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Die Welt · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8 237 &1E3§£elt wurde hinausgewiesen. Es sollte festgestellt werden, daß die Tiere nach der Schlachtung sich noch erheben und etwas gehen können. . Es wurde aber nicht etwa ein geübter Schächter mit der Schlachtung betraut, sondern ein christlicher Metzger, ebensowenig ein ein wandsfreies Messer, wie es für das Schächten notwendig ist, in Anwendung gebracht. Endlich wurden den Tieren sofort nach erfolgtem Halsschnitt die Fesseln von den Füßen gelöst. Die unausbleibliche Folge war dann auch, daß zwei von den geschlachteten Tieren sich erhoben und ein wenig gingen, um dann zusammenzubrechen.- Die Vorgänge wurden auf einem Film festgehalten. Daß der Hergang sich so wie hier geschildert, zugetragen hat, kann einwandsfrei nachgewiesen werden. Der auf so unzulässige Weise hergestellte Film soll offenbar zur angeblichen Aufklärung des Publikums verwendet werden, während er nur zu dessen Irreführung dienen kann. Dieses Verfahren soll hiermit gekennzeichnet werden. Ein Journalistenstreik in Amerika New York. Ein eigenartiger Streik lenkt hier gegenwärtig die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Mitarbeiter sämtlicher in New York erscheinenden „viddischen" Tageszeitungen sind nämlich in den Ausstand getreten. Ihre Forderungen sind einstweilen noch nicht genau formuliert, nur soviel ist bekannt, daß die jüdischen Journalisten einen Berufsverband gegründet haben und die Herausgeber der „viddischen*- Blätter zwingen wollen, nur Mitglieder dieses Verbandes zu beschäftigen. Die Zeitungsherausgeber ihrerseits erklären die Forderungen der Journalisten als unannehmbar. Wahrscheinlich werden im Laufe der nächsten Tage die meisten „viddischen“ Tageszeitungen ihr Erscheinen einstellen müssen, zumal da auch die Setzer die Arbeit niederlegen wollen, um die Journalisten in ihrem wirtschaftlichen Kampfe zu unterstützen. Antisemitismus in einer Berliner Schule In der Sitzung der Berlin-Wilmersdorfer Stadtverordnetenversammlung vom 12. Febr. brachte Stadtv. D r o e s e einen Fall zur Sprache, der berechtigtes Aufsehen erregte. In der Cecilienschule habe der Direktor T r i e b e 1, als einige Schülerinnen etwas Lärm machten, damit gedroht, sämtliche jüdische Schülerinnen aus der Anstalt zu entfernen. Welche Gründe Vorgelegen haben, gerade die jüdischen Schülerinnen für den Lärm verantwortlich zu machen, entziehe sich seiner Kenntnis. Er bat den Magistrat, dafür zu sorgen, daß in den städtischen Schulen keine antisemitischen Strömungen Platz greifen. Auch Stadtv. Dr. Büchtemann sprach sich entschieden dagegen aus, daß in den Schulen antisemitische Politik getrieben werde. Im übrigen habe das Provinzialschulkollegium auch ausgeführt, daß solche Äußerungen nicht zu billigen wären. Dies sei eine sehr scharfe Zurückweisung gewesen. — Bemerkenswert ist, daß die in Rede stehende Cecilienschule 250 jüdische Schülerinnen (ein I'rittel der Gesamtzahl) aufweist. Ein jüdisches Matter- und Kinderheim in Berlin Der Frauen-Verein der Berliner Logen U. O. B. B. (E. V.) hat am 3. Februar d. Js. im eigenen Hause, Brunnenstr. 41, ein Mutter- und Kinderheim eröffnet. Zweck des Heims ist, jüdischen Müttern vor und nach der Entbindung mit ihren Kindern Aufnahme zu gewähren. Von einer Eröffnungsfeier ist abgesehen worden, da der genannte Frauen-Verein am 9. März dieses Jahres sein 25 jähriges Bestehen durch eine Feier im .Marmorsaal des Zoologischen Gartens festlich begehen wird. Ein Festmahl vereinigt die Festteilnehmer am Abend im Logenhaus, Kleiststr. 10. Die Burnett Bill Von Leon Wechsler, Lemberg Den Juden droht eine neue Verschlechterung ihrer Lage, der Verlust der „letzten“ Hoffnung der Armen und Bedrängten. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika trachten schon seit Jahren danach, die Immigration und besonders die der Juden zu erschweren. Diese Erschwerung geschieht sowohl auf administrativem Wege, durch die scharfe Beobachtung der geltenden Immigrationsvorschriften, wie auch im Wege der Legislative durch Einbringung von Immigrationsgesetzentwürfen, durch die die Einwanderung möglichst verhindert werden soll, ln ersterer Hinsicht war der Immigrationskommissär auf Ellis-lsland, William Williams, besonders tätig. Unter den Gesetzesvorlagen hat die von Burnett beantragte Bill eine besonders große Bedeutung. Wenn für Gesunde, Bemittelte, geistig und körperlich Normale der Hafen von New York und noch andere offen sind, so will man sie für diejenigen schließen, die der Oeffentlichkeit zur Last fallen müssen, die krank und arm die Spitäler und Armenhäuser füllen. Diese Tendenz wird auch stark von den Trade Unions, den Gewerkschaften unterstützt, die die Ankunft neuer Arbeitskräfte als ihre natürliche Konkurrenz betrachten. Der Ausdruck dieser Tendenz ist die Burnett Bill. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn der jetzige Präsident sich ablehnend verhält, der neue Präsident, Woodrow Wilson, dieser Bill zustimmen wird. Die wichtigste Bestimmung derselben ist, daß jeder Immigrant in jener Sprache lesen können muß, die seine Landessprache ist. Ausgenommen sind lediglich Einwanderer weiblichen Geschlechts. Dazu kommt noch die Schwierigkeit mit den behördlichen Führungszeugnissen. Es nahen also traurige Zeiten, vor allem für die Juden, die den größten Anteil an der Immigration haben. Was uns droht, zeigen am besten die Ziffern der jüdischen Immigration. Wir wollen diese bezüglich Oesterreich-Ungarns, und zwar mit besonderer Berücksichtigung Galiziens, näher betrachten. Es emigrierten aus Oesterreich-Ungarn: im Jahre Juden pCt._im Verhältnis zu anderen aus Österr.-Uneemigrierenden 1900/01 13 006 Völkern 11,5 1901/02 12848 7,5 1902/03 18759 9,1 1903/04 20211 11,4 1904/05 17 352 6,3 1905/06 14 884 5,6 1906/07 18 885 6,5 1907/08 15 293 9,1 1908/09 8 431 5,0 Zusammen 139 669 Die jüdische Einwanderung aus Oesterreich nach Amerika ist also verhältnismäßig die größte. Besonders große Dimensionen hat die Auswanderung in Galizien angenommen. In den zehn Jahren 1900—1910 ist sie so bedeutend gestiegen, daß die jüdische Bevölkerung Galiziens nicht zugenommen hat, sondern relativ — unter Berücksichtigung des Geburtenüberschusses — auf etwa 872 000 Köpfe gesunken ist. Genaue statistische Zahlen sind hierüber nicht vorhanden, da in Galizien keine separate Statistik über die Judenauswanderung geführt wird. Ebensowenig können die Angaben des Immigrationsamtes auf Ellis-lsland und die Ausweise des Board of Immigration in Washington hierüber genaue Aufschlüsse geben, weil

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