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Die Welt · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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242 Nr. 8 DIEl§gELT langen könnte, so würden sicherlich die Freunde des jüdischen Erziehungswesens in den einzelnen Städten mit Hilfe der Gesellschaft an die Eröffnung von Mädchen-Chadarim gehen und die hochwichtige Frage der jüdischen Mädchenerziehung könnte ihrer Lösung entgegengeführt werden. Dieselbe Zeitung beschäftigt sich in ihrer Nr. 28 mit der Jungfernrede des jüdischen Abgeordneten Dr. Hurwitz in einer der jüngsten Sitzungen der Reichsduma. Dr. Hurwitz besprach die judenfeindliche Politik des russischen Bildungsministeriums und sagte u. a.: „Das einzige Streben des Bildungsministers geht dahin, die Juden im Schlamm der Unwissenheit versinken zu lassen und sie systematisch von den Quellen der Bildung fernzuhalten.“ Der Artikelschreiber führt nun aus, daß diese Aeußerung gewissermaßen eine Verkennung der „höheren Ziele“ der judenfeindlichen Regierungspolitik enthalte. Freilich liegt es in den Intentionen der russischen Regierung, den Juden die Quellen der Bildung nach Möglichkeit zu verschließen, aber die Herabdrückung des allgemeinen Bildungsniveaus der Juden sei ihr nicht Selbstzweck, sondern, worauf es ihr in erster Reihe ankomme, sei die äußerste Verringerung der Zahl derjenigen Juden, die auf Grund ihrer höheren Bildung „Vorrechte“, wie das Wohnrecht außerhalb des Ansiedlungsrayons usw., genießen. Die Regierung sei eben für die Gleichberechtigung aller Juden .... Der Artikelschreiber beleuchtet diese Tendenz der Regierungspolitik auch an Hand der jüngsten judenfeindlichen Verfügungen des russischen Handelsministeriums. Die Einführung der berüchtigten Registrationsbüchlein für die reisenden jüdischen Kaufleute, die gegen die jüdischen Handelshochschüler gerichteten Beschränkungen — alle diese Maßnahmen haben nur den Zweck, die Zahl der „privilegierten“ jüdischen Kaufleute zu vermindern. Darum seien auch alle Beschwerden der Juden wie der einmütige Protest der russischen Kaufmannschaft gegen die oben genannten Bestimmungen völlig zwecklos. Die Regierung verfolge in ihrer Judenpolitik beharrlich eine ganz bestimmte Richtung, von der sie sich nicht abdrängen lassen will. Das Januar- (Schebat-) Heft der ausgezeichneten hebräischen Zeitschrift für wissenschaftliche und praktische Landwirtschaft „Hachaklai“ in Jaffa bringt an erster Stelle einen bemerkenswerten Aufsatz von Dr. Z. Tatgum „Wie kann man am Futter der Arbeitstiere sparen?“ Der Verfasser empfiehlt für Palästina an Stelle der gebräuchlichen Fütterung mit Gerste, die sehr teuer zu stehen kommt, eine Futtermischung von Mais, Hafer, Melasse und Stroh. — Dr. J. Bergert schreibt über „Erste Hilfe bei Unglücksfällen auf dem Lande.“ Er bietet namentlich praktische Fingerzeige für die Behandlung verschiedener Wunden, bevor der Arzt zur Stelle ist. — Hierauf folgt die Fortsetzung des Aufsatzes „Dry-Farming“, in dem die Methode des amerikanischen Agronomen John A. W i d s t o e zur „trockenen“ Bodenbestellung in wasserarmen Gegenden eingehend dargestellt wird. — Dr. J. L. Met man vom Hebräischen Gymnasium gibt eine kurze Uebersicht der Nutzpflanzen (Getreide- und Futtergewächse) Palästinas. — Zur Erleichterung landwirtschaftlicher Zählungen wird ein Musterfragebogen nebst der Antwort eines Kolonisten auf die einzelnen Fragepunkte abgedruckt. — Die Rubrik „Aus der Fachliteratur“ enthält Notizen über das Pfropfen mit Fruchtaugen, über Pfirsichkulturen in Amerika, über den Schutz der Apfelsinenschalen vor Beschädigung durch Insekten und über Krankheiten der Apfelsinen in Spanien. — Eine reichhaltige Chronik, Fragen und Antworten und Handelsnachrichten beschließen das interessante Heft. Im „Hapoel Hazair“ veröffentlicht A. Zioni eine sehr aufschlußreiche Artikelserie über die verschiedenen Methoden der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina. Er wendet sich in entschiedener Weise gegen die landläufige Anschauung, daß das von Baron Rothschild und der Ica angewandte System der „Vormundschaft“ und der Administration allein schuld sei an den mancherlei Mißerfolgen des palästinensischen Kolonisationswerkes und daß anderseits alles Heil der Kolonisation in der Schaffung eines selbständigen Kleinbauerntums liege. Seiner Ansicht nach liegen die Umstände, die die Entwicklung der Kolonisation hemmten, klar zutage: „Nicht die Vormundschaft hat unser Werk geschädigt und nicht die Privatinitiative seinen Aufschwung herbeigeführt. Die so verwickelten kolonisatorischen Probleme sind ausschließlich technischer und nicht psychologischer Natur, daher liegt auch ihre Lösung auf technischem Gebiete. Die Qualität des Bodens und die Verhältnisse der Umgebung sind allein ausschlaggebend. Auf gutem Boden gedeiht auch der Pächter; auf schlechtem muß auch das selbständige Bauerntum zugrunde gehen.“ Der Artikelschreiber führt dann weiter aus, daß gerade die zur Unzeit und an unrichtiger Stelle geförderte Privatinitiative des Kolonisten uns weitab, von unserem eigentlichen Ziele, der Nationalisierung des Bodens, führen müsse und anstatt einer gesunden, selbst arbeitenden und nationale Werte schaffenden Bauernklasse notwendig ein landwirtschaftliches Unternehmertum großziehe, das den ganzen Erfolg unserer Arbeit in Frage stelle. A. Zioni tritt von diesem Gesichtspunkte der Nationalisierung des Bodens auch für das System der Erbpacht ein, das u. a. der Nationalfonds in Palästina eingeführt hat. In warmherzigen Worten nimmt er die großzügigen Kolonisationsmethoden des Barons Edmund Rothschild gegen die vielfachen Vorwürfe einer ungerechten Kritik in Schutz. „Eine Schule und ein Wegweiser für uns alle“, ruft er aus, „war das vom Baron geschaffene Kolonisationswerk. Nicht von den Irrtümem dieser Aera leben wir, sondern von den unendlich großen positiven Werten, die sie uns hinterlassen hat. Auf diesem Grunde bauen wir ja weiter, und eine andere Basis haben wir nicht. Mag sein, daß in dieser Periode nicht die wünschenswerte Sparsamkeit obwaltete, ja daß Verschwendung getrieben wurde. Allein auch anderwärts verzehrt die Neubesiedelung eines Landes stets große Opfer an Menschenleben und Geldmitteln, ohne daß der Erfolg größer wäre als der unsere. Selbst die innere Kolonisation, wie z. B. das Siedlungsunternehmen der preußischen Regierung in den Ostmarken, wo die Leiter des Kolonisationswerkes die gesamten einschlägigen Verhältnisse genau kennen und nicht gegen tausend unvorhergesehene Widerstände ankämpfen müssen, verschlingt ähnlich große Werte. . . . Das Vormundschaftssystem hat schwer gesündigt. Durch seine Irrtümer und bewußten Vergehen hat es uns von unserem Ziele entfernt, aber es hat uns einen großen positiven Fonds hinterlassen, der uns mit allen Fehlgriffen aussöhnen muß.“ Jaffa. Die syrisch-arabische Bewegung beginnt immer mehr auch die hebräische Presse zu interessieren. Da mit wenigen Ausnahmen fast nur sephardische Juden die arabische Sprache beherrschen und demgemäß fast allein einen Einblick in die arabische Presse und Bewegung gewinnen können, so sind sie in dieser Frage auch die Wortführer in der lokalen hebräischen Presse. Ihr Standpunkt ist folgender: Wir Juden Palästinas werden in der arabischen Presse verleumdet und der arabischen Bevölkerung als ihre schlimmsten Feinde denunziert. Dies kommt daher, weil wir schweigen, weil man uns, unsere Arbeit und unsere Absichten nicht kennt. Gründen wir daher eine eigene arabische Zeitung, in der wir zur arabischen Nation sprechen, unsere Verleumder entlarven, die gegen uns ausgestreuten falschen Anschuldigungen auf ihren wahren Gehalt zurückführen können. Dieser Forderung nach einer eigenen arabischen Tribüne könnte man eine gewisse Berechtigung nicht absprechen, wenn zumindest eine unerläßliche Vorbedingung da wäre, nämlich das Vorhandensein jüdisch-arabischer Schriftsteller, die jüdisches Wissen mit allgemeiner Bildung vereinigten. Leider hat die Alliance, die allein im Laufe von vielen Jahrzehnten die

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