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Die Welt · 1913-04-18 · 16 (18.4.1913) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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500 - D1E3§BELT - -._ Nt. IS Leipzig machte den Anfang. Die Leipziger Universität ist vor den jüdischen Studierenden tatsächlich gesperrt worden. Jetzt kommt an Preußen die Reihe. Der preußische Minister für Kultus und Unterricht, Herr Trott zu Solz, hat bereits im Landtag scharfe Maßregeln gegen die jüdischen Studenten aus Rußland angekündigt und die Landtagsmehrheit jubelte ihm zu. Was h'alPs, daß Dr. Liebknecht sich zum Anwalt der jüdischen Studierenden aufwarf? Was gilt im preußischen Landtag die Stimme eines Sozialdemokraten? . . . Wir wollen nicht auf Einzelheiten eingehen. Es hätte auch keinen Zweck. Gegen Fatalitäten läßt sich eben nicht kämpfen. Und es ist eben das Fatum -der russischen Juden, immer und überall ausgesperrt zu sein . . . Deutschland voran. Die anderen Länder folgen nach. In Frankreich, in Italien, in Belgien und der Schweiz, überall, wo russische Juden studieren, werden Ausnahms- und Abwehrmaßregeln gegen die „Eindringlinge" geplant. Wer wird sich ihrer annehmen?. Wer wird sie vor dieser „Europasperre" schützen? Wir können, wir dürfen nicht auf fremde Hilfe rechnen. Die alte Taktik der Bittgänge und der Proteste hat keinen Sinn und keinen Wert mehr. Es gibt nur ein. einziges Mittel — Selbsthilfe. Es gibt nur einen einzigen .. Ausweg für den jüdischen Geist — eine eigene Universität. Das ist m. E. die aktuellste Frage des Tages. Wie aber die Idee in die Tat umgesetzt werden könnte, das wollen wir nächstens eingehend behandeln. Dr. A. C o r a 1 n i k. I REVUE DER PRESSE~|{ Ueber die Resolution des Zentralvereins gegen den Zionismus äußert sich unser Odessaer Bruderblatt „Haolam“ in seiner Nr. 12 u. a. folgendermaßen: „Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ... ist mit einer sehr wuchtigen und gefährlichen Waffe auf den Kampfplatz getreten. Man mag diesen Herren offen zugeben: eine wirksamere Waffe als ihre Reden und ihre Resolution . . . hätten sie nicht finden können. Die verhüllten und klaren Andeutungen, die den Zweck hatten, auf die staatsbürgerliche Loyalität und die Vaterlandsliebe der Zionisten einen Schatten zu werfen, werden gewiß nach innen und nach außen hin Eindruck machen. Wohl wissen die Herren, die die Beschuldigung erhoben haben, selber am besten, daß die deutschen Zionisten ihre staatsbürgerlichen Pflichten treu erfüllen, ja, daß tausende Fäden sie mit der deutschen Kultur verknüpfen, daß ihr Streben nach nationaler Wiedergeburt sie keineswegs hindert, die großen Güter und Werte der allgemein menschlichen Kultur hochzuhalten, die sie durch die Quellen der deutschen Bildung in sich aufgenommen haben. All dies wußten die gerechten Richter vom Zentralverein sehr wohl, und dennoch scheuten sie vor dieser Anklage hicht zurück, um Feindschaft gegen die Zionisten wachzurufen. Die Verwirrung und die Angst vor dem „Feinde", der Position um Position von ihrem Besitzstände erobert, hat eben diese Leute, die in ihrem Privatleben sicherlich ehrenwerte Männer sind, zu einer solchen Handlungsweise hingerissen. Und diese Sinnesverwirrung hat sie nicht nur zur Beugung des Rechtes geführt, sondern sie auch in törichter Verblendung ganz übersehen lassen, daß sie den Zweig absägen, auf dem sie selber sitzen. Die sittliche Grundlage ihres ganzen staatsbürgerlichen Kampfes ist ja eben die Forderung nach-Gerechtigkeit und Duldsamkeit in Fragen der Gesinnung. Nunmehr, da sie selbst einen Teil ihrer Brüder gleichsam von der Anwartschaft auf den Sieg dieser Forderung ausschließen, da sie sich diesen ihren Brüdern gegenüber auf das Gebiet der Gesinnungsschnüffelei begeben, ist es nur recht, daß die andern ihnen mit gleichem Maß messen und sie auf die Echtheit ihres Deutschtums untersuchen. Die andern sind doch gar nicht verpflichtet, einen Unterschied zwischen Zionisten und Antizionisten zu machen und gerade denjenigen als gutgesinnt gelten zu lassen, der einen Stein auf seinen Bruder wirft. Aber auch nach innen hin wird ihre neue Taktik zu ihren Ungunsten ausschlagen. Das jüdische Publikum in Deutschland steht geistig und sittlich nicht so tief, daß es das Häßliche dieser Taktik nicht empfände. Man muß nicht gerade ein Gegner des Zentralvereins sein, um sich zu sagen, daß der ganze Kampf, den jetzt die Führer des Zentralvereins gegen, das Nätionäljudentum vom Zaum gebrochen haben, nicht dem Bedürfnis entsprungen ist, für wichtige Prinzipien, denen Gefahr droht, einzutreten, sondern lediglich dem Neid auf die Erfolge der Zionisten und der Furcht, daß es diesen gelingen möchte, sie ganz zu verdrängen. Dies geht aus der Rede des ersten Referenten, Professor Falkenheim, klar Der Artikelschreiber weist im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen darauf hin, daß die Führer des Zentralvereins von den neuen, revolutionären Ideengängen des Nationaljudentums, gegen die sie sich so heftig wehren, selbst angesteckt sind. Dies habe sich deutlich offenbart, als Justizrat Fuchs betonte, auch der Zentralverein wolle der „Renaissance des Judentums" dienen, von der man allerdings nicht weiß, wie sie sich in seinem Kopfe malt. „Gerade weil dieses Neue auch in ihr Denken immer tiefer eindringt, empfinden sie das Bedürfnis, ihre Opposition dagegen um so kräftiger hervorzuheben. Sie fühlen den tiefen Riß in ihrem geistigen Wesen und bemühen sich, die innere Stimme jenes fremden ruhestörenden „Neuen" gewaltsam zu unterdrücken. Dieser Dualismus wird sich aber unerbittlich an ihnen rächen und ihre Gegner zum Siege führen." „Jewish Chronicle", das führende Organ der englischsprechenden Juden, schreibt in einer „Politische Kämpfe im deutschen Judentum" überschriebenen Notiz: „ . . . Wasder Zentralverein auch sagen mag, die deutsche Regierung betrachtet die Zionisten als treue Staatsbürger . . . Und wenn die deutsche Regierung mit der Vaterlandsliebe der deutschen Zionisten zufrieden ist, so haben die deutschen nichtzionistischen Juden wohl kaum Anlaß, weniger zufrieden zu sein. Allein die deutschen Ziönisten haben auch unrecht, der Resolution des Zentralvereins so große Bedeutung beizumessen. Die Führer dieser Organisation wünschen nichts anderes, als die zionistischen Mitglieder loszuwerden, weil diese die Atmosphäre des Zentralvereins mit jüdischem Nationalismus ,vergiften'.. Das ist alles." ln einem Leitartikel unter - der Ueberschrift „Zionismus und Deutschtum“ schreibt das „Isr. Wochenblatt für die Schweiz“ (Zürich) in seiner jüngsten Nummer: „Der Zentralverein hätte wahrlich Bessereszu tun, als die Zionisten anzugreifen, die heute wohl den eifrigsten, tätigsten und ehrlichsten Teil der jüdischen Gesamtheit repräsentieren, die danach streben, das Judentum zu erhalten und gegen alles arbeiten, was auf Assimilation hinzielt. Weresehrlich mit unserer Zukunft meint, wer nicht gerade den Patriotismus als feile und bezahlte Ware betrachtet,-der wird wohl mit uns einig gehen, wenn wir behaupten, der Zionismus ist eine überzeugte, offene, jüdische Weltanschauung, die mit der staatsbürgerlichen' Gesinnung des einzelnen ‘ Juden nicht

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