Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 LT 503 gene Lebensfähigkeit zu erhalten, sind stolz auf das, was geleistet ward und begierig, das Begonnene zu vollenden. In der Tat ist das Hebräische in Palästina zu einer lebenden Sprache geworden. Die Bewohner Tel-Awiws sowie der Kolonien und der nationalen Kreise Jerusalems sprechen im Verkehr miteinander fast ausschließlich hebräisch und der im jüdischen Dienst stehende Araber ist gezwungen, sich das Hebräische anzueignen. Es ist durchaus gewöhnlich, daß Kin- Und die neue Welt, die wir hinter der Pforte finden sollten, übertraf selbst das, was wir uns nach diesem Anfang versprochen. Heber alle Einzelheiten der Empfänge, Begrüßungen, über Aufnahme und all die Herzlichkeit, die man uns geschenkt, will ich keine Worte verlieren. , Gewaltig ist der Eindruck, den -diese Oasen auf uns machten. Wir hatten uns vielleicht gar keine Vorstellung, Die Teilnehmer an der Palästina-Wanderfahrt im Garten des Bezalel in Jerusalem. der und junge Leute, die im Lande geboren sind, kein Wort Deutsch oder Jargon mehr verstehen, dagegen fließend arabisch und französisch außer dem ihnen selbstverständlich geläufigen Hebräisch sprechen. Es ist uns oft sehr schwer gefallen, uns mit unseren Gastgebern zu verständigen und fast immer war es leichter unter Zuhilfenahme des Französischen als des Deutschen. Weil uns allen die Einsicht so plötzlich kam, welche Werte bereits geschaffen worden sind, während viele von uns dachten, das Land harre derer, die da kommen würden — weil wir zum Bewußtsein kamen, daß jene bereits eine Titanenarbeit geleistet, während wir selbst nur einer traumhaften Welt nachgegangen, darum zogen wir etwas gedrückt, etwas beschämt aus dem Gymnasium. Wir erholten uns erst wieder, als wir bei Herrn und Frau Hoofien den Abendtee einnahmen. Ein Tag voll tiefer Eindrücke, ein Tag von unschätzbarer Länge, schloß bei anregender Unterhaltung. Tel-Awiw ist für uns die Eingangspforte in die Welt des jungen Judentums gewesen. Wir hatten uns das Tor anders vorgestellt. Das Bild, das uns vorschwebte, war unbedeutend, die Wahrheit war großartig. auf jeden Fall eine falsche Vorstellung, von den Kolonien ge- Wir fanden kleine Staaten vor mit eigener Verwaltung, eigener Polizei, mit Schulen, Bethäusern, Feuerwehr, medizinischen Anstalten, mit Kanalisation, Wasserleitung, im Gewände großer Ordnung und Sauberkeit. Wir fanden einen Menschenschlag vor, der alle Erwartungen übertraf. Schöne Kinder, schöne Mädchen, kräftige Jünglinge, ein widerstandsfähiges mittleres Alter und ungebeugte Greise. Ein Geschlecht voll unbezwinglichem Tatendrang, voll Stolz, Lebensfreude, Bodenständigkeit, Landesliebe, ein schönes, kraftvolles, jüdisches Volk. , Wir fanden Taten. Um die Häuschen lagert weites, didhtangebautes Gartenland, und außerhalb der Häusergrenze schließt sich Weinberg an Weinberg, Getreidefeld an Getreidefeld, Mandelbaumhain an Mandelbaumhain. Und alles steht unter der opferfreudigen Hut des jüdischen Schomer, der sein Land mit seinem Leben gegen räuberischen Neid schützt. Wir besuchten bisher Rischon-le-Zion, Ness-Ziona, Rechoboth, Katra, Hulda und Mozah. Die Erfolge sind nicht überall dieselben. Wir haben durch alle Erfolge hindurch die Unsumme von Mühsal und Arbeit erkannt, die fast übermenschliche Auf-