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Die Welt · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE WELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ----- ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHKG. BERLIN, 14. März 1913 T^nn 'S ttx 'n Nr. 11. IMHAI T* Eine Hilfsaktion für Jerusalem — WELTCHRONIK — A. CORALNIK: Der Neo- Antisemitismus UNI lrtLl . _ PALÄSTINA-RUNDSCHAU — REVUE DER PRESSE — AUS DER BEWEGUNG — LITERA¬ RISCHE RUNDSCHAU — SPRECHSAAL — Geschäftliche Nachrichten — Mitteilungen des Hauptbnreaus des J. N.-F. Eine Hilfsaktion für Jerusalem Wer die Entwicklung der Verhältnisse in Palästina verfolgt, konnte die Beobachtung machen, daß sich dort seit einiger Zeit in den verschiedensten Kreisen, die des alten Jischub nicht ausgenommen, eine Bewegung zugunsten eines systematischen Hilfs- und Sanierungswerkes für Jerusalem geltend macht. Auch in den zionistischen und palästinafreundlichen Kreisen der Diaspora ringt sich allmählich die Erkenntnis durch, daß die Hebung Jerusalems zu den wichtigsten und vornehmsten Aufgaben unseres Regenerationswerkes zählt. Diese Erkenntnis ist jüngsten Datums und bedarf noch der dauernden und unverdrossenen Propaganda, bis sie auch unsere Praxis beeinflussen wird. Es ist noch nicht lange her, daß die zionistische Organisation und die Chowewe-Zion als solche kein inneres Verhältnis zu Jerusalem hatten. Erst der späteren Entwicklung der Bewegung war es Vorbehalten, die uralte Metropole unseres Volkes wieder zu Ehren zu bringen, ihr in unserem Tun und Trachten den gebührenden Platz zu verschaffen. Daß wir aber bis jetzt gerade der Hauptstadt des Landes unserer Hoffnungen so wenig Beachtung schenkten, dafür gab es gewisse, von historischer Perspektive aus betrachtet, unvermeidliche Gründe. Die alten Chowewe-Zion waren Entdecker und Erfinder in ihrer Art. — Sie entdeckten ja das Problem des Golus und der Wiedergeburt — und waren daher einseitig, wie alle Leute dieser Art. Sie erblickten die Hauptursache für das Abnormale unseres Volkslebens in der Boden- und Wurzellosigkeit, im Fehlen des bodenständigen Bauerntums, das aus der Kraftquelle der Mutter Erde schöpft, und deshalb stellten sie ihre Sache ausschließlich1 auf den Bauer. Das Dorf, die landwirtschaftliche Siedlung, war das Um und Auf der Chibbath- Zion-Bewegung. Für die städtische Kolonisation hätten die Chowewe-Zion weder Verständnis noch Interesse. Sie machten auch' für das uralte romantische J erusa- 1 e m keine Ausnahme. Diese Romantiker par excellence wollten von Romantik nichts wissen. Sie waren aus der Schule der rationalistischen Haskalah gekommen und wollten um jeden Preis kühl vernünftig und praktischnüchtern bleiben. Auch für die einfache Erwägung, daß die jüdische Bevölkerung Jerusalems, die mehr als die Hälfte der jüdischen Gesamtbevölkerung Palästinas ausmacht, für die praktischen Ziele der Bewegung, für die Gewinnung von Einfluß im Lande eine sehr beträchtliche Größe darstellt, blieben die Chowewe-Zion unzugänglich. Sie gingen daran, neues Leben im Lande zu schaffen und wollten von allem Alten, Morschen nichts wissen. Sie hatten ein unüberwindliches Vorurteil gegen den „alten Jischub“, gegen die Leute der Almosen und der Chalukah. Hatten die Chowewe-Zion für die Städte Palästinas im allgemeinen nichts oder nur sehr wenig getan, so befand sich Jerusalem gegen die anderen Städte noch insofern im Nachteil, als es auch indirekt durch die Arbeit der Chowewe-Zion keine Förderung erfuhr. Während die jüdische Bevölkerung in Jaffa und Haifa und z. T. auch in T i b e r i a s und S a f e d in den landwirtschaftlichen Kolonien, die in der Umgegend dieser Städte gegründet wurden, einen mächtigen wirtschaftlichen Rückhalt fand, blieb Jerusalem auch von diesem Vorteil ausgeschlossen, da während dieser ganzen Zeit in der Nähe der Stadt — von dem unbedeutenden M o z a abgesehen — landwirtschaftliche Siedeiungen nicht gegründet wurden. Dieses Verhältnis änderte sich auch nicht, als später die große Bewegung des politischen Zionismus einsetzte. Die Grundlagen der zionistischen Politik sollten ursprünglich nicht i n Palästina, sondern für Palästina geschaffen werden; jede praktische Arbeit im Lande selbst wurde zunächst überhaupt abgelehnt. Und als dann später nach langen schweren Kämpfen die real-politische Richtung in der Bewegung siegte und die zionistische Organisation ihre segensreiche Tätigkeit im Lande begann, da sollte es noch eine geraume Weile dauern, bis die Reihe an Jerusalem kam. Die Glanzleistung des Jüdischen Nationalfonds auf dem Gebiete der städtischen Kolonisation, Tel-Awiw, wurde nicht Jerusalem, sondern Jaffa zuteil. Freilich wurde Jerusalem nicht ganz übergangen. Sobald man in Palästina praktische Arbeit zu leisten begann, konnte man sich nicht mehr der Einsicht verschließen, daß es in Jerusalem tausende und abertausende Menschen gibt, die gerne arbeiten würden. Mit der Gründung des „Be za lei“ wurde auch

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