Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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442 Nr. 14 DIE3§KL.T Brüx. In einer gut besuchten Versammlung sprach Parteisekretär Kurt Blumenfeld aus Berlin über das Thema: „Probleme im modernen Judentum“. An den Vortrag schloß sich eine angeregte Debatte. Ungarn Szatmärnömeti. Der hiesige Zionistenverein veranstaltete am zweiten Purim-Tag einen wohlgelungenen Palästina-Abend. Zuerst trugen die Schüler und Schülerinnen der hiesigen hebräischen Sprachschule „Sofoh Chajoh“ einige Genre-Stücke in hebräischer Sprache vor. Dann wurden Palästina-Projekt ograph - Bilder in Begleitung einer Vorlesung gezeigt und schließlich hielt Sekretär Dr. Josef Schönfeld, Advokat aus Budapest, eine Rede über die aktuellen Fragen des Zionismus. Der Abend bedeutete einen schönen Erfolg für unsere Sache. Pozsony (Preßburg). Der Pozsonyer Ahawath Zion-Verein veranstaltete am 24. März im großen Saale des „König von Ungarn“ einen Vortragsabend, der einen sehr zahlreichen Besuch aus allen Kreisen der Pozsonyer Gesellschaft aufwies. Herr S. Bettelheim begrüßte den Parteisekretär Dr. Korngrün aus Berlin, der hierauf das Wort zu einem längeren, überaus beifällig aufgenommenen Vortrag ergriff. Der Abend bedeutete einen schönen Erfolg für unsere Sache. Holland Coevorden. Am 8. März hielt die hiesige Ortsgruppe eine interne Versammlung ab, in der Herr H. Kramme einen Vortrag über „Die Geschichte der Juden in Holland“ hielt. Groningen. In der Gemeinde Veendam-Wildervanck sprach am 16. März Herr Dr. E. Hildesheim über den Zionismus. Die Propagandarede sollte die Gründung einer neuen Ortsgruppe vorbereiten. Amsterdam. Am 19. März sprach Herr Dr. Henri Edersfreim in einer öffentlichen Propagandaversammlung in Watergraafsmees über „Die Notwendigkeit des Zionismus“. Haag. Die Haager Ortsgruppe hielt am 19. März eine Propagandaversammlung ab, in der Herr I. van Rys über „Zionismus und traditionelles Judentum“ und Herr Dr. J. G e rzon über „Die religiöse Seite des Zionismus“ sprach. Amsterdam. Herr Nehemia de L ieme , Vorsitzender des N. Z. B., sprach am 26. März in einer Ortsgruppen-Versammlung über das Thema „Selbsthilfe“. Italien Der Zionismus in Italien (Von unserem Berichterstatter.) Florenz. ln den letzten Wochen haben wir eine überaus rege Tätigkeit in den verschiedenen jüdischen Gemeinden Italiens zugunsten unserer Bewegung zu verzeichnen — eine Tatsache, die uns besondere Freude machen muß, da sie den Erwartungen, die wir auf die Beschlüsse des jung-jüdischen Kongresses gesetzt hatten, vollkommen recht geben. Besonders in Turin, wo die Nachwirkung des Kongresses am stärksten war, arbeitet unsere Jugend unermüdlich für die Propaganda der nationalen Idee und nationalen Kultur durch Veranstaltung von Vorträgen, Bällen, literarischen Abenden, Turnübungen usw. Der Boden ist so allmählich für die Schaffung — oder besser gesagt Neubelebung — der zionistischen Vereine vorbereitet worden. Dieser Tage ist auch der Gruppo Sionistico Piemont e s e wieder zusammengetreten und hat die erste öffentliche Versammlung abgehalten, die einen bedeutenden Erfolg erzielte. Den Vorsitz führte rag. Umberto Formiggini, der einen interessanten Vortrag über „Die Ziele der zionistischen Bewegung“ hielt. Dr. L. R. Modena forderte besonders die Hilfe der Frauen für die Propaganda der zionistischen Ideen unter den Turiner Juden und schlug diesbezüglich vor, eine gemischte Propaganda-Kommission zu wählen. Der Vorschlag wurde angenommen. Auch der Circolo Ricreativo (Vergnügungs- und Turnverein) von Turin unter der Leitung unserer Gg. adv. Moise Foä, Emil io Bachi, prof. F o ä , aw. S e g r e entwickelt eine außergewöhnliche Tätigkeit im Geiste unserer Bewegung. ln Rom ist der unter der Leitung von Dr. David Krink i n und Redakteur U g o A y 6 stehende „Circolo di Cultura ebraica“ überaus tätig. Es wird zweimal wöchentlich hebräischer Unterricht erteilt und von Zeit zu Zeit werden auch öffentliche Vorträge gehalten. Dr. David Krink i n hielt einen stark besuchten Vortrag über die „Jüdische Kolonisation in Palästina“ (mit Projektionsbildem). Unter den Anwesenden waren viele angesehene Mitglieder der römischen Gemeinde. Herr Mayer hielt einen Vortrag über die „B i 1 u“, De A n g e 1 i s über „Isral, der Einzig e“, Herr Le vi über „Jehuda H a 1 e vi“ usw. Auch in Verona veranstaltete der „Circolo di Culturaunter Leitung des Oberrabbiners Dr. Dario Disegni, wöchentliche Vorträge. Von den letzten Vorträgen seien der von Dr. David Prato (Florenz) über „Israel unter den Nationen“, Prof, relice Momigliano (Turin) über den „Prophetismus“, erwähnt. In Ferrara veranstaltete die dortige Ortsgruppe verschiedene Vortragsabende. Rabb. Dr. Armando Sorani (Reggio Emilia), der italienische Uebersetzer von Bialik und Schalom-Alechem, hielt einen Vortrag über „Die neuen Strömungen in der hebräischen Literatur“. — In Padua hielt vorige Woche Rabb. Dante Lat tes (Triest) einen Vortrag über das „Ghetto“ von Huysmans. — In Tripolis ist ebenfalls nach dem Muster der italienischen „Pro-Cultura“ ein solcher Verein gegründet worden, der bezweckt, in zionistischem Sinne zu arbeiten. — Triest, wo es fast nur italienisch-sprechende Juden gibt, hat glücklicherweise einen Rabbiner, der von nationalem Geist durchdrungen ist. Prof. Dr. H. P. C h a j e s , der frühere Professor am florentinischen Rabbinerseminar, wo er seine Hörer in jüdisch-nationalem Geiste erzog, ist nicht nur ein bedeutender Gelehrter, sondern auch ein leidenschaftlicher Jude, der unermüdlich daran arbeitet, unseren Hoffnungen und Ideen in den Herzen seiner Gemeinde in Triest Eingang zu verschaffen. Vor einiger Zeit hielt er einen öffentlichen Vortrag über den Zionismus und dank seinem Eintreten ist es gelungen, auch in Triest eine Bezalel-Ausstellung in den Sälen der jüdischen Gemeinde zu veranstalten, welche in einigen Tagen eröffnet werden soll. In Ferrara ist dieser Tage unser Gesinnungsgenosse Dr. Elia S. Artom zum zweiten Rabbiner ernannt worden. Obwohl er noch sehr jung ist, hat er sich schon durch Forschungen auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte hervorgetan; er ist auch einer der Vorkämpfer der jung-jüdischen Bewegung in Italien. Die italienischen Zionisten hoffen viel von seiner Tätigkeit in Ferrara zugunsten unserer Sache. Turin. In Turin wurde vom dortigen zionistischen Verein (Gruppo sionistico milanese) und vom Circolo Ricreativo zugunsten zionistischer Zwecke am Purimabend ein Konzert und Ball gegeben. Die H a t i k w a h mußte oft von dem Orchester in Begleitung des Chors wiederholt werden. Es gingen etwa 1700 Frcs. ein. Auch in Verona wurde ein Kinder-Purimfest veranstaltet und ähnliche Veranstaltungen fanden auch in anderen Städten statt. Frankreich Ein jüdischer Volksliederabend in Paris (Von unserem Berichterstatter.) Endlich hat man es auch in Paris gewagt, dem weiteren Publikum ein Stück jüdischer Kunst, sogar ostjüdischer Volkskunst, vorzuführen. Freilich ging es noch nicht ohne die übliche Vertuschung ab: Die öffentliche Reklame wurde fast ganz unterlassen, und selbst die hiesigen jüdischen Zeitungen brachten mit alleiniger Ausnahme des „Echo Sioniste“ keine Vorankündigungen. Nichtsdestoweniger war am Abend die „Salle des Agriculteurs“ voll besetzt, und, um das Resultat vorauszunehmen, die Erschienenen erlebten einige höchst genußreiche Stunden. Allerdings ist der alle Erwartungen übertreffende Erfolg nicht allein der ergreifenden Tiefe der dargebotenen hebräischen und jüdischen Volkslieder zuzuschreiben, sondern auch dem schönen Organe und der vollendeten Kuns: der Sängerin, Frau Alvina Alvi, von der Oper in St. Petersburg, die es meisterhaft verstand, die Seele der Lieder ihren Hörem mitzuteilen. Den größten Erfolg hatten unzweifelhaft die Lieder in Jargon, der ungewohnte Humor in „Die Messinke ausgegeben“, wie die tiefe Melancholie in „Amol i s g e w e n a Maise“ oder in „E i 1 i. Eili, lomoh asawtonu“ weckten starken Widerhall. In hebräischer Sprache wurde uns mit gleicher Vollendung u. a. geboten: „Nutnoh Pherach“, „Jeruscho 1 a jim“. „Kol N idr e“ und zum Schlüsse die „Hat ik wah“. — Eine „Offenbarung“ für die französischen Juden nennt der „Univers“ diesen Abend. In der Tat, nichts wäre besser imstande gewesen, eine Vorstellung von dem Leben des Ghetto zu geben, die Unterdrückung und gleichzeitig die Hoffnung der Masse des jüdischen Volkes lebendig zur .Darstellung zu bringen.