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Die Welt · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. .12 373 DIE30KELT grant kann hierdurch ohne Gepäck in die Stadt gehen und sich über Unterkunft, Hotel, Weiterreise usw. erst orientieren. Er ist nicht mehr gezwungen, wie bisher, wenn er mit Gepäck beladen vom Dampfer ausstieg, das erste beste Hotel zu wählen und unnütze Ausgaben zu machen. Der Gepäckaufbewahrungsraum steht unter der Aufsicht des Herrn Chaim Ridnik, welcher die Reisenden auf den Schiffen erwartet und ihnen bei der Landung behilflich ist. Man zahlt für die Aufbewahrung einen Metallik pro Woche, d. i. etwa 5 Centime pro Tag und Stück. Der Aufbewahrungsraum ist täglich von 10—12 Uhr sowie zwei Stunden vor Ankunft und nach Abgang jedes Schiffes geöffnet. Aus den Kolonien Petbach-Tikwah. Auch auf kulturellem Gebiete ist hier Erfreuliches zu berichten. Vor allem kann mit besonderer Genugtuung festgestellt werden, daß auch hier die hebräische Sprache von Tag zu Tag mehr an Boden gewinnt. Der Drang zur Erlernung der hebräischen Sprache ist sowohl den Pflanzungsbesitzern als auch den Arbeitern eigen. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie fleißig ältere Kolonisten und Kolonistenfrauen mit dem Studium unserer nationalen Sprache beschäftigt sind. Offenbar sehen jetzt die Leute ein, daß Hebräisch eben die Kultursprache der Juden Palästinas ist. Auch die hebräischen Abendkurse für Anfänger, die von 58 Schülern besucht werden, gehen gut vorwärts. Hingegen sind die hebräischen Kurse, die man hier speziell für die Jemeniten eingerichtet hat, vorläufig noch nicht von Erfolg gekrönt. Dieser Tage fand hier die Generalversammlung der Kolonie-Bibliothek statt. Zum erstenmal übertrafen die Einnahmen, die fast ausschließlich von Mitgliedsbeiträgen herrühren, die Ausgaben. Dabei konnte die Bibliothek ihre Bücherbestände durch Zukauf vermehren. Es erwies sich gleichzeitig, daß auch die Benutzung der Bibliothek und des Lesesaals seitens der hiesigen Bevölkerung ständig zunimmt. Unsere Kolonie beschloß, im laufenden Jahre 1000 Eres, für Beleuchtung auszugeben. — ln der benachbarten Arbeiterkolonie Ein-Ganim hat sich Dr. M a i s e 1 als Arzt niedergelassen. — In Ein-Chai (früher Ber-Adass) werden viel Eukalyptusbäume angepflanzt. Eine Eukalyptusparzelle umfaßt 350 Dunam. Auf dem Wege zwischen Pethach-Tikwah und Ein-Chai wird jetzt eine Brücke gebaut, wodurch der Verkehr erleichtert werden wird. |~J. M. Pines | Aus Jerusalem kommt die Trauerkunde, daß dort ain Freitag, den 14. d. M. der hervorragende hebräische Schriftsteller und Gelehrte Jechiel Michael Pines, einer der ersten Pioniere des modernen nationalen Palästinagedankens, im Alter von 71 Jahren gestorben ist. J. M. Pines wurde im Jahre 1842 in Rozany. üouv. Grodno, geboren, genoß eine streng traditionelle Erziehung und zeichnete sich frühzeitig durch ungewöhnlichen Scharfsinn und umfassende Kenntnis des talmudischen Schrifttums aus. Neben seinen rabbinischen Studien beschäftigte sich Pines schon in seinen Jünglingsjahren auch mit der neuzeitlichen hebräischen Literatur und reifte alsbald zu einem glänzenden hebräischen Stilisten und geschätzten Publizisten heran, ln seinen religösen Anschauungen auf streng konservativem Boden stehend, wandte er sich mit großer Entschiedenheit gegen die in der hebräischen Literatur der sechziger und siebziger Jahre vorherrschenden Reformbestrebungen und polemisierte in seinen in der Zeitschrift „Ha-Lebanon" erschienenen Aufsätzen namentlich sehr wirkungsvoll gegen M. L. L i 1 i e n b 1 u m , den literarischen Hauptvertreter dieser aufklärerisch-reformistischen Richtung. Später legte Pines seine Gedanken über die religiösen Zeitfragen in einer größeren, ,Ja 1 de Ruch i“ („Meine Geisteskinder') genannten Schrift nieder, in der namentlich die unvergängliche nationale Bedeutung der jüdischen Religion und ihrer Satzungen hervorgehoben wurde. Hierbei muß man sich vor Augen halten, daß damals — es war zu Beginn der siebziger Jahre — der moderne nationaljüdische Gedanke in der hebräischen Literatur noch ganz unbekannt war. Um diese Zeit veröffentlichte Pines auch eine Reihe von Artikeln, in denen er für den Gedanken der landwirtschaftlichen Kolonisation Palästinas mit großer Begeisterung eintrat. Als nun im Jahre 1875, anläßlich des 90. Geburtstages von Sir Moses Montefiore, das Institut „Maskereth Moscheh" für die Interessen der jüdischen Bevölkerung Palästinas in London begründet wurde und die Leitung dieser Anstalt einen geeigneten Vertreter in Palästina suchte, brachten die führenden Kreise der russischen Juden den jungen Pines für diese Stellung in Vorschlag. Und so siedelte denn Pines drei Jahre später (1878) nach Palästina über, wo er bald eine vielseitige Tätigkeit für die Neubelebung des Landes und die Hebung seiner jüdischen Bewohnerschaft entfaltete. Als im Jahre 1882 die ersten Bilu-Pioniere nach Palästina kamen, war es Pines, der ihnen in der Ausführung ihres Vorhabens mit Rat und Tat zur Seite stand. Die Gründung der Kolonie K a t r a, in der sich diese jungen Idealisten niederließen, ist recht eigentlich sein Werk. Pines war dann jahrelang Mitglied der Vertretung des Odessaer Komitees in Jaffa (Waad Hapoel), siedelte aber in den neunziger Jahren nach Jerusalem über und war dort hauptsächlich für die Anstalten des alten Jischub (Altersheim, Bikur Cholim-Hospital, Waad kol Hakolelim usw.) tätig. Dem neuen landwirtschaftlichen Siedlungswerk bewahrte er jedoch auch hier stets werktätiges Interesse und spornte insbesondere die heranwachsende Jugend Jerusalems an, die Landwirtschaft zu erlernen und sich zur Gründung von Ackerbaukolonien in der Umgebung der Stadt zusammenzuschließen. Pines gehörte auch zu den Gründern der Bne-Brith-Loge in Jerusalem, die auf seine Veranlassung die Verwaltung der Nationalbibliothek übernahm. Als das Lehrerseminar des Hilfsvereins in Jerusalem eröffnet wurde, ernannte ihn die Leitung zum Lehrer für Talmud, in welcher Eigenschaft er zur Hebung der Anstalt viel beitrug. Neben seiner öffentlichen und gemeinnützigen Wirksamkeit war Pines auch auf literarischem Gebiete unablässig mit großem Erfolg tätig. Seine in zahlreichen Zeitschriften erschienenen Aufsätze wie seine größeren Schriften zeichnen sich gleichermaßen durch höchste stilistische Vollendung und durch die Gediegenheit ihres Inhaltes aus. Nach dem Ausbruch der Krise in den Jerusalemer Wohlfahrtsanstalten vor etwa zwei Jahren sah sich Pines genötigt, vorübergehend nach Rußland zurückzukehren, begab sich aber bald wieder nach Jerusalem, der Stätte seiner Sehnsucht, wo ihn jetzt ein altes Leiden hinraffte. Sein Tod hat in allen Kreisen des palästinensischen und des russischen Judentums lebhafte Teilnahme hervorgerufen. Die hebräische und jüdische Tagespresse läßt seiner Persönlichkeit und seinem Wirken in längeren Artikeln eine warmherzige Würdigung zuteil werden. Ehre seinem Andenken! M. Z. San i erungsar beit Die „Vossische Zeitung" berichtet: „Die internationale hygienische Untersuchungsstelle in Jerusalem, die das deutsche Komitee zur Bekämpfung der Malaria im Zusammenwirken mit den dort vorhandenen nationalen und konfessionellen Interessengruppen begründet hat, ist neuerdings durch eine Abteilung für Tollwutbehandlung erweitert worden. Bisher mußten'Wutkranke oder Verdächtige nach Kairo gesandt werden. Weiterhin wurden hygienische Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse in den deutschen Kolonien

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