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Die Welt · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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404 ~ DIE^ELT Städtische Kolonisation. — Die A. P. C. Nach genauer Prüfung der Tätigkeit der A. P. C. in Haifa, Jaffa und Jerusalem und eingehender Untersuchung der gegen die A. P. C. zirkulierenden Beschwerden ist zu sagen, daß diese Beschwerden unbegründet sind. Sowohl die bestimmenden Grundsätze, als auch die Praxis der A. P. C. sind durchaus zu billigen. Vielfach wird der A. P. C. zum Vorwurf gemacht, daß sie zuviel mit Arabern arbeite. Allein dieser Vorwurf entbehrt jeder Grundlage. Die jüdische Klientel hat unter dem Verkehr der Bank mit den Arabern absolut nicht zu leiden. Niemals ist der Fall eingetreten, daß die A. P. C. durch ihre Beziehungen zu Arabern so in Anspruch genommen gewesen wäre, daß sie ein jüdisches Geschäft deswegen hätte ablehnen müssen. Es ist zu berücksichtigen, daß die Kreditgewährung an Araber uns Einfluß auf dieselben verschafft. Die Bank gewinnt immer mehr Vertrauen in arabischen Kreisen, wie dies die sehr beträchtlichen arabischen Depositen bei der Bank beweisen. Wenn an der A. P. C. etwas auszusetzen ist, so ist es nicht an der Tätigkeit, sondern an der Organisation derselben. Es ist ein Mißstand, daß die Bank in Jaffa viel zu sehr von ihrem Mutterinstitut in London abhängt, ebenso daß das Verhältnis der Zentrale in Jaffa zu ihren Filialen viel zu sehr nach zentralistischen Gesichtspunkten gestaltet ist. Der A. P. C. in Jaffa einerseits müßte von London aus größere Freiheit gewährt werden und die Zentrale in Jaffa müßte ihrerseits wiederum ihren Filialen freiere Hand lassen. Neben dieser organisatorischen Reform wäre sonst nicht eine Umgestaltung, sondern bloß eine Erweiterung der Tätigkeit der A. P. C. erforderlich. Dringend notwendig wäre die Eröffnung von weiteren Filialen — in erster Reihe in Tiberias, sodann nacheinander in Nablus, Gaza und Akko —, ferner auch eine beträchtliche Vermehrung der Finanzmittel der A. P. C. durch intensiven Absatz der A. P. C.-Shares und ergiebigere Kreditgewährung von London aus. Die der A. P. C. angegliederten kooperativen Genossenschaften für Kleinkredit (Milweh) werden recht gut geleitet, lassen aber eine einheitliche Organisation schmerzlich vermissen. Die einzelnen zusammenhanglosen Genossenschaften haben nicht die Kraft, ein beachtenswerter wirtschaftlicher Faktor zu werden. Vereinigungstendenzen. Im Zusammenhänge mit der Besprechung der nötigen Reformen der A. P. C. auf organisatorischem Gebiete sind auch die Tendenzen zur Koordinierung und Vereinheitlichung der Arbeit der verschiedenen in Palästina wirkenden Institutionen zu erwähnen, die sich in letzter Zeit geltend machen. Nach dieser Richtung müßten die Institutionen der zionistischen Organisation mit gutem Beispiele vorangehen. Namentlich sollte eine engere Verbindung zwischen Palästinaamt und A. P. C. geschaffen werden, dergestalt, daß beide Institutionen eine gemeinsame Vertretung der zionistischen Organisation mit verschiedenen Spezialaufgaben in Palästina darstellen. Jerusalem. Die wichtigsten Aufgaben auf dem Gebiete der städtischen Kolonisation harren unser in Jerusalem. Der Arbeit in den Städten müssen wir überhaupt größere Aufmerksamkeit zuwenden als bisher. In Jaffa und Haifa haben wir ja allmählich damit begonnen. Nur für Jerusalem wurde verhältnismäßig sehr wenig getan. Die einzige, allerdings sehr bedeutende und verdienstvolle Leistung auf diesem Gebiete ist der „Bezalel".- Damit allein haben wir aber unsere Pflicht gegen Jerusalem noch nicht erfüllt. Ein großzügiges Wohlfahrtswerk tut hier not. Durch ein systematisches, planvolles Hebungs¬ und Sanierungswerk soll die jüdische Bevölkerung Jeru- Nr. 13 salems, die tatsächlich zwei Drittel der Gesamtbevölkerung ausmacht, ein realer Machtfaktor, eine geschlossene, wirtschaftlich und sozial widerstandsfähige Kraft werden. Die Fürsorge für Jerusalem macht folgende Maßregeln erforderlich: 1. Anlage von landwirtschaftlichen Siedelungen in der Umgebung der Stadt, damit auch Jerusalem, ähnlich wie Jaffa, Haifa und Tiberias, in den naheliegenden Kolonien einen wirtschaftlichen Rückhalt hat; 2. Anlage von Gartenstädten in der Nähe der Stadt, die es ermöglichen sollen, zahlreiche Städter der Landwirtschaft zuzuführen resp. in kombinierten Vorstadtwirtschaften unterzubringen; 3. Reorganisation und Ausbau des „Bezalel"; 4. Schaffung und Ausgestaltung neuer Hausindustriezweige, womit in letzter Zeit vielverheißende Versuche gemacht wurden; 5. Gründung von neuen, hygienisch befriedigenden Stadtvierteln, und schließlich 6. Fürsorge für unsere historischen Heiligtümer, deren verwahrloster Zustand eine nationale Demütigung für uns bedeutet und unserem Ansehen in der Stadt wie auch in den Augen der europäischen Touristen, großen Abbruch tut. Neuerdings hat das Odessaer Komitee der Chowewe- Zion beschlossen, den Anfang für das Jerusalemer Hilfswerk zu machen, allein die Chowewe-Zion können und wollen eben nur einen bescheidenen Anfang machen. An der zionistischen Organisation wird es nun sein, die Sache in die Hände zu nehmen und das gekennzeichnete Programm zu verwirklichen. Kulturarbeit. Universität. Bezüglich der Kulturarbeit hat die zionistische Organisation eine zentrale Aufgabe, eine Aufgabe von grundlegender Bedeutung und Tragweite zu erfüllen und darf deshalb ihre Kräfte nicht in kleinen Arbeiten zersplittern. Jetzt schon hat die Organisation einige schöne Einzelleistungen zu verzeichnen und einige schöne Einzelaufgaben übernommen. Von sehr guter Wirkung wird die Beteiligung des A.C. an dem vom Odessaer Komitee gegründeten Lehrerinnenseminar in Jaffa und die Förderung der Herausgabe guter Lehrbücher in hebräischer Sprache sein. In beiden Fällen werden mit verhältnismäßig geringen Mitteln große Erfolge erzielt werden. Eine überaus wichtige Aufgabe ist auch die Förderung des von Herrn Feldstein inaugurierten Kulturfonds. Darauf sollen sich aber auch die Detailaufgaben der zionistischen Organisation auf kulturellem Gebiete beschränken. All ihre Macht und ihren Einfluß soll die Organisation an die Erfüllung unserer größten und höchsten Kulturaufgabe wenden. Es ist Zeit, daß wir daran gehen, unserem Kulturwerk in Palästina die Krone aufzusetzen; daß wir jene Schöpfung in die Wege leiten, die von entscheidender kultureller und politischer Bedeutung für unser großes Beginnen im Lande sein und auch auf die gesamte Judenheit der Diaspora einen ungeheuren Einfluß ausüben wird, — es ist Zeit, daß wir an die Schaffung der hebräischen Universität in Jerusalem schreiten. Referent behandelt eingehend diesen Plan und macht nähere Angaben über die Möglichkeiten desselben. Resümee. Resümierend faßte Herr Ussischkin unsere Aufgaben in Palästina in folgende Punkte zusammen: 1. Politische (Aufklärungs-) Arbeit unter den Arabern; 2. agrarpolitische Aufgaben: Erweiterung und Befestigung unserer Bodenpositionen, Gründung eines Instituts für langfristigen Bodenkredit; 3. Durchführung des Grundsatzes der „jüdischen Arbeit "; 4. Erweiterung der Tätigkeit der A. P. C.; 5. Fürsorge für Jerusalem; 6. hebräische Universität in Jerusalem.

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