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Die Welt · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11 LT 343 verheiratete Kolonistensöhne, die dort angesiedelt werden. Noch wichtiger wäre es, wenn überhaupt der Bodenbesitz in der Umgebung unserer Kolonie arrondiert werden könnte. Derartige Bestrebungen sind dem Vernehmen nach auch im Gange. Die Viehzucht macht auch in unserer Kolonie gute Fortschritte. Ein Kolonist aus unserer Tochterkolonie B a t h - Schelomoh gibt an, daß er die Hälfte seines Einkommens von den Erträgnissen seines Viehstandes erzielt. Seine Viehhaltung begann mit einer Kuh, die er vor zehn Jahren kaufte. Seither kaufte er nicht mehr, sondern beschränkte sich auf die Aufzucht des Jungviehes. Jetzt halten auch Nichtkolonisten Milchkühe. Die Viehversicherungsgesellschaft unserer Kolonie zählt jetzt 33 Mitglieder mit einem Viehstand von 220 Tieren und 1100 Frs. jährlichen Beiträgen. — Mehrere Kolonisten pflanzen von neuem Weingärten, da die Nachfrage nach Wein im Steigen begriffen ist. Kleine Nachrichten Nach Zeitungsmeldungen ist die Bahnstrecke von A f u 1 e (Merchawjah) nach D j e n i n bereits fertiggestellt. Der Bahnbetrieb soll demnächst aufgenommen werden und zwar zunächst dreimal wöchentlich. Die Fahrt von Haifa nach Djenin wird 3 Frs. kosten. — Ein jüdischer Arzt, der sich in Djenin niedergelassen hat, weist in einem Artikel im „Hapoel Hazair“ darauf hin, daß in dieser Stadt Raum und Erwerbsgelegenheit für mehrere jüdische Familien vorhanden wäre. Herr Ing. Johann Kremenezky aus Wien hat der landwirtschaftlichen Mittelschule in Pethach-Tikvvah mitgeteilt, daß er bereit sei, auf seine Rechnung eine große Geflügelzucht unter Verwaltung des Schulagronomen anzulegen. Herr J. L. Goldberg erklärte sich bereit, die Kosten eines chemischen Laboratoriums für diese Anstalt zu tragen. In Ness-Zionah werden die fünf Häuschen für die Jemeniten in den nächsten Tagen fertig. Da man bereits vier fertige Wohnungen für die Jemeniten gekauft hat, so werden dort neun Familien Unterkunft finden. Es kommen jedoch immer mehr Jemeniten-Familien in diese Kolonie, so daß man wohl noch neue Häuschen wird bauen müssen. Herr Nathan Straus ist von Kairo nach Europa abgereist, ohne diesmal Palästina zu besuchen. Herr Dr. A. R u p p i n ist von seiner Europareise nach Jaffa zurückgekehrt und hat die Arbeit im Palästinaamt wieder aufgenommen. | Direktor Dr. Lazar Grünhut | Von Rabbiner Dr. H. Wiesel, Hohensalza. Die Geographie Palästinas — ein Spezialgebiet der jüdischen Wissenschaft, das recht stiefmütterlich behandelt wird hat in einer kurzen Spanne Zeit nicht weniger als drei ihrer bedeutendsten Vertreter und Pfleger verloren. Vor mehr als zwei Jahren wurde uns der ausgezeichnete Palästina-Geograph Dr. Hirsch Hildesheimer entrissen; vor anderthalb Jahren verloren wir unseren lieben E. Saphir, und nun ist auch der Nestor der Palästina-Geographen, Dr. L. Grünhut, allzu früh dahingegangen. Mit der tieftrauernden Familie des Verewigten empfinden nicht nur seine nächsten Freunde und Verehrer, sondern auch alle Palästinafreunde den großen Schmerz um den Verlust dieses hervorragenden Palästina- Forschers. Was er auf dem Gebiete der Geographie Palästinas geleistet hat, ist zunächst in folgenden schriftlichen Arbeiten aufbewahrt: 1. Der Raum des Tempels nach Estori haf - Farchi Z. D. P. V., Bd. 31, 1908; 2. Wie viele Beth-El gab es? Jahrb. der jüd.-literarischen Gesellschaft, Bd. 7, 1909; 3. Die Nordwest-Grenze, a. a. O., Bd. 8, 1910; 4. Jazer and its site, Jewish Quarterly Review 1911; 5. Haarez lig’wulotheha — Die Geographie Palästinas nach Estori haf - Farchi, Jerusalem 1912. Aber weit mehr als durch seine Schriften wirkte er für die Palästinakunde durch seine mündliche Belehrung und den persönlichen Verkehr. Viele Leiter der wissenschaftlicharchäologischen Institute in Palästina wandten sich an ihn um Aufklärung und Belehrung in geographischen Fragen. Kein Forschungsreisender betrat Palästinas Boden, ohne Dr. Grünhut aufzusuchen; bei ihm holte man sich Auskunft und Rat für die Inangriffnahme wissenschaftlicher Arbeiten, und er erteilte jedem mit größter Bereitwilligkeit die gewünschte Auskunft. Allein nicht bloß auf dem Gebiete der Geographie Palästinas, sondern auch in allen Disziplinen der jüdischen Wissenschaft zeigte er eine bedeutende Sachkenntnis. Er war ein hervorragender Midraschforscher, ein ausgezeichneter Kenner der alten und neuen hebräischen Literatur und nicht zuletzt ein scharfsinniger Talmudgelehrter. Trotz seines mühe- und verantwortungsvollen Postens als Direktor des Deutsch-israelitischen Waisenhauses interessierte er sich nicht nur für alle Fächer der jüdischen Wissenschaft, sondern auch für alle aktuellen Fragen, die das jüdische Volk und Land bewegten. Als palästinensischer Delegierter auf dem VII. Zionistenkongreß schloß er sich der misrachistischen Gruppe an und gab die Anregung zur Gründung einer misrachistischen Musterkolonie. Bei seiner vielseitigen Beschäftigung bewahrte er doch seiner ersten Jugendliebe, dem intensiven Talmudstudium, die meiste Anhänglichkeit. Was er auf diesem Gebiete geleistet, davon wird seine bedeutende Responsensammlung Zeugnis ablegen, für deren baldige Herausgabe seine engeren palästinensischen Freunde hoffentlich Sorge tragen werden. Bereits im jugendlichen Alter bekleidete er eine Rabbinerstelle in Temesvär in seinem Heimatlande Ungarn, nachdem er von sieben der hervorragendsten ungarischen Rabbiner mit glänzenden Rabbinatsautorisationen ausgezeichnet wurde. Nach wenigen Jahren gab er seine Rabbinerkarriere auf, nachdem seine Gemeinde Reformen eingeführt hatte, die mit seinem religiösen Gewissen nicht vereinbar waren. Hierauf folgte er einem Rufe als Direktor des Deutsch-Israelitischen Waisenhauses in Jerusalem, wo er ca. 20 Jahre tätig war. Leider kam er nicht zur richtigen Zeit nach Palästina. Es war eine Zeit, in der eine ideal angelegte Natur, die auf geradem Wege, ohne Schliche und Intrigen das Gute zu erreichen strebte, nicht viel ausrichten konnte. Von den Alten angefeindet und verfolgt, von den Neuen verkannt und verdächtigt, war er stets auf sich selbst angewiesen. Aber sein reines, ehrliches Streben, sein intensives Thorastudium, sein tiefes Versenken in die jüdische Wissenschaft und seine jugendliche Begeisterung für Palästina erhoben ihn über die kleinlichen Kämpfe des Tages. Außer seiner Gelehrsamkeit krönten ihn ausgezeichnete Herzenseigenschaften, wie sie nur einem wahren Talmid- Chacham eigen sind: eine tiefe Religiosität, eine seltene Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit. Sein Haus war eine Sammelstätte für alle Bildungsstrebenden; jeder war ihm willkommen, für jeden hatte er ein freundliches, aufmunterndes Wort. Sein ganzes Fühlen und Denken, Streben und Schaffen war in den Dienst des Idealen, in den Dienst des jüdischen Volkes und der jüdischen Wissenschaft gestellt. Und so wird sein Name fortleben, nicht nur im engeren Familien- und Freundeskreise, sondern auch unter denen, die an dem Wiederaufbau Zions und Jerusalems arbeiten. Zur Diskussion über die Häuserbau-Gesellschaft für Palästina Die „Welt“ vom 7. Februar 1913 veröffentlicht einen merkwürdigen Artikel über den Bau von Eigenwohnungen in Palästina, dessen Verfasser Dr. Elias Auerbach in Haifa ist. Ich möchte bezüglich der geplanten Gesellschaft einige Bemerkungen machen, hauptsächlich um zu prüfen, ob mit diesem Projekt wirklich das Ziel erreicht werden kann, das die Initiatoren sich gedacht haben.

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