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Die Welt · 1913-02-28 · 9 (28.2.1913) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 9 269 DIE3§KELT die Verbündeten zu zedierenden Gegenden sowie allgemein ihren kutzo-wallachischen und jüdischen Mitbürgern fehlen Eure Exzellenz wissen sicherlich, daß Mazedonien, das einzig den Gegenstand der Sorge der Unterzeichneten bildet, ein Land ist, bezüglich dessen kein einziger Balkanstaat eine Vorherrschaft für sich beanspruchen kann, die durch völkische oder auch nur historische Rücksichten zu rechtfertigen wäre. Tatsächlich ist Mazedonien nicht nur von den Bulgaren, den Serben und den Griechen bewohnt, sondern neben diesen Elementen befindet sich hier auch eine große Anzahl von Kutzo-Wallachen und Juden; und die Mohammedaner bilden hier eine relative, aber imposante Majorität im Vergleich mit jeder einzelnen der anderen Rassen. Unter diesen Umständen und in Rücksicht auf das Nationalitätsprinzip, das eine solche Rolle im gegenwärtigen Kriege spielt, fordert die elementarste Gerechtigkeit, daß Mazedonien der Aufteilung unter die verschiedenen verbündeten Staaten entgehe und ein autonomes Gebiet werde, wo die muselmanischen, kutzo-wallachischen und jüdischen Bevölkerungsteile den Platz einnehmen können, der ihnen nach ihrer völkischen Eigenart und ihrer numerischen Bedeutung zukommt. Diese einzig gerechte Lösung vom politischen Gesichtspunkte aus drängt sich auch ganz besonders gebieterisch vom menschlichen Standpunkte aus auf, weil es ohne sie keine Garantie für das Leben, das Eigentum und die Wahrung der religiösen Interessen dieser drei Elemente, um die es sich handelt, geben kann. Die Massakers, die Beraubungen und die Attentate auf ihr religiöses Bewußtsein, denen sie von seiten der verbündeten Staaten zum Opfer gefallen sind, seit dem Augenblick, da diese das Land besetzten, und die unter den Augen des zivilisierten Europas fortdauern, beweisen nur allzu sehr die Wahrheit dieser Feststellung. Wir ersuchen daher die Mächte im Namen der genannten Bevölkerungen, sich als die Wächter der Prinzipien der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit und der Zivilisation, die sie sind, ins Einvernehmen setzen zu wollen, zu dem Zwecke, daß diesen Bevölkerungen durch Schaffung eines autonomen Mazedoniens der freie Genuß ihrer bürgerlichen, politischen und religiösen Rechte garantiert werde. Wenn, um im besonderen von den Mohammedanern zu sprechen, ein neues Argument den bereits angeführten noch hinzugefügt werden soll, so würden wir sagen, daß die europäischen Großmächte, deren jede, von einem besonderen Gesichtspunkte aus, beträchtliche mohammedanische Interessen besitzt, sicherlich nicht die grausamen Pläne der Verbündeten gegenüber einer so bedeutenden Masse von Anhängern dieser Religion werden dulden wollen. Wir sind überzeugt, daß die Großmächte unseren Forderungen die wohlwollendste Aufnahme bereiten und damit der ganzen Welt beweisen werden, daß sie in Wahrheit die Verteidiger jeder gerechten Sache sind. Allein, welche Sorgfalt man auch für die endgültige Regelung dieser Fragen entfalten möge: ihre Erfolge können sich erst nach der definitiven Herstellung des Friedens geltend machen, ln der Zwischenzeit jedoch dauern die Abschlachtungen der Mohammedaner, der Wallachen und Juden in den besetzten Ländern durch die verbündeten Armeen fort. Es ist offensichtlich, daß die Balkanstaaten nicht nur gegen das türkische Reich allein den Krieg führen, sondern auch und vornehmlich gegen die verschiedenen Völkerschaften, die die Balkanhalbinsel bewohnen und deren Vernichtung von ihnen beschlossen zu sein scheint. Europa kann vor diesem Schauspiele nicht länger gleichgültig bleiben und ganze Völkerschaften durch barbarische und unerbittliche Eroberer ausrotten lassen, die sich nicht scheuen, sämtliche Gesetze der modernen Kriegführung, alle Grundsätze der europäischen Zivilisation, die sie so laut proklamieren und in deren Namen sie zu handeln vorgeben, mit Füßen zu treten. Wir bitten Sie daher, Herr Botschafter, uns Ihren machtvollen Beistand bewilligen zu wollen, nicht nur um unseren Forderungen bezüglich des politischen Status Mazedoniens, deren Gerechtigkeit Sie zweifellos anerkennen werden, zur Annahme zu verhelfen, sondern auch um umgehend ausreichende Maßregeln treffen zu lassen, damit in den von den verbündeten Balkanstaaten besetzten Gebieten die täglichen Attentate auf das Leben, die Ehre und den Besitz der schutzlosen muselmanischen, kutzo-wallachischen und jüdischen Bevölkerung ein Ende nehmen. In der Hoffnung, daß Sie dieses unser Gesuch gütigst Ihrer Regierung unter Beifügung Ihrer hohen Empfehlung übermitteln werden, bitten wir Sie, Herr Botschafter, mit der Versicherung unseres ergebensten Dankes, zugleich die unserer tiefen Erkenntlichkeit zum voraus entgegennehmen zu wollen, mit der wir die Ehre haben4* usw. Wie offiziös versichert wird, hat das Gesuch das ernste Wohlwollen besonders der Dreibundmächte gefunden. Zur Lage in Saloniki (Von unserem Berichterstatter.) Am Tage nach seiner Ankunft in Saloniki besuchte der griechische Ministerpräsident Herr V e n i z e 1 o s den Großrabbiner Jacob M e Y r und äußerte ihm gegenüber sein großes Interesse für die Wohlfahrt und die künftige Entwicklung der jüdischen Gemeinde. Er erkannte an, daß die Juden besondere Gründe hätten, sich zu den Türken hingezogen zu fühlen, denn diese hätten den Juden wichtige kommunale Vorrechte eingeräumt, und er versicherte dem Großrabbiner, daß es eine der ersten Sorgen der griechischen Regierung sein würde, alle diese Vorrechte aufrecht zu erhalten, sowohl bezüglich der Koscherfleischsteuer und der kommunalen Steuern, wie auch bezüglich der Einrichtungen des Großrabbinats. Herr Venizelos versicherte ferner, daß die griechische Regierung alles tun wolle, um die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zu fördern. Saloniki, so sagte er, wird auch in Zukunft der Hafen Serbiens sein und viele griechische Gebiete werden seinem Handel offen stehen. Saloniki wird von der griechischen Handelsflotte große Vorteile haben, so daß die Stadt durchaus nichts von ihrer Bedeutung verlieren wird, sondern einer gedeihlichen wirtschaftlichen Entwicklung entgegensieht. Die Missionsschulen unserer Stadt schrecken vor keinem Mittel zurück, um möglichst viele Juden zu gewinnen, und in den Herzen der Schüler alle jüdischen Empfindungen zu vernichten. Der ganze Unterricht, namentlich in der Geschichte und in der Religionsgeschichte, wird auf diesen Zweck zugeschnitten. In dem Geschichtsbuch für die unteren Klassen, in welchen Schüler von 11 bis 12 Jahren unterrichtet werden, heißt es z. B. bei der Behandlung eines Abschnittes der jüdischen Geschichte folgendermaßen: „Auf Geheiß eines Schwindlers Bar Kochba, der wie ein Messias auftrat, erhob sich das jüdische Volk zum letztenmal*4, und an einer andereji Stelle „Die Rasse, die den Heiland mordete, wurde nach allen vier Enden der Welt zerstreut, aber sie lebt noch immer als ewiges Zeugnis der Rache Gottes*4. Aehnliche Stellen finden sich noch mehrere. Leider gibt es noch immer jüdische Eltern, die ihre Kinder solchen Erziehungsanstalten anvertrauen. Die staatsbürgerlichen Rechte der Juden in den neuen rumänischen Gebieten Bukarest. Die seit Monaten schwebenden rumänisch-bulgarischen Verhandlungen wegen einer Grenzberichtigung zugunsten Rumäniens sind bekanntlich dank der Mediation der Großmächte ihrem friedlichen Abschluß nahe, und es kann nunmehr als zweifellos gelten, daß Bulgarien einen gewissen Gebietsstreifen an das benachbarte Königreich abtreten wird. Nun ist das fragliche Grenzgebiet auch von einer größeren Anzahl Juden

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