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Die Welt · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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342 DIE3$KELT Nr. 11 PALASTINA-ßUNDSCHAU (Von unserem Berichterstatter.) Die Organisierung des Jaffaer Orangen-Exportes Mit den Preisen der Jaffa-Orangen in England geht es bergab. So schlecht wie die jetzige Saison war noch keine vorher, und wenn es so weiter gehen sollte, müßten sich unsere jüdischen Kolonisten, für die der Orangenexport bekanntlich die wichtigste Existenzquelle bildet, auf schlimme Tage gefaßt machen. Schon früher wurde über die von der Gesellschaft „Pardeß" nach Rußland entsandten Vertreter berichtet, die dort eine neue Kundschaft werben sollen. Auf einer breiteren Grundlage haben nun die beiden Banken, unsere Anglo- Palestine Company und die Deutsche Palästina-Bank, die im Orangengeschäft interessiert sind, eine Aktion für die Erschließung neuer Absatzmärkte unternommen. Sie entsandten einen der Jaffaer Vizedirektoren der Anglo-Palestine Company, Herrn M. J. A r w a s , nach Europa. Herr Arwas hat im Laufe einer zweimonatlichen Studienreise nicht nur den gegenwärtigen Hauptmarkt Liverpool, sondern auch die sonstigen in Betracht kommenden westeuropäischen Märkte eingehend studiert. In einer Versammlung, die am Montag, den 17. Februar, in den Räumen der Anglo-Palestine Company stattfand und an der sich, außer den Direktoren der Banken, sämtliche im Jaffaer Orangenexportgeschäft maßgebende Persönlichkeiten beteiligten, erstattete Herr Arwas einen ausführlichen Bericht über die Ergebnisse seiner Reise. Er wies besonders auf die Wichtigkeit der Märkte von Holland (Amsterdam und Rotterda m), aber in allererster Reihe auf Hamburg hin. Die Versammlung führte uns einen Schritt näher zur Erfüllung eines Wunsches, der seit langem von allen, die eine Gesundung des Orangengeschäfts herbeiführen wollen, gehegt wird, nämlich zur Bildung eines allgemeinen Pflanzersyndikats. Nur ein kräftiges Syndikat kann die Eroberung neuer Absatzgebiete, die sich nicht ohne Opfer zustande bringen läßt, durchsetzen und die vielen Uebelstände, die sich in diesem wichtigsten aller Erwerbszweige Judäas allmählich eingeschlichen haben, beseitigen. Die Versammlung sprach sich nun einstimmig für die Bildung eines Syndikats aus und wählte eine Kommission, die die Gründung vorbereiten soll. In dieser Kommission sitzen, neben Vertretern der Anglo-Palestine Company und der Deutschen Palästina-Bank, der Leiter des jüdischen Syndikats „Pardeß", der des deutschen Syndikats sowie eine Reihe angesehener Pflanzer. Das Komitee hat seine Arbeit schon in Angriff genommen. Bei der Zerfahrenheit, dem gegenseitigen Mißtrauen und dem mangelnden Gemeinsinn unter den arabischen Pflanzern ist, trotz dieses guten Anfangs, das Zustandekommen des Syndikats noch immer fraglich. Ist es doch der Anglo-Palestine Company trotz ihrer wiederholten Bemühungen, trotz Versammlungen in Pethach-Tikwa, in denen Herr Direktor Levontin energisch für den Gedanken des Zusammengehens eintrat, noch nicht einmal gelungen, die so viel intelligenteren jüdischen Kolonisten, die doch im Rischoner Weinbauer- Syndikat ein so lehrreiches Beispiel vor Augen haben, zur Syndizierung zu bewegen. Jedenfalls ist ein vielversprechender Anfang gemacht worden, der immerhin zu den besten Hoffnungen berechtigt. Die gegenwärtige Saison, soviel steht schon jetzt fest, wird sehr schlecht abschließen. Für die nächste kann aber noch alles getan werden. Aus den Kolonien Pethach Tikwah. Am Dienstag, den 11. Adar (18. Februar), verschied hier Dr. Elieser Grünhut, der Leiter des vor kurzem von Jerusalem nach unserer Kolonie verlegten Waisenhauses. Dr. Grünhut hat mehr als 20 Jahre für die erwähnte Anstalt in Palästina gewirkt, wobei er noch Muße für gelehrte Forschungen auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiet fand. Eine besondere Stellung nahm er unter den Gelehrten Palästinas in der Frage der Aussprache des Hebräischen ein, indem er für die sogenannte aschkenasische Aussprache eintrat, ln den letzten Jahren seines Lebens entfaltete der Verblichene auch eine lebhafte zionistische und misrachistische Tätigkeit in Jerusalem. Aber er war doch viel zu sehr individualistisch veranlagt, als daß er sich ganz einer organisierten Partei hätte hingeben können. Diese persönliche Note seines Charakters war wohl auch die Ursache, daß er Zeit seines Lebens auch mit der Jerusalemer Orthodoxie trotz seiner anerkannten Frömmigkeit nicht einig gehen konnte und immer ein Outsider blieb. — An dem Leichenbegängnis Dr. Grünhuts nahm die ganze Bewohnerschaft unserer Kolonie teil. Am Grabe widmete Herr Rabbiner Fischmann aus Jaffa im Namen des Misrachi dem Verblichenen einen warmherzigen Nachruf. Herr Dr. Engel sprach im Namen der Jaffaer Tachkemonischule. Es wurden auch noch andere Trauerreden gehalten. Dr. Grünhut hatte während der kurzen Zeit seines hiesigen Aufenthaltes die Sympathien der Koloniebewohner in hohem Maße gewonnen und sein unerwartetes Hinscheiden hat allgemeine Teilnahme hervorgerufen. Ehre seinem Andenken! (Vgl. auch den Nachruf von Rabbiner Dr. Wiesel auf der folgenden Seite.) Die Entwicklung unserer Kolonie macht immer größere Fortschritte. Neue Familien lassen sich bei uns nieder, und es werden neue Orangen- und Weingärten angelegt. Auch in der Wintersaison ruht die Bauarbeit nicht völlig. Es werden jetzt 5 Häuser gebaut, darunter das Schulgebäude der Talmud- Thorah für Mädchen, welches allein ca. 40 000 Frs. kosten wird und wobei, dank dem Schulleiter Dr. Moses Auerbach, viele jüdische Arbeiter Beschäftigung finden. Es muß auch hervorgehoben werden, daß seitdem diese orthodoxe Mädchenschule eine neue Leiterin erhielt, ihr Niveau wesentlich gestiegen ist. — Das Bewässerungswerk unter Leitung des Herrn B. J a f f e entwickelt sich in befriedigender Weise. Es wurde bereits mit mehreren Kolonisten ein Abkommen für fünf Jahre geschlossen. In letzter Zeit befaßt sich der Vorstand unserer Kolonie mit der Frage der gerechten Verteilung der Koloniesteuern unter den Bewohnern. In den anderen kleineren Kolonien, wo die Vermögensverhältnisse der Kolonisten annähernd gleichartig sind, bietet diese Frage keine erhebliche Schwierigkeit. Anders in Pethach-Tikwah, welches fast als eine kleine Stadt gelten kann und wo infolge der verschiedenen Vermögensabstufungen sowie der verschiedenen Kulturen eine einheitliche Steuerverteilung schwer durchführbar ist. Zur Behandlung dieser Frage wurde in der letzten Generalversammlung eine besondere Kommission gewählt. Sichron-Jakob. Unsere Kolonie hat bekanntlich ihren Getreideboden an zwei Stellen, Marach und B u r o c h , die zirka 1—2 Stunden von der eigentlichen Kolonie entfernt sind. Daß dieser Umstand für die Bestellung der Felder äußerst nachteilig ist, braucht nicht besonders betont zu werden. Verlieren doch die Kolonisten täglich einige Stunden des Arbeitstages durch Hin- und Herfahren. Für Marach wird jetzt insofern Abhilfe geschaffen, als dort durch die I. C. A. zehn Häuser für Kolonisten gebaut werden, darunter für fünf un-

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