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Die Welt · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 10 310 DIE2&ELT REVUE DER PRESSE Die Berliner Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen „Plutus“ veröffentlicht in ihrer Nummer vom 22. Febr. d. J. einen Artikel von Hans Goslar über „P a 1 ä s t i n a". Wir entnehmen dem interessanten Aufsatze folgende bemerkenswerte Ausführungen: „ . . . das Gelingen der Restaurierung und Konsolidierung des gegenwärtig in seinen Grundfesten erschütterten (türkischen) Reiches wird davon abhängen, in welchem Maße es die neuen Machthaber verstehen werden, den alten Besitzstand an fruchtbaren asiatischen Provinzen zu kultivieren und ihn durch Reorganisation der Gesetzgebung und des Beamtenkörpers, sowie durch verständnisvolle Mitarbeit an der agrikulturellen Hebung vieler entwicklungsfähiger Landesteile zu Juwelen der türkischen Krone zu machen. Es ist zuversichtlich zu erwarten, daß auch die europäischen Geld- und Ratgeber der Türkei ihre Vorschläge zur Wiederbelebung des türkischen Reiches in ähnlich klingende Formeln kleiden und ferner an der praktischen Durchführung dieser Reformen durch Gewährung neuer Mittel sich beteiligen werden. ... So sei denn hier von den Gebietsteilen der asiatischen Türkei, denen eine große landwirtschaftliche, kulturelle und vielleicht auch industrielle und kommerzielle Zukunft vorauszusagen heute nicht mehr sehr schwer ist, die Aufmerksamkeit auf das alte Kulturgebiet am südöstlichen Mittelmeerbecken gelenkt, das wir, wenn auch nicht ganz im Einklang mit der heutigen türkisch-administrativen Einteilung, als Palästina zu bezeichnen pflegen. . . . Eine Zergliederung der Jaffaer Handelsstatistiken zeigt, daß das Palästina von heute noch fast vollkommen Agrarland mit vorwiegend Gartenkultur und Baumzucht ist. Die Erzeugnisse des Olivenbaums und der Orangenkultur liefern einen Hauptanteil am Export, aber auch die ebenso wie die besonders von England sehr gesuchten Jaffaorangen sich immer mehr in Europa Bürgerrecht verschaffenden Palästinaweine der jüdischen und deutschen Kolonien spielen eine nicht unerhebliche Rolle. In der Tat weist auch die palästinensische Landwirtschaft seit einiger Zeit sehr erfreuliche Fortschritte auf und berechtigt, wenn erst in zunehmendem Maße europäisches Kapital zur Anlage von Versuchsstationen interessiert wird, von denen neuerdings einige in Tätigkeit, andere im Entstehen begriffen sind, zu großen Hoffnungen. Neben der schon jetzt florierenden Kultur des Oelbaums, des Maulbeerbaums, der Olive, des Mandelbaums und einer ganzen Reihe von Obstbäumen wird auf dem noch immer wie in der biblischen Vorzeit außerordentlich fruchtbaren Boden Palästinas Weizen, Gerste, Hafer und Durra, wie auch mehrere Gemüsearten mit wachsendem Erfolge angebaut. Versuche, die bei systematischer Durchführung lohnende Resultate versprechen, werden mit dem Anbau von Caravonica-Baumwolle und Tabak gemacht. Auch die Agave gedeiht sehr gut und ihrer Kultur soll in Zukunft erhöhte Aufmerksamkeit zugewandt werden. Die Industrie hat ebenfalls, was manche Erwerbszweige, wie Seifenfabrikation und Olivenkernverarbeitung, anbetrifft, sehr an Ausdehnung gewonnen. Die kräftig anwachsende Landwirtschaft, die mit modernen Hilfsmitteln arbeitet, begünstigt das Entstehen der Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen aller Art. Wird aber erst einmal mit der Ausnutzung der Wasserkräfte des Jordan und der Mineralschätze des Toten Meeres eine systematische Industrialisierung des Landes einsetzen, für die heute schon in der Montan-, Textil-, Leder- und Maschinenindustrie gewisse, wenn auch noch kleine Anfänge vorhanden sind, so wird sich zeigen, daß Palästina nicht nun als Agrarland, sondern auch als Land mit industriellagrarisch gemischter Wirtschaft eine Zukunft hat." Nachdem der Artikelschreiber des weiteren auseinandergesetzt hat, daß die landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung des Landes im engsten Zusammenhänge mit der jüdischen .Einwanderung und dem jüdischen Kolonisationswerk der letzten dreißig Jahre steht, fährt er folgendermaßen fort: „Die jüdische Einwanderung, deren außerordentlich nachhaltigen Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes auch die in der ersten Zeit recht mißtrauischen türkischen Behörden wiederholt offen anerkannt haben, hat aber nicht nur in der Landwirtschaft Erfolge gezeitigt; von großer Bedeutung für das Kreditwesen des ganzen Landes ist z. B. auch die Anglo-Palestine Company geworden, das Bankinstitut, das die zionistische Organisation zur finanziellen Förderung und Durchführung des Ansiedlungswerkes errichtet hat. Wie von maßgebender türkischer Seite vor nicht allzu langer Zeit zugegeben wurde, hat die Bank, die straffe europäische Zahlungsmethoden einführte,, revoltierend auf den gesamten Kredit und Zahlungsverkehr gewirkt. Die Bank, die mit einem eingezahlten Kapital von 2 Mill. M. arbeitet, verwaltet über 4 Mill. M. Depositengelder und konnte in den letzten vier Jahren regelmäßig Dividenden von 4o/0 zahlen. Sie bevorschußt schwimmende Waren, verkauft Schecks auf europäische Plätze und diskontiert Wechsel zum Satze von ungefähr 8—9 o/o. Ihre Haupttätigkeit aber liegt in der Gewährung von Agrarkrediten und in der Unterstützung der städtischen Bautätigkeit, die der Behebung der empfindlichen Wohnungnot dienen soll. Die Gewährung von Agrarkrediten geschieht derart, daß sich in den ländlichen Siedlungen Gruppen von meist in gleichen Vermögensverhältnissen befindlichen Kolonisten zusammenfinden, die für die gewährten Darlehen solidarische Haftung übernehmen, so daß der Kredit sich als Genossenschaftskredit charakterisiert. Die Bedingungen, unter denen diese Kredite gewährt werden, sind in der Regel Rückzahlung nach zehn Jahren und eine Verzinsung von 5r/s bis 6 *>/<,. In derselben Form vollzieht sich die Kreditgewährung an städtische Baugesellschaften, nur daß hier meist das Darlehen erst nach 18 Jahren zurückzuzahlen ist. In jüngster Zeit ist in Jaffa und Haifa der Bau ganzer jüdischer Stadtviertel, die in hygienischer und architektonischer Beziehung zu dem Besten bisher in Palästina geschaffenen gehören, durch die Mitwirkung der Bank ermöglicht worden. Eine andere Institution der zionistischen Organisation, die an dem Aufschwung Palästinas nicht unbeteiligt ist, ist der über ein Kapital von über 3 Mill. M. verfügende Jüdische Nationalfonds. Ihm fiel die Aufgabe des Bodenerwerbes, der Amelioration, Parzellierung und Weiterverpachtung - an jüdische Einwanderer, die sich der Landwirtschaft widmen wollen, zu." Goslar schildert hierauf die segensreiche Tätigkeit des Nationalfonds hinsichtlich der Ansiedlung der Jemeniten und schließt seinen Aufsatz mit dem Hinweis auf die hervorragende Eignung gerade der europäischen Juden für die landwirtschaftliche und industrielle Erschließung des alten Kulturlandes Palästina, ihrer Stammesheimat, in die sie die Errungenschaften westlicher Gesittung verpflanzen wollen. In den letzten drei Heftender „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“ finden wir einige Abhandlungen, die geeignet sind, nicht nur im Kreise der Statistiker und Fachleute, sondern auch bei allen, die sich mit dem Judentume beschäftigen, großes Interesse hervorrufen. Das Dezemberheft brachte einen sehr lehrreichen Auszug aus der demnächst erscheinenden Arbeit Wlad. W. K a p - lan-Kogans (Köln) über „Die Wanderbewegung

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