Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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494 Nr. 16 sittliches Unternehmen. Wenn es möglich sein wird, die Juden aus der Umklammerung unserer Zeit zu befreien, wenn s i e wieder lernen werden, Verantwortung zu tragen und selbst zu handeln, dann ist — glaube ich — der Fluch von der Gegenwart genommen. Wir sind Menschen dieser Zeit, rings umgeben von dem Netz von Bedingtheiten und Opportunitäten, wie alle um uns. Wir stellen uns gegen diese Zeit und verlangen Unbedingtheit des Handelns. Werden wir selbst bestehen vor der eigenen Forderung? Wird es uns gelingen, von den Fesseln dieser Zeit frei zu werden? Wir klammern uns an unser Judentum und schöpfen aus ihm die Kraft, die wir brauchen. Das Judentum ist der Wille zur sittlichen Tat. Der Zionismus ist das Judentum, angewendet auf die Jtidenheit dieser Zeit. MMMMMWWWNWWMMZEEEEEE PSALA Ich bin ein Sänger Deiner Gnade Der harkend oft Dein Herz gewann, Und trage Deine Bundeslade, Die Thorarolle, hoch voran Durch Deiner Tempel Säulenreihen Verzückten, seligen Gesichts, Gesegnet von den Strahlen weihen Des Ampel- und des Kerzenlichts. Erscheint sie nicht durch die Behänge Bestickter Tücher prachtbesät Im messianischen Gepränge Wie eine heil’ge Majestät, Als Königin vor ihrem Volke, Das betend ihr entgegenbebt, Wenn sie die weiche Zauberwolke Von Myrrhendüften überschwebt? Wie Uünglingsseelen jubelnd freien Im Lied um der Geliebten Herz, So laßt mit Cymbeln und Schalmeien Und Becken aus getriebnem Erz Und Harfen, die zur Hochzeit klingen Uns zu der stolzen Fürstin ziehn’, Laßt uns ihr hehres Herz ersingen Mit bräutlich süßen Melodien! 0 Herrin jeder Zeit und Zone, Wie strahlt gebieterisch Dein Bild, Dein Haupt trägt eine Silberkrone Und Deine Brust ein blankes Schild. Bier blitzt ein Gleißen ohnegleichen, Ganz Israel erglänzt beglückt, Wenn der zwölf Stämme Wappenzeichen Die Sonne, Gottes Wappen, schmückt. 0 daß nicht nur auf diesem Schilde Sich Israel zusammenreiht Und sich nicht nur auf diesem Bilde Zeigt als ein Volk der Einigkeit, Daß als Verstreute seit Äonen Wir doch noch einmal Zelt an Zelt Und Stamm an Stamm beisammenwohnen Wie Wappenfeld bei Wappenfeld! Drum schickst Du Myriaden Sterne Hehova in die Welten aus; Dein Volk zu suchen in der Ferne Ziehn spähend sie von Haus zu Haus. Den Äugenden will sich gesellen Die ew’ge Campe. Doch ihr Traum Wagt sich in seinem strahlenhellen Gewand kaum aus dem Tempelraum. Wenn aber Deine große Güte Doch wieder Stamm mit Stamm vereint, Daß nicht wie eine graue Mythe Des Schildes lichte Mahnung scheint, Dann sei’n Posaunen Märchenmelder Vom fackelreichen Freudenfest, Das stärker als die Wappenfelder Die Seelenfelder glühen läßt Arthur Silbergleit T