ln Chelsea wurde er von über tausend Kindern begrüßt. In der Chelsea Young Men*s Hebrew Association sprachen außer Herrn Sokolow noch Mr. Charles B. Strecker und Mr. David A. L o u r i e vor einer Versammlung von -rund tausend Personen. In dem Jewish People’s Institute haben die Kinder der religiösen Schulen einen Umzug veranstaltet. Anläßlich der Propaganda Versammlung war das Plymouth - Theater bis auf den letzten Platz besetzt. Mr. Julius M e y e r, Mitglied des Zionist Council, führte Mr. Louis D. B r a n d e i s als Vorsitzenden ein, der sich in warmen Worten als Zionist bekannte und die Zuhörer aufforderte, mit vereinten Kräften für die nationale Sache in Palästina zu arbeiten. Rabbiner H. H. R u b e n o w i t z, der Präsident des Zionist Council, und Mr. Tomorof, als Vertreter der Hebrew Teacher’s Association, hielten kurze Ansprachen. Als Herr Sokolow durch den Vorsitzenden eingeführt wurde, empfing ihn stürmischer Beifall und seine Rede hinterließ bei der Zuhörerschaft tiefen Eindruck. Als Ergebnis seines Besuches in Boston ist die Gründung einer Zionist Association zu verzeichnen, welcher sofort über hundert Mitglieder aus den bürgerlichen Kreisen der Stadt beitraten. SPRECHSAAL Budapest, 31. März 1913. Außerstande, die uns anläßlich unseres XX. Semesters zugekommenen Begrüßungen einzeln beantworten zu können, sagen wir auf diesem Wege allen Einzelpersonen und Korporationen herzlichen Dank. Klub zionist. Akademiker „Makkabea“ zu Budapest, Dt. Viktor Jordan, Präsident. Berichtigung. Herr Dr. B. Tannenwald in Hamburg schreibt* uns: „In meiner Besprechung über das Buch von Dt. Siegfried Wolff „Das Recht der israelitischen Religionsgemeinschaft des Großherzogtums Baden“ in Nr. 11 der „Welt“ findet sich ein Druckfehler, den ich zu berichtigen bitte. Der Voranschlag für die Jahre 1911—1913 beträgt nämlich nicht, wie irrtümlich angegeben, je 304 300, sondern je 93 000 M., wie auf Seite 249 des genannten Buches richtig angegeben ist. Ich bitte Sie, diesen Fehler gefl. richtig stellen zu wollen.“ Schluß des redaktionellen Teiles Das Dentalwerk P. R. Schmidt Fuchs, Berlin, auf dessen Inserat in der dieswöchentlichen Nummer wir hinweisen, hat seine Fabriks- und Verkaufsräume nach Chausseestraße 102 verlegt. Berichtigung. In dem Verzeichnis der Jahresbeiträge zugunsten des Hebräischen Gymnasiums in Jerusalem (Nr. 12 der „Welt“) muß es lauten: Zahnarzt Hugo Schachtel, Breslau.20. Zahnarzt Hugo Schachtel, Breslau.J(. 10,— Ungenannt, Breslau.I(. 10. Dt. A. E 1 i a s b e r g. Eingegangen bei der Administration der „Welt“: Für das Mikrobiologische Institut: Johann Kremenezky, Wien „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut“ Kr. 10.— JL 8.40 Für eine Universität in Jerusalem: Societe „Hachachar Geneve“, Esther Globus, Fr. S.30 JL 4.30 Für Geulath Haarez: Isak Katzner, Krakau.4.20

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