Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316567-3316582--57131-3375579- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 8 241 DIE3^ELT nicht m ehr vorgesehen sei. Ebenso seien in dem neuen Entwurf die gegenwärtig in Palästina bestehenden Beschränkungen betreffs des Bodenerwerbs der ausländischen Juden fallen gelassen worden. ln dieser Form besagt die Meldung leider wenig, da die erwähnten Beschränkungen früher im Verordnungswege erlassen wurden und niemals in einem Gesetz oder formellen Verwaltungsplan enthalten waren. Die Nichtaufnahme solcher Bestimmungen in neuen Gesetzen und Verwaltungsplänen wäre daher nur dann von Bedeutung, wenn die praktische Beseitigung aller derartiger Beschränkungen in positiver Form gewährleistet würde. Hoffentlich werden die Bemühungen in dieser Richtung von Erfolg sein. Die zweite Reise des Herrn Nathan Straus nach Palästina Mr. und Mrs. Nathan Straus sind am 18. Januar von New York nach Palästina abgereist und haben vier geprüfte Krankenpflegerinnen und zwei Aerzte mitgenommen. Als Herr Straus im vorigen Jahr in Palästina war, hat ihn das große Elend der jüdischen Bevölkerung Jerusalems zu eiliger Hilfe veranlaßt. Er hat das Gesundheitsamt unter Leitung unseres Gesinnungsgenossen Dr. ßrünn und eine Volksküche in Jerusalem für 300 Personen eingerichtet. Die Aufgabe des Gesundheitsamtes ist es vornehmlich, die Malaria zu bekämpfen. Herr Straus beabsichtigt jetzt, in Jerusalem 20 Volksküchen einzurichten, während die mitgenommenen Aerzte und Krankenpflegerinnen vor allen Dingen gegen die Augenkrankheiten der Kinder (Trachom etc.) und gegen die Kindersterblichkeit kämpfen sollen. Aufgabe der Pflegerinnen ist es auch, den jüdischen Mädchen in Jerusalem und anderen Orten Unterweisung in der Krankenpflege zu erteilen. Herr Straus beabsichtigt, bis Mai in Palästina zu bleiben, und er hofft, daß bis dahin mehrere seiner Institutionen bereits gut eingerichtet sein werden. Er will sich diesem palästinischen Wohlfahrtswerk mit ganzer Kraft widmen, da das Werk, dem er zweiundzwanzig Jahre seines Lebens gewidmet hat, nämlich die Versorgung der bedürftigen New Yorker Bevölkerung mit pasteurisierter Milch, seiner jetzt nicht mehr bedarf. Der Generaldirektor des American Citizens’ Committee und der Immigration Distribution League wird Herrn Straus während des größeren Teiles seiner Reise in Palästina begleiten. Von Palästina wird sich Herr Straus nach Rumänien und anderen Ländern Europas begeben, wo er auf die Mitwirkung einflußreicher Staatsmänner und Publizisten hofft für seine Bestrebungen zur Besserung der politischen und weltlichen Lage der Juden in den osteuropäischen Ländern. Herr Straus bezeichnte Mr. Green, der ihm mit Rat und Tat bei diesem seinem Unternehmen zur Seite stehen will, als denjenigen Mann, welcher die Kündigung des russischamerikanischen Handelsvertrages veranlaßte. Palästina-Reise-Gesellschaft (e. V.) in Hamburg Mit dem Eildampfer „Wien" findet am 28. März a. c. eine Gesellschaftsreise nach Palästina statt zu erheblich ermäßigten Preisen. Nur umgehende Anmeldungen können -noch berücksichtigt werden, da die Einzahlung des Fahrpreises bis zum 1. März erfolgen muß. — Fahrkarte Triest—Jaffa und zurück ca. 450 Frcs. II. Kl. und ca. 650 Frcs. I. Kl. Reisekosten im Lande je nach den Ansprüchen zwischen 10 und 30 Frcs. pro Tag und Person. — Die Mitglieder der Pal.-Reise-Gesellschaft werden höflichst gebeten, die Jahresbeiträge umgehend einzusenden an Rechtsanwalt Dr. Bruno Tannenwald, Hamburg, Kaiser Wilhelmstr. 110. Die bis zum 1. März nicht eingegangenen Beiträge werden unter Zuschlag der Kosten p. Nachnahme eingezogen. Gesinnungsgenossen werden wiederholt auf die außerordentliche Wichtigkeit von Palästina-Reisen hingewiesen und dringend aufgefordert, unserem Vereine beizutreten. Die Verlosung findet am Chol-ha-Moed Pessach statt. Palästina-Reise-Gesellschaft e. V. in Hamburg Der geschäftsführende Ausschuß i. A. Dr. Chwo 11 es Hamburg-Bahrenfeld, Mozartstr. 34. Die Partei-Presse wird höflichst um Nachdruck gebeten. In Jaffa ist unter der Firma Emanuel Sachs, Bureau für jüdische Gesellschaftsreisen in Palästina, ein jüdisches Reisebureau begründet worden, welches sich speziell mit dem Arrangement von jüdischen Gesellschaftsreisen nach Palästina befassen wird. Die Firma hat für die bevorstehende Reisesaison in Deutschland und in Oesterreich zwei große Gesellschaftsreisen organisiert und ist jetzt dabei, auch in Rußland eine jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina zu arrangieren. Das Reisebureau hat für diese Reise alle für Juden bedeutungsvollen Stätten im Programm vorgesehen. Alle Denkmäler unserer großen Vergangenheit in Palästina und alle Kolonien, Anstalten usw., welche für unsere nationale Bewegung von Bedeutung sind, sollen unter der Leitung von sachkundigen Fremdenführern besucht werden. Wir können allen unseren Gesinnungsgenossen, welche in der Lage sind, sich eine solche Reise zu leisten, aufs angelegentlichste empfehlen, an diesen Gesellschaftsreisen teilzunehmen, die nicht nur sehr interessant, sondern auch sehr belehrend sein werden. Man wird bei dieser Reise Gelegenheit haben, alle Zweige unserer Kolonisations- und sonstigen Palästinaarbeit aus eigener Anschauung genau kennen zu lernen. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an das Reisebureau Emanuel Sachs, Jaffa, ferner gibt der Verlag „Die Welt" Kommerzielle Abteilung, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, bereitwilligst Auskunft. REVUE DER PRESSE Die Frage der jüdischen Mädchenerziehung in Rußland behandelt die „Hazephirah“ im Leitartikel ihrer Nummer 26. Bildet schon die jüdische Erziehung der Knaben in Rußland ein äußerst verwickeltes Problem, wie die jüngsten Debatten in der russisch-jüdischen Bildungsgesellschaft von neuem erwiesen haben, so ist die Mädchenerziehung erst recht ein Gebiet, das den beteiligten Eltern sowohl wie der jüdischen Öffentlichkeit große Verlegenheit bereitet. Schon in den Anfängen der national jüdischen Bewegung erkannte man die hohe Wichtigkeit der jüdischen Mädchenerziehung und es wurden auch einige Versuche in dieser Richtung unternommen, wie die Errichtung von Abendkursen und Vorträgen für Mädchen, auch vereinzelter Mädchenschulen, in den meisten Fällen aber stieß man bei den Bestrebungen, Elementarschulen für jüdische Mädchen zu errichten, auf den Widerstand der Verwaltungsbehörden, die dahinter staatsgefährliche Reform versuche witterten, da das alte, traditionelle Judentum keine besonderen Mädchenschulen kennt. Der Artikelschreiber regt nun an, die russisch-jüdische Bildungsgesellschaft möchte sich bemühen, bei dem russischen Kultusministerium die generelle Erlaubnis zur Eröffnung von Chadarim für Mädchen zu erwirken, damit die Regelung dieser Frage nicht mehr von dem Belieben der lokalen Behörden abhängig sei. Die Errichtung solcher Mädchenschulen wäre eine sehr dankbare und aussichtsreiche Aufgabe für die Bildungsgesellschaft. Die Reform der Knaben-Chadarim, die die Gesellschaft plant, ist ein sehr schwieriges Unterfangen, da die Umgestaltung einer alten Volksinstitution mit vielhundertjährigen Traditionen einen großen Aufwand an Tatkraft und Geldmitteln erfordert und große Kämpfe mit den konservativen Kreisen, die von der alten Erziehungsmethode nicht abgehen wollen, heraufbeschwören muß. Hingegen würden alle diese Hemmnisse bei der Errichtung von Mädchen -Chadarim fortfallen. Wenn also die Bildungsgesellschaft eine derartige Konzession er-