Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 10 (7.3.1913)
- Date
- 1913-03-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 10 DIE3^ELT 304 Jahren tätigen Vereins „Mikra Kodesch“, aus welchem dann der erste „Zion-Verein“ in Galizien entstand, war er auch einer der ersten Förderer der zionistischen Bewegung. Lange Jahre hielt er jüdische Vorträge im bürgerlichen Vereine „Tikwat Zion". Dem Zionsgedanken blieb Dr. Kobak sein ganzes Leben lang treu. Eine große Anzahl bekannter Männer im Zionismus wie Adolf Stand, Salomon Schiller, Ehrenpreis, Thon, Neumark, Braude, zählen zu seinen Schülern. Sein ganzes Leben war reich an Kummer und Sorgen, die letzten Jahre verbrachte er in Armut und Verlassenheit. Mit ihm hat das Judentum wiederum eine jener Persönlichkeiten verloren, die mit all ihrem Können und Wollen im Judentum wurzelten. Am Grabe würdigte Adolf Stand seine Tätigkeit im Namen der zionistischen Organisation. Die Histadruth Ibrith (Einige Worte zur Entgegnung.) Von Josef Lin -Berlin. In der vorigen Nummer der „Welt" war an zwei Stellen von der Tätigkeit, bzw. von der angeblichen Untätigkeit der Organisation für hebräische Sprache und Kultur die Rede. Einmal heißt es da in der Revue der Presse: „Obwohl die Histadruth Ibrith nicht das gehalten hat, was sie versprach, ist das Studium der hebräischen Sprache speziell in Deutschland unter der jüngeren Generation in den letzten Jahren sehr gefördert worden." Ferner ist in derselben Rubrik ein in der „Jüdischen Zeitung" erschienener Offener Brief von Adolf B ö h m an die hebräische Organisation wiedergegeben, worin er darauf hinweist, „daß diese seit drei Jahren bestehende Organisation für die Verbreitung der Kenntnis unserer nationalen Sprache in Westeuropa bisher so gut wie gar nichts geleistet habe." Hierzu möchte ich bemerken: Wenn das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland tatsächlich in den letzten Jahren sehr gefördert worden ist, so ist dies nicht zuletzt ein Verdienst der Histadruth Ibrith, die auf diesem Gebiete durch Errichtung von Sprachkursen, Empfehlung von Lehrkräften und organisatorische Anregungen zu wirken sucht. Wie es damit in Oesterreich bestellt ist, läßt sich von hier aus nicht genau feststellen. An Bemühungen seitens der Zentrale der Histadruth hat es jedenfalls auch dort nicht gefehlt, wie auch Herr Adolf Böhm weiß, der auf die diesbezüglichen Anfragen und Anregungen des Zentralkomitees der hebräischen Kulturorganisation erwiderte, eine österreichische Landesabteilung der Histadruth ließe sich einstweilen nicht begründen, und man müsse sich dort zunächst mit den an einzelnen Orten eingerichteten hebräischen Sprachkursen begnügen. Mit ähnlichen Anregungen hat sich die Zentrale der Histadruth an führende Persönlichkeiten der nationaljüdischen Bewegung in anderen Ländern wiederholt gewandt — häufig mit gutem Erfolge. Solche Vorschläge zu machen, geeignete Ratschläge zu erteilen usw. ist eben eine der Hauptaufgaben der Zentrale. Die praktische Verbreitung des Hebräischen in den einzelnen Ländern muß von den nationalen und zionistischen Kreisen an Ort und Stelle durchgeführt werden. Man kann nicht gut von Berlin aus in Wien oder London hebräische Zeitungen und Bücher verbreiten, hebräische Kurse einrichten usw. Allerdings gehören zum Erlernen der hebräischen Sprache geeignete Lehrbücher — und Herr Böhm verlangt von der Histadruth mit Recht ihre Herstellung und Beschaffung. Das Zentralkomitee der Histadruth befaßt sich aber bereits seit langem praktisch mit dieser ernsten Frage. Die Herstellung eines geeigneten hebräischen Lehrbuches für den Westen befindet sich bereits in Vorbereitung. Eine solche Arbeit muß, wenn sie ihre Aufgabe in vollem Maße erfüllen soll, gründlich vorbereitet werden. Nur wäre es ganz verfehlt, alles darauf zu konzentrieren und etwa zu erklären, solange eine solche Lehrmethode nicht erschienen sei, könne man im Westen nicht hebräisch lernen. In Rußland und Palästina ist in der jüngsten Zeit eine ganze Literatur von hebräischen Sprachmethoden, Lehrbüchern, Grammatiken, Lesebüchern und Anthologien entstanden, die zum Teil auch im Westen mit Nutzen gebraucht werden können, wenn sie auch vornehmlich den östlichen Verhältnissen angepaßt sind. Ich persönlich bin sogar der Ansicht, daß die Bibel in der Hand eines guten Lehrers immer noch das beste hebräische Lehrbuch ist. Jedenfalls ist für denjenigen, der die hebräische Sprache wirklich erlernen will und die damit notwendig verknüpfte, durch die beste Methode nicht ganz zu beseitigende Mühe nicht scheut, auch hier hinreichende Möglichkeit gegeben. Dies lehrt auch die Erfahrung. Wir haben heute bereits in Deutschland und anderen westlichen Ländern ein wenn auch nicht ausgedehntes hebräisches Stammpublikum, das in erfreulichem Wachstum begriffen ist. Und das ist, wie gesagt, in erheblichem Maße dank der stillen Tätigkeit der Histadruth erreicht worden. Gewiß könnte die Histadruth mehr, viel mehr leisten — wenn ihr die entsprechenden Mittel zur Verfügung ständen. Mögen daher diejenigen, die von ihr größere Leistungen fordern, daran mitwirken, daß sie auch die Möglichkeit dazu erhalte. Wenn — wie Adolf Böhm treffend bemerkt — die zionistische Idee der nationalen Einheit auf geistigem Gebiete schon jetzt zur Wirklichkeit werden kann, dann darf eben unseren Freunden zur Erreichung dieses Zieles kein Opfer zu schwer sein. llillllfflililliililllllllllilllM Wir bringen hiermit unseren Lesern zur Kenntnis, dass wir unsere Vertretung für Russland der Firma X. €*. JYfetzl <tz Co. * Xodz *piotrkowska 102 übertragen haben. — Abonnementsbestellungen sowie inseratenaufträge aus Russland können von jetzt ab an diese Adresse aufgegeben werden, ferner an die Zentrale der Firma in Moskau, Mjassnitzkaja, Haus Ssytow und an deren Filialen in 3t. Petersburg, Morskaja 11 * Warschau; Marschaistrasse 130 Wilna, Bolschaja 38. Verlag „Die Welt“ Berlin W15, Sächsische Strasse 8.