Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 11 (14.3.1913)
- Date
- 1913-03-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 11 345 D!E3^ELT reichlicherer Mittel seine so schön eingeleitete Tätigkeit in größerem Maßstabe ausüben kann. Um der stets wachsenden Arbeit gerecht zu werden, hat der Verband am 1. März d. J. eine eigene Geschäftsstelle eröffnet, von wo aus sämtliche schriftlichen Arbeiten erledigt werden, und wo auch die in seinen Ateliers angefertigten Spitzen zu haben sind. Die Spitzen, welche im Warenhaus A. Wertheim verkauft werden, stammen nicht aus den Schulen des Verbandes. — Die Geschäftsstelle befindet sich im Bureauhaus Börse, Berlin C. 2, Burgstr. 27, Bureau Nr. 11, und ist täglich von 9 -1 und von 3—7 Uhr geöffnet, mit Ausnahme der Sonnabende und Feiertage. REVUE DER PRESSE IG Anläßlich einer Veranstaltung des Vereins der österreichisch-ungarischen Zionisten in New York zugunsten der Jemeniten in Palästina bespricht „Das Jüdische Volk“ (New York) die Bedeutung der zionistischen Jemeniten-Aktion und fordert die amerikanische Judenheit auf, dieses großzügige und für die Zukunft der jüdischen Kolonisation Palästinas hochbedeutsame Hilfswerk tatkräftig zu fördern. Dieselbe Zeitung weist auf interessante „Symptome“ hin, die in jüngster Zeit im Verhalten der amerikanischen Reformrabbiner gegenüber der hebräischen Sprache zutage getreten sind. So wurden in der von den Reformrabbinern anläßlich einer Feier in Cincinnati veranstalteten Bücherausstellung auch zahlreiche hebräische Werke aus dem modernen Schrifttum zum Verkauf dargeboten. Dieselben Reformrabbiner stifteten einen größeren Betrag zur Herausgabe eines hebräischen Buches von Prof. David N e u m a r k über „Die Geschichte der Dogmen im Judentum“. Der Präsident der Central Conference of Reform Rabbis, Dr. Schulman, richtete auf der letzten Konferenz an seine Kollegen einen warmen Appell, die hebräische Sprache zu pflegen. Auf einer von der „Ihriah“ in Cicinnati anläßlich des Hazephira-Jubiläums veranstalteten Feier hielten auch die Dozenten des Hebrew Union College, Prof. Deutsch und Prof. Philipson, längere Ansprachen, in denen sie die Bedeutung der hebräischen Presse und Literatur hervorhoben. In diesen Symptomen sieht das Blatt einen Beweis dafür, daß die jüdischen Reformkreise in Amerika bestrebt sind, ihr bisheriges Verhältnis zur hebräischen Sprache zu revidieren. Unser polnisches Bruderblatt „Wschöd“ in Lemberg bringt in ihrer Nr. 3 einen interessanten Aufsatz von Adolf Stand. Der Balkankrieg und die Juden. Die Nummern 1 bis 7 derselben Zeitschrift enthalten interessau.c Betrachtungen über die jüdisch-ruthenischen Beziehungen von Dt. E. Jiszko, Eine der letzten Nummern behandelt die Frage, ob die landespolitische Betätigung der Juden in Galizien einen integrierenden Bestandteil des zionistischen Programms bildet, — was schon auf einigen galizischen Parteitagen bejahend beantwortet wurde. Die drei Repräsentanten der drei vorhandenen Richtungen hielten in dieser Sache in der Verbindung „Emunah“ Vorträge, über die der .,Wschöd“ ausführlich berichtet. Das jüdische „Tagblatt“ in Lemberg enthält in Nr. Id einen Aufsatz von Dt. Leo Reich, der die Forderungen der Juden bezüglich der bevorstehenden Landtagswahlreform präzisiert. Dieselbe Nummer enthält einen Artikel von Leon Wechsler über die jüngsten Vorgänge auf der Lemberger Universität. In Nr. 2 der Monatsschrift „Der Jid in Paris“ wird dem Plane einer „Federation der jüdischen Vereine in Paris“ ein Leitartikel gewidmet. Die auf Grund einer im Oktober stattgefundenen Vorbesprechung eingesetzte Kommission hat ihre Beratungen abgeschlossen, und die konstituierende Versammlung der neuen Federation wird demnächst stattfinden. Das von der Kommission formulierte Programm enthält u. :>. folgende Punkte: Schaffung eines engeren Zusammenarbeiten^ von französischen und eingewanderten Juden, namentlich auf dem Gebiete der Wohltätigkeitspflege; Verteidigung der Interessen der jüdischen Bevölkerung gegen Angriffe jeder Art. Hierzu führt nun das genannte Blatt u. a. aus: In den letzten 10-15 Jahren ist in dem Vorgehen der französischen Antisemiten eine Wandlung erfolgt. Der Kampf gilt scheinbar nicht mehr den Juden, sondern den „Fremden“. Während nun in früheren Jahren die Juden gegenüber den antisemitischen Angriffen eifrig zusammenstanden und von allen fortschrittlichen Elementen energisch unterstützt wurden, hat es die neue Etikette fertig gebracht, daß selbst radikal gesinnte Kreise das antisemitische Treiben mitmachen oder wenigstens nicht kritisieren, und was noch schlimmer ist, gar manche Juden zeichnen sieh als Beschützer des Vaterlandes gegen die „Fremden“ durch einen besonderen Eifer aus, während die Mehrheit der französischen Juden diesem Kampfe teilnahmslos fern steht, da er nicht offen gegen die Juden gerichtet ist. So stehen in dieser hauptsächlich von den Kleingewerbetreibenden und der (sozialistischen!) Arbeiterschaft ausgehenden Hetze die eingewanderten Juden fast ganz allein da. Für diesen schweren Kampf will die neue Federation die hiesigen Juden sammeln, um die wahren Motive der Angreifer aufzudeckeii mul die antisemitische Hetze solidarisch zu bekämpfen. ln Nr. 1 des „Echo Sioniste” widmet B. B. Joseph S a 1 v :> d o r , diesem Vorläufer des Zionismus auf französischem Boden, einen längeren Artikel. Gewiß fehlen seinen in den verschiedenen religionsphilosophischen Werken niedergelegten zionistischen Gedanken die Präzision unseres heutigen Programms und der Drang zur Tat, der unsere moderne Bewegung charakterisiert. Dagegen mutet uns die Geschichte seiner Wandlung wie ein Ereignis von gestern an. Joseph Salvador, im Jahre 1796 in Montpellier geboren, kam, nachdem er in dieser Stadt seine ärztlichen Studien vollendet, nach Paris. Fr war auf dem besten Wege, sich in den alles mitreißenden Strudel der neu aufflammenden französisch-demokratischen Bewegung zu stürzen, als ein kleines, von der Messe unbeachtetes Ereignis ihn aus dem Geleise zog und ihm neue Bahnen wies: er las unter den kleinen Notizen eines Tageblattes die Nachricht von einem Judenpogrome in einem kleinen Orte Deutschlands. Das Bild dieser Hetze verfolgte ihn seitdem fortwährend. Die Frage nach dem Grunde dieser ewigen Verfolgungen und nach dem Geschick des jüdischen Volkes füllte sein ganzes Leben aus, und seine verschiedenen Werke, darunter „Paris, Rom und Jerusalem“ (1853), dessen Titel an einen anderen Vorläufer des Zionismus, Moses Heß, erinnert, sind nur Variationen derselben Frage unter verschiedenen Gesichtspunkten. ln diesen Schriften greift Salvador mehr die metaphysische Seite der Frage auf. Das jüdische Volk ist für ihn der Träger einer Weltanschauung, und zwar des reinen Monotheismus. Aber im Gegensätze zu den sonstigen Verkündern der jüdischen Mission verlangte Salvador die Schaffung eines Zentrums für den jüdischen Geist in Jerusalem. Der Umstand, daß dieser Gedanke inmitten eines ganz unjüdischen Milieus von einem halb assimilierten Juden ausgesprochen wurde, zeigt uns, daß auch noch in den tiefen Schichten des französischen Judentums ein starker historischer Sinn wohnt, wenngleich derselbe mangels Zusammenhangs mit dem Leben der jüdischen Masse von fremden Gebilden ganz