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Die Welt · 1913-02-28 · 9 (28.2.1913) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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270 LT Nr. 9 bewohnt, die bisher als bulgarische Staatsbürger mit den übrigen Bewohnern vollständig gleichberechtigt waren. Es entsteht also die Frage, wie sich die rumänische Regierung, die bekanntlich den Juden des Königreichs entgegen den Bestimmungen des Berliner Vertrages die Staatsbürgerrechte vorenthält, zu den jüdischen Bürgern des neuerworbenen Gebiets verhalten wird. Während einzelne österreichische Zeitungen freisinniger Richtung die bulgarische Regierung auffordern, die Rechte ihrer bisherigen Bürger energisch wahrzunehmen, ist in Rumänien selbst ein heftiger antisemitischer Feldzug ins Werk gesetzt worden, um die Gewährung von Bürgerrechten an die Juden des neuen Grenzgebietes zu verhindern. Der judenfeindliche Publizist J. Bursuk veröffentlicht in der Bukarester Tagespresse einen ungemein gehässigen Artikel, in dem er die Regierung warnt, den „Forderungen des internationalen Judentums“ nachzugeben. Die Studierenden der Bukarester Universität haben auf einem großen Protestmeeting eine Resolution im gleichen Sinne gefaßt und gedenken Massenkundgebungen im ganzen Lande gegen die Ansprüche der Juden des neuen Gebietes zu veranstalten. Die amerikanische Einwanderungsbill gefallen New York. Bekanntlich hatte Präsident Taft gegen die von beiden Häusern des Kongresses angenommene Burnett-Bill, die hauptsächlich gegen die Einwanderung osteuropäischer Juden gerichtet ist, sein Veto eingelegt. Nun wurde im Senat der Einspruch des Präsidenten überstimmt und die Vorlage gelangte zur endgültigen Entscheidung an das Repräsentantenhaus zurück. Am 19. Februar fand nun im Unterhaus die Abstimmung in dieser Angelegenheit statt. Dabei erklärte sich das Haus mit 213 gegen 114 Stimmen für die Aufrechterhaltung der Bill. Da jedoch zu einer Ueberstimmung des Vetos Zweidrittelmehrheit erforderlich ist und an dieser fünf Stimmen fehlten, ist die Vorlage kraft des Vetos des Präsidenten gefallen. Der italienische Gemeindebund und die luden in Tripolis (Von unserem Berichterstatter.) Florenz. In dem Interview mit Herrn Rabb. Dr. M a r g u 1 i e s über seine Studienreise in Tripolis (vgl. „Die Welt“ Nr.7) wurde auch darauf hingewiesen, daß der italienische Gemeindebund seinen Schriftleiter Cav. Anselmo Colombo nach Tripolis entsandt hatte, um besonders die administrativen Verhältnisse zu studieren und den Beitritt der Gemeinde von Tripolis zum Gemeindebund zu veranlassen. Nach seiner Rückkehr nach Rom hat nun Herr Colombo einen ausführlichen Bericht über seine Eindrücke und über das von ihm erzielte Resultat veröffentlicht. Vieles, was er über die Lage der Juden sagt, stimmt mit dem überein, was Herr Dr. Margulies in seinem Interview sagte. Herr Colombo hat alle Wohltätigkeitsanstalten der Gemeinde sowie die Schulen besucht und genau studiert. In den Schulen konnte er die lebhafte Intelligenz der Schüler und ihr warmes jüdisches Gefühl wahrnehmen, sowie den Eifer und die jüdische Bildung der Leiter und der Lehrer konstatieren — aber das Programm der Unterrichtsfächer sei zu eklektisch, und es wäre erwünscht, diese Schulen — nach dem Vorschlag des Herrn Colombo — dem Programm der Regierungsschulen anzupassen. Ueber diese Unterrichtsangelegenheiten hatte Herr Colombo mit dem Leiter der italienischen Regierungsschulen, unserem Glaubensgenossen Prof. Giannetto P a g g i, und mit dem Distriktsinspektor des Ministeriums des öffentlichen Unterrichts, Cav. Battignani, lange konferiert und konnte dabei das Verständnis und Entgegenkommen der leitenden Kreise wahrnehmen. In Begleitung des provisorischen Oberrabbiners von Tripolis, Racah, von zwei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und eines Vertreters der Direzione degli Affari Civili (koloniale Zivilbehörde) begab sich Herr Colombo in die verschiedenen Dörfer, die in der nächsten Umgebung von Tripolis liegen, wo sich einzelne Gruppen von Glaubensgenossen finden. Diese Juden hatten von den Arabern und Beduinen in den ersten Wochen nach der italienischen Okkupation viel zu leiden. Die Kommission machte das Kommando auf die traurige Lage dieser armen Juden aufmerksam und wies auf ihre Loyalität hin. Das Kommando versprach, das Schicksal dieser Unglücklichen zu lindem und sie in Schutz zu nehmen. In einer der nächsten Sitzungen des Gemeindebundes wird Herr Colombo ausführlicher über seine Beobachtungen referieren. Herr Colombo wird inzwischen auch die Möglichkeit einer Vereinigung der verschiedenen Gemeinden und zerstreuten Gruppen unter eine allgemeine Leitung, die ihren natürlichen Sitz in Tripolis haben wird, studieren und dann dem Gemeindebund seine Vorschläge in dieser Hinsicht machen. Auch er neigt — wie Herr Dr. Margulies und die Lokalbehörden — zu der Schaffung eines Oberrabbinats für ganz Lybien (Tripolis und Cyrenaica). Einer der Hauptzwecke der Reise des Schriftleiters des Gemeindebundes nach Tripolis war, den Anschluß der Gemeinde von Tripolis an den Gemeindebund zu veranlassen. Aus dem Communique des Gemeindebundes geht hervor, daß dieser Zweck erreicht worden ist. Die Falaschas und die italienische Regierung. Endlich scheint es, daß das Werk des internationalen Pro-Falascha-Comites seiner praktischen Verwirklichung entgegengeht. Nach vielen Propagandareisen des unermüdlichen Forschers Dr. Jacques Faitlovitch in Europa und in Amerika sind vorläufig die Mittel zur Gründung wenigstens einer Falascha-Schule aufgebracht worden. Der Initiative und der unermüdlichen Tätigkeit des Präsidenten des „Internationalen Pro-Falasches-Comites“, Prof. Dr. S. H. Margulies, ist es gelungen, die italienische Regierung zu veranlassen, dem Comite in Eriträa ein Terrain zum Bau der Falascha-Schule abzutreten. Vor einiger Zeit erhielt Herr Dr. Margulies vom Kolonialministerium folgenden Brief, in dem ihm der Entschluß des Ministeriums mitgeteilt wird: „Bezugnehmend auf meinen Brief vom 25. November 1912, Nr. 1, beehre ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß der Gouverneur von Eriträa mich verständigt hat, daß keine Schwierigkeiten bestehen, dem Internationalen Comite und durch dieses Herrn Dr. Faitlovitch ein Bauterrain für die Errichtung einer Schule zu überlassen, unter Beobachtung der für die Konzession von Bauterrains festgesetzten Dispositionen. Ich sende Ihnen gleichzeitig anbei ein Reglement der Konstruktionen für Eriträa. Mit vorzüglicher Hochachtung: Der Ministe r.“ Da so die Erlaubnis des italienischen Ministeriums erlangt war, konnte man an die Arbeit gehen. Wie bekannt, ist Herr Dr. Faitlovitch jetzt in Abessinien, um das geplante Schulwerk einzuleiten. Zu diesem Zweck hat er die beiden Falaschas, J e r e m i a und S a 1 o m o n , bei sich, die ihre Ausbildung im Lehrerseminar des „Hilfsvereins der deutschen Juden“ in Jerusalem erhalten haben. Diese werden die ersten Lehrer der Falascha-Schule sein. Dieser Tage ist Herr Dr. Faitlovitch in Asmara angekommen, wo er mit dem Gouverneur wegen der Abtretung des versprochenen Terrains lange verhandeln mußte. Aus den Mitteilungen, die das Mitglied des Internationalen Comites, Adv. Raffaello Ottolenghi (Acqui), veröffentlicht, geht hervor, daß im letzten Augenblick Schwierigkeiten — politischer Natur — entstanden sind. Die Absicht des Herrn Dr. Faitlovitch war, die erste Falascha- Schule in T e k u 1 zu gründen, weil dieser Ort an das untere Abessinien grenzt und vielen Opportunitätsbedingungen ent-

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