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Die Welt · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 334 . - ■■ -.. . blES^ELT ein sehr bedeutender Versuch! gemacht, für einen Teil unzulängliche ökonomische Struktur der Jerusalemer der Jerusalemer Bevölkerung Arbeit zu schaffen. Immer- Judenheit völlig erschüttert. Tausende und abertausende hin hörte die Angst vor dem „Chalukaner" nicht auf. Arbeiter und Handwerker, lauter arbeitslustige und an- Und gerade das weite Arbeitsfeld, das Jerusalem bot, spruchslose Menschen, ledizen vergebens nach Arbeit, die große Aufgabe, die sich hier auftat, lähmte die Arum ihr nacktes Leben erhalten zu können. Die tüchtigsten beitslust. Man schreckte vor der Schwierigkeit der Aufunter ihnen, ebenso die hoffnungsvolle Jugend, sehen sich gäbe zurück. Denn nach wie vor galt die landwirtgezwungen, schweren Herzens die Stadt und das Land schaftliche Kolonisation als die Hauptaufgabe, zu verlassen. Noch schlimmer womöglich als die wirtnach wie vor wollte man in der Landwirtschaft beinahe schaftlichen sind die sanitären und hygienischen Verhältden einzig gangbaren Weg sehen, um die jüdische Benisse der Stadt. Während die kleinen Gruppen der vervölkerung des Landes wirtschaftlich' zu sanieren. Für schiedenen christlichen Kolonien von Tag zu Tag ihren die Landwirtschaft aber kam die Jerusalemer Bevölke- Besitzstand in Jerusalem und der Umgegend vermehren, rung nicht in Betracht, weil man ihr erstens die Eignung die schönsten und besten Plätze an sich' reißen, leben hierfür schlechterdings nicht Zutrauen konnte und weil die jüdischen Massen in engen, schmutzigen, ungesunman, zweitens, für die landwirtschaftliche Betätigung den Stadtvierteln, das Ansehen der Juden in der Stadt enorme Summen haben zu müssen glaubte. ebenso wie die Gesundheit der jüdischen Bevölkerung Nim ist es aber der Segen der Arbeit, daß sie, neues untergrabend. Schwerer noch hat der jüdische Name schaffend, immer neue Aufgaben und zugleich auch neue unter dem Umstand zu leiden, daß unser heiligstes Mittel und Wege ans Tageslicht fördert Die natürliche Erbgut, die altertümlichen Ueberreste unserer glorreichen Entwicklung der Arbeit schuf auch hier neue Möglich- Vergangenheit sich in höchst verwahrlostem Zustand bekeiten. In der Landwirtschaft wurde das Bedürfnis nach finden, der Schmach und dem Hohn unserer Feinde preisneuen Methoden reif, die die Seßhaftmachung von gegeben. Dieser Umstand dürfte unseren historischen arbeitslustigen und genügsamen Elementen mit verhält- Ansprüchen im Bewußtsein der Fremden mehr Abbruch nismäßig geringen Mitteln ermöglichen sollten. Aus dietun, als unsere tatsächliche politische und wirtschaftsem Bedürfnisse heraus, das mit unserer Arbeiterfrage liehe Schwäche. eng verbunden ist, sind die Lehrfarmen, Arbeiter- und Nun gilt es, hierin Wandel zu schaffen. Es ist unsere Siedelungsgenossenschaften des Nationalfonds resp. der Ehrenpflicht, eine Hilfsaktion für Jerusalem in die Wege P. L. D. C., wie auch die Arbeitersiedelungen des Odessaer zu leiten. Ein großzügiges Wohlfahrtswerk tut hier not, Komitees (Beer-Jacob, Ein-Ganim und neuerdings Nachbei dem sich die verschiedensten Schichten und Richlath-Jehuda) entstanden. In letzter Zeit wurden auch vieltungen unseres Volkes treffen könnten. Denn das Zauverheißende Versuche mit Gartenstädten und Industrieberwort „Jerusalem" hat selbst dort noch seine Wirdörfem beschlossen und unternommen. In diesen Zukung nicht verloren, wo man unseren Hoffnungen auf sammenhang gehören auch die Bestrebungen zur Ansiedenationale Wiedergeburt im Lande der Väter kühl gegenlung der Jemeniten. übersteht. All diese Erfahrungen und Versuche haben ohne Den Anfang für dieses große Hilfswerk will jetzt das Zweifel eins erwiesen: daß es möglich ist, größere Odessaer Komitee der Chowewe-Zion machen. Der Vor- Massen in der Landwirtschaft resp. in einer kombinierten sitzende des Komitees, Herr Ussischkin, der vor Wirtschaft von der Art der Gartenstädte mit Verhältniskurzem in Palästina weilte und dort die Verhältnisse an mäßig kleinen Mitteln unterzubringen, so daß die über- Ort und Stelle studierte, gelangte zu der Ueberzeugung, große Angst vor den angeblich unerschwinglichen Kosten daß die Fürsorge für Jerusalem zurzeit unsere erste und bedeutend abgenommen hat. Andererseits wurde durch wichtigste Aufgabe bilden müßte. Auf seinen Antrag die mit den Jemeniten gemachten Erfahrungen die frühere beschloß das Odessaer Komitee in seiner jüngsten aschkenasische Exklusivität in der Kolonisation durch- Sitzung, den Anfang nach dieser Richtung zu machen brochen. Man wurde auf die zahlreichen, heute meistens und beim Komitee einen speziellen Fonds für diesen arbeitslosen Lastträger, Steinhauer, Kutscher u. dgl. aus Zweck zu schaffen. Es sollen nämlich! nach Art der Tellerder Mitte der orientalischen Gemeinden Jerusalems auf- Sammlungen am Erew-Jom-Kippur für Landkauf in Palämerksam, die bei einer vernünftigen Kolonisationspolitik stina, die im letzten Jahre den Betrag von 100 000 Frcs. ein sehr gutes Menschenmaterial abgeben würden. erreicht haben dürften, am Purim spezielle Sammlun- Zu diesen und ähnlichen Erwägungen, die eine systegen für das Jerusalem-Hilfswerk veranstaltet werden. Das matische planvolle Hebungsarbeit in und um Jerusalem Komitee erwartet, daß diese Sammlungen mit der Zeit wünschenswert und möglich erscheinen lassen, gesellte mindestens die gleiche Beliebtheit und den gleichen Ersieh in letzter Zeit das wichtigste Moment — das p o 1 i - folg erzielen werden, wie die Sammlungen am Erewtische. Die großen Ereignisse auf dem Balkan haben Jom-Kippur. Da diese eine unablässige Steigerungstenin Palästina und auswärts die Erkenntnis gefördert, daß denz aufweisen, so ist anzunehmen, daß auch' die Purimwir alles daran setzen müßten, um in Jerusalem, wo wir Sammlungen mit der Zeit eine ansehnliche Höhe erreichen tatsächlich die. Mehrheit bilden, einen realen Machtfak- und einen wichtigen Faktor für das Jerusalemer Hilfstor, eine wirtschaftlich und sozial widerstandsfähige Kraft werk bilden werden. zu bilden, damit man in entscheidender Stunde mit uns Aus diesen Mitteln will das Komitee nach Möglichrechnet keit alle Bestrebungen fördern, die auf die Mehrung All diese Momente vereinigten sich, um die Jerudes jüdischen Bodenbesitzes in der Stadt und der Umsalemfrage in den Vordergrund des Interesses zu rücken. gegend, auf die Schaffung von neuen, hygienisch befrie- In einsichtsvollen Kreisen bricht sich überall die Erkenntrügenden Stadtvierteln, ferner auch auf die Anlage von nis Bahn, daß wir die unerläßliche Pflicht haben, an landwirtschaftlichen Siedelungen, speziell von Gartendas dringend gewordene Hebungs- und Sanierungswerk städten in der Nähe der Stadt ausgehen. Daneben will zu schreiten. Und Arbeit gibt es zur Zeit sehr viel. das Komitee sich nach Kräften die Fürsorge für unsere War Jerusalem schon von jeher die klassische Stätte der historischen Heiligtümer angelegen sein lassen. Not und Armut, so hat sich die Lage in den letzten Hoffentlich gelingt es dem Odessaer Komitee, das Jahren noch bedeutend verschlimmert Die Wirtschaftlängst dringend gewordene Hilfswerk für die ewige liehe Krisis, die vor zwei Jahren ausbrach und seither Metropole des jüdischen Volkes in die Wege zu leiten, nicht überwunden werden konnte, hat die ohnehin sehr M. G.

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