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Die Welt · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 303 DIE^ELT liehen Vertretern zu überlassen. Sie warnt nachdrücklich vor der weiteren Verwendung jüdischer Agenten, da die Firmen sonst in kurzer Zeit große Verluste erleiden müßten; so weit sei bereits der Boykott der jüdischen Geschäftswelt gediehen. Die Solidarität der Judenhasser und die Desorganisation des allweltlichen Judentumes — eine traurige Antithese . . . | Dr. Maximilian Steiner Wien. Der Wiener Kultusvorsteher Dr. Maximilian Steiner, der Sonntag, den 2. März, verschied, war ein edler Philanthrop und treuer, begeisterter Sohn des jüdischen Volkes. Er war Mitbegründer des Wiener Asyls für Obdachlose, dessen Schriftführeramt er versah. Dieser Mann, der auf ein reiches Leben zurückblickte — er beging erst vor kurzem in voller Frische den 80. Geburtstag — hatte klar erkannt, daß dem Verfalle im westlichen Judentum nur durch eine Neugestaltung der Jugenderziehung ein Ziel gesetzt werden könnte, formulierte seine Pläne in einer trefflichen Schrift und trat mit allem Nachdrucke im Wiener Kultusvorstande für eine durchgehende Reform des jüdischen Unterrichtes ein. Er entwarf einen neuen Lehrplan, der insbesondere auf intensivste Pflege der Nationalgeschichte und auf freie Zwiesprache zwischen jüdischen Jugendbildnern und Schülern außerhalb des Unterrichtes Wert legte, und forderte Bildung jüdischer Schulgemeinden mit Selbstverwaltung. Neben der Pflege jüdischen Jugendchorgesanges und geselliger Ausflüge lag ihm besonders am Herzen, daß die reifere Jugend durch aktuelle Vorträge über einschneidende, die Juden berührende Ereignisse belehrt werde. So erschien ihm beispielsweise nötig, den Jünglingen die sozialpolitischen Folgen der galizischen Schänkergesetze darzulegen, die Großziehung des Judenhasses vom Tiszla - Eszlärer - Prozeß bis auf Lueger und Hilsner zu besprechen, sowie die dem Taufjudentum innewohnende Mißachtung der eigenen Würde zu brandmarken. Trotz des zähen Kampfes, den er für seine Sache führte und trotz des großen Ansehens, das er im Vorstande genoß, fanden seine Pläne nur geringen Anklang, da sie von assimilatorischer Seite heftig bekämpft wurden. Gleichwohl setzte er es durch, daß im Vorjahre ein seinen Absichten teilweise angemessener Lehrplan probeweise in den zwei obersten Stufen einiger Mittelschulen eingeführt wurde. Anläßlich der heurigen Neuwahlen sagte er in seiner Kandidatenrede, er bewerbe sich nochmals trotz seines Alters um ein Mandat, denn er möchte die nun glücklich inaugurierte Reform der Jugendbildung, welche er als seine wichtigste Lebensaufgabe betrachte, nicht im Stiche lassen. Nun wurde dieser jugendliche Greis durch einen Unglücksfall hinweggerafft: Er stürzte von der Straßenbahn und verletzte sich tödlich. Möge der Wiener Kultusvorstand sich in der Angelegenheit unserer Jugenderziehung als sein gewissenhafter Testamentsvollstrecker erweisen und der ausgezeichneten Worte eingedenk bleiben, mit denen Dr. Steiner die seinen Vorschlägen gewidmete Publikation schloß: „H ier handelt es sich um nichts Geringeres, als um Sein oder Nichtsein. Nur eine vollständige Umkehr, eine an Revolution grenzende Neugestaltung kann zur Palingene s i e führen. Wem das Judentum am Herzen liegt, der greife zu, ehe es zu spät ist." Wir Zionisten werden dem Dahingeschiedenen ein dankbares Andenken bewahren, auch wenn er nicht parteimäßig organisiert war. Er dachte und wirkte im Geiste der jüdischen Moderne. Die Prager Kultusgemeinde für die Jemeniten (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Die Aktion für den Häuserbaufonds des N.-F. zur Unterbringung der Jemeniten hat einen wichtigen Erfolg zu verzeichnen: Die Repräsentanz der Prager Kultusgemeinde hat in ihrer Sitzung vom 2. März beschlossen, für die Jemeniten-Aktion einen Betrag von tausend Kronen beizutragen. Schon vor einiger Zeit hat eine energische Aktion in Prag eingesetzt; es hat sich ein Komitee konstituiert, das durch Subskription schon einen namhaften Betrag aufgebracht hat. Besondere Verdienste hat sich ein Nichtzionist, der vor kurzem Palästina bereist hat und voll stärkster Eindrücke zurückgekehrt ist, der Fabrikant Herr Adolf Glaser, um diese Aktion erworben. In der Sitzung der Kultusrepräsentanz war ursprünglich vom Referenten eine Zuwendung von 500 Kr. beantragt, doch wurde dieselbe auf Antrag des Herrn Dr. Kohner auf 1000 Kr. erhöht. Dieser Umstand ist schon deshalb von Wichtigkeit, weil dieses Verhalten der größten Kultusgemeinde Böhmens sicherlich in weitesten jüdischen Kreisen, auch in den' kleineren Gemeinden, beispielgebend wirken wird. Unsere Kultusrepräsentanz hat durch ihr entschlossenes Vorangehen den Dank aller Palästinafreunde verdient. | Rabbiner Dr. Josef Kobak | (Von unserem Berichterstatter.) Lemberg. Mit Dr. Josef Kobak schied eine der bekanntesten und meistgeliebten Persönlichkeiten unter den Juden Lembergs. Sein Schaffen und Wirken war von großer Bedeutung für die jüdische Wissenschaft und für die Anfänge der zionistischen Bewegung in Galizien. Geboren in Lemberg im Jahre 1828 widmete er sich von Jugend an dem gründlichen Studium des Talmud. Als guter Kenner des alten jüdischen Schrifttums beendigte Dr. Kobak das Gymnasium und seine Studien an der philosophischen Fakultät der Lemberger Hochschule. In jener Zeit stand der junge Gelehrte in engen Beziehungen und wissenschaftlichem Meinungsaustausch unter anderen mit Dr. A. L e w y s o n in Worms, Rabbi Salomon Jehuda Rappaport in Prag und Prof. Samuel David Luzatto in Padua. Als Ergebnis seiner damaligen Arbeiten ist sein Werk „Jeschurun" zu betrachten, dessen erster Band in Lemberg im Jahre 1837 erschien; diesem folgten weitere Bände, der letzte im Jahre 1878 in Bamberg. Der „Jeschurun“ hat für die Wissenschaft des Judentums große Bedeutung erlangt. Dr. Kobak gab seinen Lehrerberuf — den er nach Absolvierung der Studien aufgenommen hatte — bald auf und ging nach Berlin, um seine jüdische und allgemeine Ausbildung in derjenigen Stadt zu vollenden, wo damals an der Wiedergeburt der, jüdischen Wissenschaft eine Reihe hervorragender Männer mit Eifer arbeitete. Unter anderem wurde er hier mit Zacharias Frankel bekannt. In Berlin promovierte er zum Doktor der Philosophie und wurde dann nach Bamberg als Distriktsrabbiner berufen, wo er 20. Jahre lang wirkte und bis auf den heutigen Tag der unvergessene Lehrer seiner Gemeinde geblieben ist. — Im Jahre 1883 kehrte Dr. Kobak nach Lemberg zurück, um seine Geburtsstadt nie mehr zu verlassen. Sein Lemberger Aufenthalt bildete die Glanzperiode seines Schaffens, hier war er vielseitig tätig, und gab unter anderem eine von ihm verfaßte hebräische Grammatik heraus. Seit der Rückkehr nach Lemberg erschien zwar nichts mehr von ihm, doch fanden sich in seinem Nachlasse einige wichtige Manuskripte. Als Begründer des in den achtziger

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