Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 10 (7.3.1913)
- Date
- 1913-03-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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308 DIE LT erhalten werden, wird ebenfalls in hebräischer Sprache erteilt. Es verdient Anerkennung, daß in diesen Schulen besonderes Gewicht auf die Ausbildung im Gemüsebau und in. der Blumenzucht gelegt wird. Dieser Tage erschien eine stattliche Sammlung Erzählungen von B a r s i 1 a i. Der Stoff zu allen elf Erzählungen ist aus dem palästinensischen Leben der Gegenwart entnommen. B a r s i 1 a i hat in den 26 Jahren seiner palästinensischen Wirksamkeit fast alle Phasen der neuen Kolonisation mitgemacht. Seine belletristischen Darbietungen sind aber nicht didaktischer, sondern rein erzählender Natur. Die Schilderung „Brot und Wasser" aus dem Leben der Jerusalemer Jemeniten verdient wohl besonders erwähnt zu werden. Die Sammlung wird durch ein Vorwort von A. S. R a b i n o w i t z, das auch eine Biographie von J. Eisenstadt (Barsilai) bietet, eingeleitet. Es wäre zu wünschen, daß bald ein zweiter Band dieser Sammlung erschiene. Aus den Städten Jerusalem, 16. Februar. Dieser Tage traf hier Frau Eva Lion aus New York mit zwei amerikanisch-jüdischen Krankenschwestern ein. Frau Lion ist von einem amerikanischen Verein jüdischer Frauen beauftragt, in Jerusalem eine Anstalt zur Ausbildung jüdischer Krankenschwestern ins Leben zu rufen. Dem Vernehmen nach wird auch diese Schule von Herrn Nathan Straus, der z. Zt. in Kairo weilt, tatkräftig gefördert werden. Gleichzeitig ist auch Herr Grün, der die Familie Straus auf ihrer diesmaligen Orientreise begleitet, hier eingetroffen. Einige hiesige jüdische Gelehrte beschlossen die Gründung eines jüdischen Vereins für Palästina- Kunde. Die Idee fand auch in Jaffa großen Anklang und es soll dort eine Abteilung dieses Vereins gegründet werden. Auch die Jerusalemer jüdischen Aerz+e haben sich nunmehr — gleich ihren Kollegen in Jaffa — zu einer medizinischen Gesellschaft vereinigt. Bei der ersten Zusammenkunft wurden die Verhandlungen in hebräischer Sprache geführt. Trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse ist bei den Jerusalemer Juden doch der Sinn für literarische und künstlerische Genüsse rege. Dieser Tage wurde hier das von David Je llin nach Schillers „Teil" hebräisch bearbeitete Drama „Bar Giora" bei überfülltem Saal aufgeführt. Der Autor und die Darsteller wurden lebhaft akklamiert. Jaffa, 16. Februar. Seit einigen Monaten besteht hier ein Komitee für „Gemiluth-Chessed" (zinslose Darlehen), dem ca. 6000 Frcs., darunter 5000 Frcs. von Herrn Mankewitz (Wilna), zur Verfügung stehen. Herr Oberrabbiner K u k ist Vorsitzender des Komitees. Vorläufig werden nur Beträge bis 100 Frcs. verliehen, jedoch hofft man auch bis 200 Frcs. verleihen zu können, sobald das Komitee über ein Kapital von 10 000 Frcs. verfügen wird. Die Rückzahlungen erfolgen auch in kleinen Raten. Den jüdischen Handwerkern kommt diese Förderung sehr zu statten. Wie bereits mitgeteilt, wurde in einer Generalversammlung der Bewohner des jüdischen Stadtviertels T e 1 - A w i w beschlossen, in diesem Stadtteil einen Konsumverein zu begründen. Die Notwendigkeit dieser Gründung ergab sich aus dem Umstande, daß einige Kaufleute die Entfernung Tel- Awiws vom Mittelpunkte der Stadt zum Anlaß nahmen, um höhere Preise für Lebensmittel usw. zu fordern. Seit einiger Zeit hat nun der neue Konsumverein seinen Laden, der unter der Aufsicht eines Komitees und unter Leitung von Frau H o o f i e n steht, eröffnet. Die Billigkeit der Preise sowie die peinliche Sauberkeit und gefällige Ausstattung des Ladens befriedigt allgemein. — Die Anteilscheine des Konsumvereins lauten auf je 100 Frs. Der Verein zählt vorläufig 35 Mitglieder, außerdem hat der Waad (Vorstand) von Tel-Awiw 10 Anteilscheine gezeichnet. Auch der Waad Ha’ir (Gemeindevorstand) entfaltet eine rege Tätigkeit und wird immer mehr als die allein berechtigte . 10 Vertretung der Jaffaer Judenschaft anerkannt. Um Maßnahmen für die Sauberhaltung der Straßen zu treffen, vereinigte er sich mit der B a 11 a d i e (allgemeinen Stadtverwaltung) zur Schaffung einer gemeinsamen sanitären Behörde. Ein Fragebogen, den diese Behörde auch in hebräischer Sprache ausarbeitete, wurde hier in der letzten Zeit verteilt. Herr Rabbiner J. L. Fischmann aus U n g e n i (Rußland) hat hier das palästinensische Bureau des „M i s r a c h i" (Organisation der gesetzestreuen Zionisten) eröffnet. In einer vom M i s r a c h i veranstalteten Versammlung erklärte Rabbiner Fischmann, daß das neue Bureau neben der Propagandaarbeit in Palästina auch den Informationsdienst für jüdische Einwanderer, die sich in Palästina niederlassen wollen, pflegen, ferner auch dem Erziehungswesen, insbesondere der Tachkemonischule seine Fürsorge zuwenden wird. Herr Rabbiner Fischmann ist hier bereits von früheren Besuchen her als eifriger und begeisterter Palästinafreund bekannt. Das Terrain, welches zwischen den beiden jüdischen Stadtvierteln Tel-Awiw und N’weh Zedek liegt und ca. 40000 Meter umfaßt, wurde diese Woche von einer jüdischen Gesellschaft erworben. Dadurch werden nun beide Stadtteile vereinigt werden können. Kleine Nachrichten Nach Angaben aus Jaffa sind im Jahre 1012 im dortigen Hafen 2280 Aschkenasim, 350 Jemeniten und 190 Bucharer Juden gelandet. Von den einwandernden Aschkenasim waren ca. 30 °/u Personen unter 30 Jahren. Ausgewandert sind 1316 Aschkenasim (darunter ca. 500 für kurze Zeit) 98 Bucharaer und 35 Jemeniten. Unter den Auswandernden waren ca. 60 °,o unter 30 Jahren. Die palästinensische Sammelstelle des Nationalfonds brachte im Jahre 1912 4471 Frcs. gegen 1931 Frcs. im Jahre 1911 auf. In Jaffa stiegen die Einnahmen auf 2796 Frcs. gegen 917 Frcs., in Jerusalem auf 833 Frcs. gegen 355 Frcs. im Vorjahre. Herr Emanuel Sachs in Jaffa hat ein Reisebureau für jüdische Touristen, die Palästina und die Nachbarländer besuchen, eröffnet. Von Herrn S. Rafaeli (Jerusalem) wird demnächst ein Buch „Jüdische Münzen" mit vielen Abbildungen erscheinen. Herr Rafaeli hat viele Jahre auf diese wissenschaftliche Arbeit verwendet. Dreizehn jemenitische Familien in Pethach -T h i k w a h sind bereits in die vom Jüdischen Nationalfonds erbauten Häuschen eingezogen. Jetzt geht man daran, in diesem Viertel einen Brunnen zu bohren. In Jaffa ist ein Verein der jüdischen Beamten im Entstehen begriffen. Herr M. Frostig, Chefredakteur des Lemberger jüdischen „Tagblatt", weilt jetzt zum zweitenmal in Palästina. Eine Palästina-Fahrt Der „Bund Jüdischer Corporationen“, das „Kartell Zionistischer Verbindungen" und die „Jüdische Turnerschaft" in Berlin haben unter Führung unseres bekannten Gesinnungsgenossen Dr. Theodor Zlocisti eine Wanderfahrt nach Palästina organisiert, an der sich insgesamt 37 Mitglieder der genannten zionistischen Jugendverbände Deutschlands beteiligen werden. Zwei weitere Meldungen konnten leider nicht berücksichtigt werden, weil sie zu spät einliefen. Vielleicht gelingt es jedoch, die beiden Angemeldeten noch mitzunehmen. R e i s e p 1 a n. Die Reiseleitung teilt über die Einzelheiten der Fahrt folgendes mit: Wir treffen uns am Mittwoch, den 12. März auf der Kneipe des Vereins Jüdischer Studenten in München, fahren von München Donnerstag früh ab und sind abends in Triest.