Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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407 Nr. 13 : DIE LT abwarten zu können. Tatsächlich liegt hier zum großen Teil der Schlüssel zu den bisherigen. Mißerfolgen unserer Kolonisation. Ein Beispiel aus der Praxis wird wohl am besten die angeführten Behauptungen anschaulich illustrieren. Als der Neue Megilloth aus dei Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem Nationalfonds vor einigen Jab'en den Boden in Ben- Schemen und Hulda übernahm, war dieser Boden sehr entkräftet und ausgebeutet. Gerste gedieh überhaupt nicht und auch Weizen wuchs sehr miserabel. Es war physikalisch ein schwerer, speckiger Boden. (Anläßlich des zehnjährigen Gründungsfestes der benachbarten deutschen Kolonie Wilhelms wurden vor kurzem diese Verhältnisse in der „Welt“ gestreift. Im übrigen könnte auch Wilhelms zum Beweise für die obigen Behauptungen herangezogen werden.) Im ersten Jahre konnte man nur mit einem Einscharer pflügen, im zweiten Jahre bereits mit dem Zweischarer, im dritten Jahre aber schon mit Kultivatoren und Diskussen, die sich durch Schnelligkeit auszeichnen. Der Einscharer machte im zweiten Jahre ein oder zwei Dunam mehr als im ersten und im dritten mehr als im zweiten Jahre. Rechnerisch betrachtet, kostete manche Arbeit per Hektar im ersten Jahre Frs., im zweiten Jahre 8 Frs., im dritten aber bloß 3 Frs. Wenn dies als Verbesserung der Arbeit anzusehen ist, so steht hr die Hebung des Ernteertrages keinesfalls nach. Im ersten Jahre säte man Wicke auf dem Boden der Oliven ohne jeden Erfolg. Im zweiten Jahre brachten 20 ha 20 Kantar (1 Kantar 288 kg). Im dritten Jahre brachten 20 ha 200 Kantar. Bezüglich der Verbilligung der. Arbeit stellen sich diese drei Jahre im Verhältnis von 1: 2*6:: 5,3 dar. Bezüglich der Steigerung des Ertrages ergibt sich'für die drei'Jahre ein Verhältnis von 0:1:10. Zu bemerken ist, daß das dritte Jahr i m Tlgem e i n e n in der Gegend nicht besser war als das zweite. Es muß nun berücksichtigt werden, daß es sich hier um ■die Güter des Natiönalfonds handelt, also einer gutfundierten Institution, die finanziell in der Lage ist, in möglichst kurzer Zeit Ameliorationen auszuführen. Bei Kolonisten ist im allgemeinen anzunehmen, daß sie erst im dritten Jahre das von dem N. F. in einem Jahre Geleistete erreichen. Mit anderen Worten: für den Durchschnittskolonisten sind neun Jahre notwendig, um dorthin zu gelangen, wo eine finanziell kräftige Gesellschaft bereits im dritten Jahre anlangt. Nehmen wir nun an, daß der Boden eines Kolonisten alle drei Jahre seinen Besitzer wechselt. In diesem Falle hat der Besitzer der ersten drei Jahre doppelt zu leiden, denn die Ausgaben für die Arbeit sind dann doppelt so hoch wie in den mittleren und fünfmal so hoch wie in den letzten drei Jahren, während der Ertrag ein unbedeutender ist. Er würde also mit Verlust oder höchstens mit kleinem Gewinn abschneiden. Für den zweiten Besitzer stehen die Chancen schon erheblich besser. Und erst der dritte Besitzer, für den die Arbeitskosten äußerst verbilligt und der Ertrag gesteigert wurde, heimst einen Gewinn ein, an dem in Wahrheit auch die zwei ersten Besitzer, die die schwersten Kultivierungsarbeiten leisteten, mitgearbeitet haben. Freilich handelt es sich hier um mageren und schweren Boden, während bei sehr gutem Boden die Verhältnisse ganz anders liegen. Aber man muß doch bedenken, daß die Araber in der Regel den guten Boden für sich reservieren und nur den minderwertigen veräußern. Andererseits können wir uns nicht bloß auf den guten Boden beschränken. Aus alledem ergibt sich zunächst: Diejenigen Kolonisten, die Palästina verlassen haben, waren nicht etwa in der Qualität minderwertiger als ihre Nachfolger. Nicht an seelischen, sondern an technischen Faktoren scheiterten sie. Sie hatten die ersten schweren Jahre durchgemacht, für ihre Nachfolger Pionierarbeit geleistet, konnten sich aber selbst finanziell nicht mehr halten, um die bessere Zeit, die dank ihrer Mühe und Arbeit eintreten mußte, abzuwarten. Für die Zukunft ergibt sich hieraus folgender Schluß: Es ist kolonisatorisch ein verhängnisvoller Irrtum, wenn J. C. A. und P. L. D. C. die Entwicklungs- und Vorbereitung sarbeit aufgeben und sich auf das Reingeschäftliche — Kauf und Parzellierung — beschränken wollen. Mit dem Kauf des Bodens allein ist Neue Megilloth aus der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem