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Die Welt · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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240 LT Nr. 8 : DIE Bekanntmachung. Bezüglich der Beunruhigung, die hier wegen der Bischlik- und Metallikmünzen Platz gegriffen hat, beehren wir uns, auf Grund .eingehender Untersuchung festzustellen, daß sie ganz grundlos ist. Um das Publikum zu beruhigen, hat der Waad Ha’ir Unterhandlungen mit den Kaufleuten angeknüpft, und es wurde nun die Vereinbarung getroffen, daß die Bischliks und Metalliks zu dem bisher üblichen Kurse angenommen und die Waren zu den bisher üblichen Preisen verkauft werden sollen. Alle diejenigen, die diese Münzen besitzen, haben daher keinerlei Verlust zu befürchten. Wir hoffen, daß die geehrten Bürger den aus der Luft gegriffenen Gerüchten keinen Wert beimessen und ihren Geschäften in Ruhe nachgehen werden. Dadurch werden sie sowohl sich selbst als auch dem Vaterlande in kritischer Stunde dienen. Die Sonne des Friedens, der Gerechtigkeit und Redlichkeit möge über unsere Heimat und das geliebte Vaterland strahlen. Jaffa. Der Waad Ha’ir. Daß die Behörden sowohl in Jerusalem als auch in Jaffa die Haltung der Juden und ihre Hilfsbereitschaft dankbar anerkennen, braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu Palästina, wie man es sieht Es ist sehr zu begrüßen, daß seit einiger Zeit auch unter den westeuropäischen Juden die Gesellschaftsreisen nach Palästina immer mehr in Schwang kommen. Tatsächlich wird kein denkender und fühlender Jude, der Palästina besucht, — welcher religiösen oder politischen Richtung er auch immer angehören mag, — das Land unserer glorreichen Vergangenheit und verheißungsvollen Zukunft ohne dauernde Anregungen und geistige Bereicherung verlassen. Der Besuch der Städte, die Wanderungen durch die jüdischen Kolonien, der Anblick der prächtigen Landschaften, all das Herrliche, das sich hier in dem jugendfrischen Wiedererwachen von Land und Leuten offenbart, — all dies wirkt mächtig auf das Gemüt des Besuchers ein und bringt neue Saiten jüdischer Empfindung zum Etwas von dieser neuen Stimmung zittert auch durch den Aufsatz „Religiöse Richtungen im jüdischen Paläs t i n a“, den Rabbiner Wilde -Magdeburg, nach seiner Rückkehr von einer gemeinsam mit Dr. A. K a m i n k a aus Wien unternommenen Palästinareise in Nr. 2 des „Israelitischen Familienblattes“ veröffentlicht hat. Es finden sich da Betrachtungen und Auffassungen, die ein liberaler Rabbiner in Deutschland, der noch dazu eingestandenermaßen Antizionist ist, ohne den eindringlichen Anschauungsunterricht, den er durch seine Palästinareise empfing, nie und nimmer geäußert hätte: „Wir könnten helfen, nicht n u r die vertriebenen Juden Rußlands und Rumäniens und wer sonst dort sein will, zu kolonisieren, sondern auch ein jüdisches Kulturmilieu zu schaffe n.“ „D as Wiedererwachender hebräischen Sprache als einigendes Band für alle dortigen Juden, als klassische Sprache des Landes, ist freudig zu begrüßen.“ So das Palästina, wie man es sieht. Es gibt aber noch ein anderes Palästina: wie man es sehen w i 11. Und auch davon weiß Herr Dr. Wilde mancherlei zu erzählen. Er hat nun einmal die „Richtlinien“ unterschrieben, und so ist es vielleicht natürlich, daß er auch in Palästina nach Beweisen für sie sucht. So schreibt er: Die jemenitischen Juden, die man als Arbeiter in den Kolonien trifft, würden sagen: „Wer nicht mehrere Frauen hat, kann nicht als Jude angesehen werden.“ Rabbiner Wilde leistet sich diese für die Ehre unserer jemenitischen Brüder wenig schmeichelhafte Ungeheuerlichkeit, um darauf hin weisen zu können, daß auch die Polygamie durch deutsche Rabbiner verboten wurde, woraus folgt, daß auch heute deutsche Rabbiner wichtige Verbote aufheben dürfen, — quod erat demonstrandum. Daß unter den Jemeniten (wie mitunter auch bei den Sephardim) noch Polygamie vorkommt, wird auch in der Feldmannschen Broschüre „Die jemenitischen Juden“ mitgeteilt. Aus der Aeußerung des Dr. Wilde muß aber jeder unbefangene Leser den Eindruck gewinnen, daß bei den jemenitischen Juden die Polygamie geradezu ein religiöses Gebot sei. Demgegenüber muß entschieden betont werden, daß es In ganz Palästina wohl kaum 10 Familien gibt, in denen Polygamie (zumeist als Folge der Kinderlosigkeit der ersten Frau) vorkommt, während die islamitische Umgebung darin ganz andere Anschauungen hegt. Von anderen kleinen unrichtigen Darstellungen im Aufsätze des Herrn Dr. Wilde kann hier abgesehen werden. Werbearbeit für Palästina In Südafrika Schon lange ist man sich in den führenden Kreisen des palästinischen neuen Jischub darüber im Klaren, daß die Agitation in der Diaspora für die reale Palästinaarbeit verstärkt werden muß. Die letzten politischen Ereignisse mahnten wieder daran, das Versäumte nun endlich nachzuholen. Besonders interessierte sich unser Gesinnungsgenosse Ussischkin bei seinem letzten Aufenthalt lebhaft für diese Frage und seinem Einflüsse ist es zuzuschreiben, daß zumindest mit Südafrika jetzt ein Anfang gemacht werden wird. Herr A. Kretschm a r, der früher in Konstantinopel die hebräische Zeitung „Hamewasser“ redigierte, später - längere Zeit in Amerika zum Studium jüdischer Fragen weilte und jetzt in Palästina wohnt, begibt sich noch im Laufe dieser Woche nach Südafrika, um dort für die Palästinaarbeit zu werben. Einige andere Palästinenser, die demnächst nach Europa reisen werden, haben ebenfalls versprochen, ihre freie Zeit für die palästinensische Werbearbeit zur Verfügung zu stellen. Das Beispiel des Jaffaer Kaufmanns E. Berlin, der während einer Geschäftsreise in Rußland durch seine eifrige Propaganda die Gründung des neuen Jaffaer Hospitals fast sicherstellte, beweist, daß wir von dieser Tätigkeit der Palästinenser vieles zu erwarten haben. Freilich kommt es auch darauf an, daß unsere Freunde draußen ihnen energisch zur Seite stehen. Von der Arbeitergenossenschaft in Daganja Dagan ja, Ende Schebat. Wir sind hier am 15. Schebat mit der Winterbestellung fertig geworden. Mit Wintergetreide wurden 2020 Dunam bestellt, nämlich mit Weizen 1100, mit Gerste 600 Dunam und der Rest mit Bohnen, Wicke, Klee usw. Wir haben in diesem Jahre auch mit Kartoffeln, Rüben und verschiedenen Gemüsearten einen Anfang gemacht, von dem wir uns viel versprechen. Die Feldarbeiten konnten wir zur richtigen Zeit ausführen, und so ist denn der Stand der Saaten auf unseren Feldern ein sehr befriedigender. Für Sommergetreide bereiten wir 200 Dunam vor. Gleichzeitig arbeiten wir auch an den Vorbereitungen für die Baumpflanzungen. Mandel- und Olivenbäume sowie 28 verschiedene Obstbäume haben wir bereits angepflanzt. Ein Weingarten soll demnächst angelegt werden. Wir werden in den nächsten Tagen auch eine vorläufig kleine Milchwirtschaft einrichten. Seit der Jüdische Nationalfonds hier die nötigen Wirtschaftsgebäude erbaut hat, geht die Arbeit viel leichter, geordneter und ersprießlicher vonstatten. Wir sehen daher der weiteren Entwicklung mit Zuversicht entgegen. Erleichterungen der jüdischen Kolonisation in Palästina? Wie verschiedene Zeitungen und Korrespondenzen melden, erhielt der Großrabbiner Haim N a h u m von der neuer. Regierung die formelle Zusicherung, daß die Einrichtung des sogenannten „roten Zettels“, der den ausländischen Juden bisher bei ihrer Landung in Syrien von den Hafenbehörden überreicht wurde und der den Zweck hat, die Dauer ihres Aufenthalts im Lande auf drei Monate zu beschränken, in dem neuen Plan für die Verwaltung der syrischen Vilajets

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