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Die Welt · 1913-02-28 · 9 (28.2.1913) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 9 277 DIE^ELT hochherzige Herr J. Moser aus England bauen ließ, die Einrichtungsstücke, die vielen Lehrmittel für Naturwissenschaft, Physik usw., all dies stellt einen ansehnlichen materiellen Besitz dar, während die -15Ü Schüler und Schülerinnen, die im Geiste der Liebe zu unserem Lande und zu unseren nationalen Hoffnungen erzogen werden und die die hebräische Sprache zu einer festgefügten Gemeinschaft eint, einen großen und wunderbaren national-geistigen Besitz repräsentieren . . . Selbstverständlich gibt es auch manche Eehler beim Unterricht in den allgemeinen und in den hebräischen Lehrgegenständen, in der Erziehung und in der Leitung; aber diese Mängel sind so geringfügig gegenüber den positiven Seiten, daß sie gar nicht in Betracht kommen. Eine ganz neuartige Schöpfung wie das erste hebräische Gymnasium ins Leben zu rufen, war so schwer, die vorhandenen geistigen Kräfte waren so schwach, daß man sich nicht über die Fehler, sondern über die großen Vorzüge wundern muß. Und die Leitung, die Lehrer, die Inspektoren und auch die Schüler selbst . . . streben so sehr, die Anstalt zu verbessern und zu vervollkommnen, daß die Zeit der Vollendung ohne Zweifel bald kommen wird. Noch habe ich hinzuzufügen, daß das Gymnasium eine Zufluchtsstätte für unsere Jugend in Flußland ist, welche nicht die Möglichkeit hat, in eine dortige Schule aufgenommen zu werden; sic kommen hierher und treten in das Gymnasium ein, finden dort Befriedigung und sind gerettet vor der geistigen Not, der eine große Zahl unserer Jugend in den Ländern des Galuth zum Opfer fällt. Durch das Gymnasium wurde die jüdische Siedlung in Jaffa vergrößert und verschönt; das Gymnasium ist der Lebensnerv des Jaffaer Stadtviertels T e 1 - A w i w. Zum Schluß wendet sich Ussischkin an alle jene, die Anteile des Gymnasiums gezeichnet, aber noch nicht voll eingezahlt haben, mit der Bitte, dies sofort zu tun. Das jährliche Budget beträgt jetzt S5 000 Frcs., wovon 60—63 000 rrcs. durch Schulgelder gedeckt sind. Den Rest muß die jüdische Gesamtheit in der Diaspora beisteuern, ähnlich wie die Regierungen aller europäischen Staaten das Budget ihrer Schulen aus Staatsmitteln ergänzen. Dazu ist nötig, daß der Fonds des Gymnasiums vergrößert werde und genügende Zinsen abwerfe. Es wurde darum beschlossen, die Gelder des Fonds zur Errichtung eines großen Gebäudes zu verwenden, das als Pension für die vielen auswärtigen Schüler dienen soll, die gezwungen, sind, hohe Wohnungsmieten an Privatleute zu zahlen. So werden die Schüler auf die beste Weise geeignete Wohnungen finden und die Einnahmen des Fonds aus diesen Zahlungen werden einen ansehnlichen Betrag ergeben. REVUE DER PRESSE Die Wilnaer hebräische Tageszeitung „Hasman“ beschäftigt sich in ihrer Nr. 33 mit dem Leitartikel „Der Nachwuchs“ in Nr. 7 unseres Blattes. Wir hatten in diesem Artikel von der jungen zionistischen Generation in Deutschland, Oesterreich und Holland gesagt; „Dieser junge Nachwuchs ist von anderer Art als die ältere Generation, die heute unsere Bewegung repräsentiert. Diese Jugend fand bereits eine Organisation mit ihren Institutionen vor. Sie betrachtet den Werdegang des Zionismus bereits unter historischen Gesichtspunkten. Sie ist objektiver als die ältere Generation, weil sie von den persönlichen Zu- Sc.amenhängen, die die älteren Zionisten verbinden, ganz frei ist. Sie hat die schönste, die begeisternde Zeit des ersten Aufschwungs der Bewegung nicht miterlebt, aber sie ist programmatisch reifer, weil sie sich mit Bewußtsein dem Zionismus anschloß, als er bereits die Epoche der tastenden Versuche überwunden hatte und zu einer parteimäßig gefestigten, planvoll arbeitenden Organisation geworden war. Von dieser Jugend hängt unsere Zukunft ab.“ Hierzu bemerkt nun der Artikelschreiber im „Hasman“: Man kann nicht sagen, daß alle die guten Seiten, die hier an den jungen zionistischen Akademikern des Westens aufgezählt werden, gar keine Vorzüge im Hinblick auf den Zionismus bedeuten. Eine auf Grund klarer Erkenntnis und programmatischer Reife vollzogene Tat ist gewiß nicht zu unterschätzen. Allein dies ist noch nicht die Hauptsache. Die Hauptsache sind die Bande, die die gegenwärtige Generation mit dem Judentum der Vergangenheit, mit dem alten Judentum verknüpfen. Dieses Verhältnis zur Vergangenheit ist jedoch eine äußerst seltene Erscheinung unter den zionistischen Studenten in Deutschland und Oesterreich. Der deutsche Zionismus hat schon eine mehr als fünfzehnjährige Vergangenheit hinter sich, und noch immer gibt es unter den deutschen Zionisten keine Leute, die hebräisch lesen und verstehen, die sich für unsere Literatur interessieren und sie fördern. Nur auf einen einzigen unter ihnen kann man hinweisen, der die hebräische Sprache erlernt hat, der aber darin keine Nachfolge gefunden hat: Dr. Heinrich Loewe. Dies sind die zionistischen Väter in Deutschland, ihre jungen studierenden Söhne aber sind dem Judentum gänzlich entfremdet. Können wir nun von diesen jungen Akademikern hoffen, daß s i e die Träger des Zionismus und die Erben des väterlichen Besitztums sein werden? Es erübrigt sich, viele konkrete Beweise für die Mangelhaftigkeit der jüdischen Erziehung auch unter den Zionisten in Deutschland anzuführen. Darüber ist im „Hasman“ und in anderen Zeitungen schon oft genug geschrieben worden. Es ist bekannt, daß die jungen deutschen Zionisten nicht hebräisch lernen und nicht einmal imstande sind, einen einfachen Bibelvers zu übersetzen, daß sie also in keiner Weise zum Judentum zurückkehren und aller inneren Fäden ermangeln, die das jüdische Individuum an das Judentum knüpfen. Der Zionismus dieser Kreise gleicht einem Baume, der keine festen Wurzeln im Erdreich gefaßt hat und den jeder Windhauch zu entwurzeln vermag. Angesichts dessen ist es schwer zu begreifen, welche Anhaltspunkte der Artikelschreiber in der „Welt“ für seine Schlußfolgerung hat, daß die Zukunft der zionistischen Bewegung nur auf dem Nachwuchs der jungen Akademikergeneration in Deutschland Andererseits sind die Zustände unter den jungen Studierenden in Rußland lange nicht so schwarz, wie sie der Artikelschreiber in der „Welt“ schildert. Schließlich ist unter den zionistischen Vätern in Rußland der Indifferentismus gegenüber dem Judentum nicht so groß wie im Westen. Auch im Kreise der russisch-jüdischen Jugend läßt ja die jüdische Erziehung viel zu wünschen übrig, aber sie ist nicht so allen spezifisch-jüdischen Inhalts entkleidet wie in Deutschland. Der Hinweis auf die Assimilationsbestrebungen innerhalb der russisch-jüdischen Studentenschaft beweist nicht viel. Daß die überwiegende Mehrheit dieser Studentenschaft keineswegs zur Assimilation hinneigt, haben die verschiedenen Rundfragen gelehrt, die in jüngster Zeit veranstaltet und deren Ergebnisse in der Presse veröffentlicht wurden. Jedenfalls gibt es unter den russisch-jüdischen Akademikern ein großes Kontingent von Zionisten, die nicht nur dem Namen nach und auf Grund des Erwerbs einer Schekelquittung oder einer Kolonialbank- Aktie jüdisch-national sind, sondern vermöge ihrer ganzen Erziehung und ihres seelischen Strebens. Wenn doch die jungen Zionisten in Deutschland ihnen auch erst in zehn Jahren ähnlich wären — wahrlich, wir könnten uns damit zufrieden geben.“

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