Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 12 (21.3.1913)
- Date
- 1913-03-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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372 DIEI^ELT Nr. 12 PALÄSTINA-KTJNDSCHATT tr =-£7 (Von unserem Berichterstatter.) Die Tätigkeit der Anglo-Palestine Company im Jahre 1912 Das Jahr 1912 gehört in wirtschaftlicher Beziehung wohl zu den schwierigsten, die die Anglo-Palestine Company seit ihrem Bestände gesehen hat. Die Türkei wurde nacheinander von zwei Kriegen heimgesucht, die das Wirtschaftsleben des gesamten Reichs empfindlich trafen. Die ausländischen Fabriken wurden mißtrauisch und zögerten mit dem Versand ihrer Erzeugnisse. Die ausländischen Banken, die ohnedies infolge der Hochkonjunktur der Industrie eine Epoche der Geldknappheit durchmachten, zogen sich von den türkischen Geschäften zurück und wollten zunächst das Ende des Krieges ab warten. Die Ernte des Jahres endlich, besonders die Getreideernte, konnte gleichfalls nicht als befriedigend bezeichnet werden. Unter diesen Umständen mußte die Anglo-Palestine Company ihre Bemühungen verdoppeln, wollte sie der jüdischen Bevölkerung Palästinas über die schwere Zeit hinweghelfen. Man muß aber auch sagen, daß sie im abgelaufenen Wirtschaftsjahre mit ihrer Finanzpolitik die Interessen des Jischub zu schützen wußte. Dank dieser besonnenen und zugleich konsequenten und tatkräftigen Finanzpolitik konnten unsere Kolonisten ruhig ihrer Arbeit nachgehen, ohne wesentlich von der finanziellen Krisis in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Mit anderen Worten: Im abgelaufenen Wirtschaftsjahre wurde niemandem infolge des Krieges usw. der Kredit verkürzt, vielmehr wurden die Kredite nach Maßgabe des Bedarfs und der vorhandenen Garantien noch ausgedehnt. Da das Direktorium der Anglo-Palestine Company wohl demnächst die Bilanz für das Jahr 1912 in der „Welt" veröffentlichen wird, so können wir jetzt von der Veröffentlichung sämtlicher Zahlen absehen. Um jedoch die Richtigkeit der obigen Ausführungen zu veranschaulichen, sei uns hier ein Vergleich zwischen den Saldi der wichtigsten Konten pro End,e 1911 und Ende 1912 gestattet. 1911 1912 Zunahme Frcs. Frcs. Diskontierte Wechsel 3 070 183 3 520 246 450 063 Spezialkonto 2 310 411 2 846 139 535 728 Leihgenossenschaften Depositen und Konto¬ 439 289 594 988 155 699 korrent 5 943 979 6 819 546 875 567 Die Umsatzziffern der wichtigen Operationen in allen Filialen der A. P. C. insgesamt waren im abgelaufenen Jahre: Debet 192 307 398 Frcs.; Kredit 189 298 379 Frcs. Der Reingewinn der A. P. C. in Palästina macht ca. 160000 Frcs. aus, wobei außerdem als neue Reserve für Dubiosa pro 1912 40000 Frcs. verrechnet wurden. Interessant ist, daß die Depositen, auch die der arabischen Bevölkerung, in steter Zunahme begriffen sind. Sie betrugen Ende 1912 ca. 7 000 000 Francs, wovon ca. die Hälfte in Jaffa, 1 700 000 Frcs. in Jerusalem und der Rest in den übrigen Filialen niedergelegt wurden. Besonders in Jerusalem ist noch eine weitere Ausdehnung dieses Geschäftes zu erwarten. Die kritische Zeit erforderte von der Leitung der A. P. C. volle Kassen, um für alle Fälle in Bereitschaft zu sein. Ich habe mich an zuständiger Stelle überzeugt, daß oft Barbestände von einer halben Million Francs vorhanden waren. Daß dies ein materielles Opfer bedeutete, wird jeder einsehen. Um so mehr muß der Geschäftsgang unserer Bank im Jahre 1912, in welchem sie sich als finanzielles Rückgrat unserer Kolonisation bewährte und zugleich einen entsprechenden Reingewinn erzielte, als recht befriedigend bezeichnet werden. Aus den Städten Jerusalem, 5. März. Die Bestrebungen, hier eine einheitlich organisierte Gemeinde zu schaffen, gewinnen immer mehr an Boden. Das Losungswort heißt: „Edah m’schalemeth“ zu deutsch wörtlich: „eine zahlende Gemeinde", gemeint ist jedoch: „eine Gemeinde von zahlenden* Mitgliedern". Die Forderung geht nämlich dahin, daß sich eine Gemeinde konstituiere, deren Mitglieder, wie dies überall üblich, durch jährliche Abgaben für die Bedürfnisse der Gemeinde aufkommen, anstatt daß die Ausgaben der Gemeinde, wie bisher, von den Chalukah- Verwaltungen bestritten werden. Da das türkische Staatsgesetz für eine von seiten der Gemeinde durchzuführende Besteuerung keine sichere Handhabe bietet, so hängt die Entrichtung von Gemeindesteuern ganz vom guten Willen der einzelnen Mitgliedern ab und hat daher mehr den Charakter einer Selbstbesteuerung. Nachdem man in Jaffa auf diesem Wege gute Erfahumgen gemacht hat, will man ihn auch hier beschreiten. Glücklicherweise empfinden es jetzt bereits weite Bevölkerungskreise als eine persönliche Schande, von der Chalukah auch nur indirekt Nutzen zu ziehen, indem man durch sie von der Abgabe von Gemeindebeiträgen enthoben wird. Man begreift auch, daß alle die edlen Bestrebungen zur Hebung Jerusalems, die an mancher Stelle zutage treten, so lange von keinem dauernden Erfolg gekrönt sein werden, als es hier an einer autoritativen Körperschaft fehlt, die allein berechtigt wäre, zumindest in wirtschaftlichen Fragen im Namen der Allgemeinheit zu handeln. Daß die Vorsteher der Chalukah sowie die der alten und neuen Anstalten nicht als Gesamtvertretung der jüdischen Bewohnerschaft Jerusalems gelten können, versteht sich von selbst. Ein Versuch, die hiesige Judenheit zu organisieren, ist ja seinerzeit, nach dem Ausbruche der Krisis in den Wohlfahrtsanstalten und mit Hilfe des seligen Rabbiners Chaim Berlin, unternommen worden. Wenn er auch auf ganz anderer Grundlage aufgebaut war, so daß er gewissermaßen den Todeskeim von vornherein in sich barg, — so war er doch nicht vergebens gewesen. Er half manche Uebelstände beseitigen und gewöhnte vor allem auch die hiesige Orthodoxie an den Gedanken der Gemeindeorganisation, so daß dieser Gedanke ihr jetzt nicht mehr fremd ist. So finden wir auch in dem vorbereitenden Komitee, welches dieser Tage in einer zu diesem Zwecke abgehaltenen Versammlung gewählt wurde. Vertreter sämtlicher Richtungen der hiesigen Judenheit. AL positive Ziele der zu schaffenden Organisation wurden bezeichnet: Wahrung der Rechte der Juden, Verbesserung der ökonomischen Lage und Zusammenschluß der verschiedenen Gemeinden. Hingegen soll sich die zu wählende Gemeindevertretung weder in die religiösen noch sonst in die inneren Angelegenheiten der Chalukah und der einzelnen Anstalten mengen. Vorläufig wurde beschlossen, daß schon die Entrichtung eines jährlichen Beitrages von 2 Frs. zur Mitgliedschaft in der zu gründenden Gemeinde berechtigt. In das provisorische Komitee wurden 13 Herren gewählt. Jaffa, 5. März. Die jüdische Gemeinde in Jaffa hat, um den jüdischen Einwanderern die Orientierung in der Stadt gleich nach der Landung zu erleichtern, in der Nähe des Zollamtes einen Lagerraum gemietet, in welchem die jüdischen Einwanderer ihre Gepäckstücke aufbewahren können. Der jüdische Immi-